Ärzte-Streik Kliniken verlieren bis zu 600.000 Euro pro Tag

Der Arbeitskampf der Mediziner eskaliert. Die Klinikärzte sehen sich bei ihren Streiks für 30 Prozent mehr Gehalt zunehmend mit der Warnung vor einem Stellenabbau konfrontiert.


Berlin - Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) erklärte heute, die Einnahmeausfälle durch streikende Ärzte lägen täglich bei 150.000 bis 600.000 Euro pro betroffener Uni-Klinik. Niemand könne erwarten, dass vor diesem Hintergrund neue Stellen geschaffen oder auch befristete Verträge verlängert werden könnten.

Dessen ungeachtet legten nach Gewerkschaftsangaben wieder mehr als 3000 Ärzte in zehn Universitätskliniken und vier psychiatrischen Landeskrankenhäusern ihre Arbeit nieder. Morgen findet ein Sondierungstreffen zwischen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) statt.

Der Marburger Bund erwartet von den Arbeitgebern ein "deutlich verbessertes Vergütungsangebot". Gleichzeitig werde man die Streiks "mit noch größerer Intensität" weiterführen. Insgesamt wollen dann Ärzte in 15 Städten ihre Arbeit niederlegen. Betroffen sind unter anderem Universitätskliniken in Göttingen, Heidelberg, Ulm, Tübingen, Düsseldorf, Köln, Aachen, Würzburg und Erlangen.

Arbeitskampf trifft Kliniken ins Mark

Der TdL-Geschäftsführer, Ulrich Rieger, nannte in der "Berliner Zeitung" die Forderung des Marburger Bundes nach 30 Prozent mehr Gehalt nicht realistisch. Er fügte hinzu: "Wir wollen keinen langen Arbeitskampf. Aber wir stehen zeitlich auch nicht unter Druck." Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnte jedoch, der Einnahmeausfall treffe die Kliniken "ins Mark".

Das Universitätsklinikum München büßt nach Angaben des Vorstands an jedem Streiktag der Ärzte 450.000 Euro an Erlösen ein. Einem internen Schreiben des Vorstands an die Klinikdirektoren zufolge, das der Marburger Bund verbreitete, können die Ausfälle durch den laufenden Betrieb im aktuellen Wirtschaftsjahr nicht mehr aufgefangen werden. Die Erlöse gingen dem Klinikum dauerhaft verloren. Bundesweit sei das Klinikum der Universität München am stärksten von den Ärztestreiks betroffen.

Die Vorstandsmitglieder wiesen darauf hin, dass die Erlösdefizite durch Stellensperren und die Nichtverlängerung befristeter Verträge aufgefangen werden müssten, falls die vereinbarten Erlösziele von den einzelnen Kliniken nicht erreicht würden. Hochrechnungen hätten pro Streiktag eine Reduzierung um acht Stellen ergeben.

Jörg Säuberlich, ddp



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