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Einzelhandel Agrardialog vor dem Aus

Monatelang verhandelten Bauern und Händler über bessere Preise. Nun droht die Fortführung des Agrardialogs zu scheitern. Der Handel fürchtet neue Proteste.
aus DER SPIEGEL 39/2021
Demonstration in Stuttgart

Demonstration in Stuttgart

Foto: Andreas Rosar / dpa

Der seit Monaten andauernde Agrardialog zwischen Bauern, Verarbeitern und Einzelhandel droht weitgehend ergebnislos zu scheitern. Das Gesprächsformat war Anfang des Jahres von neuen Landwirtschaftsbewegungen wie Land schafft Verbindung (LsV) erzwungen worden, andere Bauernorganisationen wie der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) schlossen sich an. Tagelang hatten Landwirte zuvor mit Traktoren Aldi- und Edeka-Lager blockiert, um höhere Preise für ihre Produkte durchzusetzen. Die anschließenden Gespräche verliefen für die Bauern weitgehend enttäuschend – die Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL) soll den Dialog nun weiterführen. Dort gibt allerdings der konservative Deutsche Bauernverband (DBV) den Ton an, der den Agrardialog mied, und nun, wie von den anderen Bauernvertretern befürchtet, mit der Agrarindustrie über ihre Köpfe hinweg verhandelt. LsV und BDM lehnen die Koordinierungszentrale deshalb ab, der DBV bestreitet die Vorwürfe. Auch aus dem Handel gibt es zunehmend Sorgen, dass die ZKHL an der dominanten Rolle des konservativen Bauernverbands scheitern könnte und es bald zu neuen Bauernprotesten kommt. Auf einem Schlichtungstreffen am Mittwoch hätten »alle Seiten klargemacht, dass der Bauernverband jetzt springen muss«, sagt der Vertreter eines deutschen Handelsimperiums. Es gehe darum, dass der DBV erkenne, dass er kein Alleinvertretungsrecht für die Landwirte mehr habe.

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