Affären Deutsche Bank gibt Bespitzelung von Aufsichtsratsmitglied zu

Späte Einsicht: Die Deutsche Bank hat die geheime Überprüfung eines Aufsehers aus dem Arbeitnehmerlager zugegeben - und sich nun entschuldigt. Der Gewerkschaft Ver.di reicht das aber nicht aus. Sie fordert eine "lückenlose Aufklärung".


Frankfurt am Main - Jetzt ist es offiziell: Die Deutsche Bank hat einen Gewerkschaftsvertreter in ihrem Aufsichtsrat bespitzelt. Das Institut räumte am Montag ein, 2001 ihr damaliges Aufsichtsratsmitglied Gerald Herrmann überprüft zu haben. Der Betroffene sei über den Vorgang informiert worden, und die Bank habe sich bei ihm entschuldigt, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Montag.

Die Begründung für die Aktion: Herrmann sei verdächtigt worden, Quartalszahlen der Bank vor der offiziellen Veröffentlichung an die Presse weitergegeben zu haben, erklärte das Institut. Allerdings führte die Bespitzelung nicht zum Erfolg: Herrmann sei deshalb mitgeteilt worden, dass die damalige Aktion keine Hinweise erbracht habe. Herrmann habe die Informationen auf jeden Fall nicht weitergegeben.

Herrmann, der bis 2003 als Ver.di-Vertreter bei der Deutschen Bank im Aufsichtsrat saß, war für eine Stellungnahme nicht zu sprechen. Dem "Handelsblatt" hatte er gesagt, die Bank habe ihn erst vor wenigen Tagen informiert. Er verlange eine persönliche Entschuldigung von Bankchef Josef Ackermann.

Die Gewerkschaft Ver.di verlangt nun eine rasche Klärung der Datenaffäre. "Die Vorgänge müssen lückenlos aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Ver.di-Bundesvorstand Uwe Foullong. Die Deutsche Bank müsse garantieren, dass sich so etwas nicht wiederholen könne. Auch die strafrechtliche Relevanz der Bespitzelungsaktion müsse überprüft werden.

Die Deutsche Bank hatte im Mai Regelverstöße im Zusammenhang mit der Konzernsicherheit eingeräumt und eine Anwaltskanzlei eingeschaltet. Neben Vorständen und Aufsichtsräten soll nach Informationen des SPIEGEL auch mindestens ein kritischer Aktionär bespitzelt worden sein. Der Bericht der Anwaltskanzlei liegt Insidern zufolge inzwischen vor. Eine Sonderuntersuchung der Finanzaufsicht BaFin steht aber noch aus. Mit Ergebnissen wird erst in ein paar Wochen gerechnet.

Außerdem wertet die hessische Datenschutzbehörde derzeit einen Fragenkatalog aus, den die Deutsche Bank kürzlich beantwortet hat. Die Untersuchungen reichen bis in die neunziger Jahre zurück. Wenn die Behörde Verstöße gegen die Datenschutzvorschriften feststellt, kann sie eine Rüge aussprechen sowie die Betroffenen in Kenntnis setzen. Beim Verdacht einer Straftat müsste sie die Ergebnisse zudem der Staatsanwaltschaft melden.

yes/dpa



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