Aids-Medikamente US-Pharmakonzern sagt Thailand den Kampf an

Profitgier oder legitimes Erfinderrecht? Der US-Pharmakonzern Abbott hat angekündigt, Thailand vom Zugang zu neu entwickelten Medikamenten auszuschließen. Die thailändische Regierung hatte zuvor das Patent für ein Aids-Medikament der Firma aufgehoben.

Hamburg - In Asien wird sich die Zukunft der Pharmabranche entscheiden: Um durchschnittlich 13 Prozent soll der Pharma-Markt dort in den nächsten Jahren wachsen, prognostizieren Experten. Eigentlich rosige Aussichten für die Industrie - wenn nicht die meisten der potentiellen Kunden zu arm wären, sich eine gute medizinische Versorgung mit die entsprechenden Medikamenten zu leisten.

Hier liegt auch der Zündstoff im aktuellen Fall: Anfang des Jahres hatte die thailändische Militärregierung entschieden, das Patent für Abbotts Aids-Medikament Kaletra freizugeben. Auch eine Arznei des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Aventis   war betroffen. Damit wurde der Weg frei für die Produktion von Generika, also Billigvarianten der Medikamente, die sich die thailändische Bevölkerung leisten kann.

Thailand beruft sich auf eine Notfall-Regelung aus einem Abkommen der Welthandelsorganisation WTO. Dieses erlaubt Staaten, eine Produktionslizenz an einen Generika-Fabrikanten zu vergeben - ohne Erlaubnis des Herstellers. Voraussetzung: Ein nationaler Notstand in der Gesundheitsversorgung. In Thailand sind 500.000 der 65 Millionen Einwohner mit HIV infiziert. 20.000 davon erhalten Kaletra.

Pharmafirmen betonen zwar, dass sie die Idee der Notstandsregelung unterstützen, bestehen aber auf den Patentschutz. Dieser, so die Argumentation, sei zur Refinanzierung der Entwicklungskosten notwendig. Abbott interpretierte das Notstandsargument der Regierung deshalb als reine Willkür und Preisdrückerei.

Abbott darf auf Eingreifen der US-Regierung hoffen

Dennoch verhandelte das US-Unternehmen in Bangkok über die Senkung des Kaletra-Preises. So bot Abbott an, die Kosten für eine Jahresdosis pro Patient auf umgerechnet 1700 Euro zu senken. Bislang hatte der Preis 150 Euro höher gelegen. Eine Generika-Version des Medikaments kann jedoch schon für 760 Euro hergestellt werden. Die Verhandlungen platzten Mitte Februar.

Nun wird Abbott keine neue Medikamente gegen Aids, Arthritis, Blutverklumpung oder Nierenversagen auf den thailändischen Markt bringen. Gesundheitsorganisationen laufen Sturm gegen die Entscheidung. "Das ist ein neuer Tiefpunkt. Thailand hat schlicht versucht, das Richtige für seine Menschen zu tun", empört sich beispielsweise Michael Weinstein von der amerikanischen Aids Healthcare Foundation. Rund 30 Aids-Aktivisten protestierten vor dem Bangkoker Unternehmenssitz von Abbott.

Die thailändischen Gesundheitsbehörden versuchen hingegen, Gelassenheit zu demonstrieren. "Wir haben viele andere Unternehmen, von denen wir Medikamente kaufen können", erklärte ein Sprecher.

Abbott hofft nun auf eine ähnliche Entwicklung wie im vergangenen Jahr. Damals hatte Brasilien das Patent für Kaletra freigegeben. Doch nachdem die US-Regierung bei Präsident Lula heftig interveniert hatte, lenkte Brasilien gegen einen kleinen Preisrabatt ein.

Im Moment verhandeln die USA und Thailand über eine Freihandelszone. Gut möglich, dass die US-Regierung das Thema Medikamentenpatente bei den Gesprächen auf die Tagesordnung setzt.

joh/Reuters/AP

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