Air-Berlin-Aktie Schwaches Börsendebüt

Es war nicht gerade ein Traumstart: Nachdem das zunächst verschobene Börsendebüt von Air Berlin heute endlich stattfand, notierte die Aktie zwischenzeitlich unter dem ohnehin schon niedrigen Ausgabepreis von zwölf Euro.


Frankfurt am Main - Jubel gab es heute auf dem Frankfurter Parkett – allerdings galt der nicht Air Berlin, sondern einem anderen Börsenneuling: Die Aktien des Beschichtungsspezialisten für Solaranlagen, Roth & Rau, schossen zu Handelsbeginn um knapp 21 Prozent in die Höhe. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hatte es da um einiges schwerer.

Die Air-Berlin-Aktie notierte bereits am Vormittag zeitweise unter dem Ausgabepreis von zwölf Euro bei 11,98 Euro, am Mittag dümpelte der Kurs dann um den Emissionspreis herum. Dabei hatte das Berliner Unternehmen am Vorabend erklärt, das Papier sei auf dem Niveau des Emissionspreises zweifach überzeichnet gewesen.

Vorstandschef Joachim Hunold zeigte sich trotzdem "sehr zufrieden" mit der heutigen Börsenpremiere. Nun könne Air Berlin "in die Zukunft investieren". Der nach Wacker Chemie zweitgrößte deutsche Börsengang des Jahres, mit dem sich Air Berlin für weiteres Wachstum rüsten will, bringt nach der Preissenkung aber geringere Einnahmen als zunächst geplant - zumal auch die Zahl der ausgegebenen Aktien deutlich reduziert wurde. Anstelle der ursprünglich eingeplanten knapp 50 Millionen Papiere wurden etwa 42,5 Millionen Aktien angeboten. Das Emissionsvolumen betrug nun rund 443,5 Millionen Euro. Bei voller Ausübung einer Mehrzuteilungsoption wären maximal bis zu 510 Millionen Euro an Einnahmen erreichbar, nachdem ursprünglich bis zu 872 Millionen Euro angepeilt worden waren.

Dem Unternehmen fließen nun aus dem Börsengang brutto rund 234,8 Millionen Euro zu, Hunold hatte eigentlich auf 290 Millionen Euro frisches Kapital gehofft. Gemessen an der Gesamtzahl der Air-Berlin-Aktien wird der Streubesitz bei einer vollständigen Platzierung - also inklusive Mehrzuteilungsoption - künftig bei 71 Prozent liegen.

Die Luftfahrtgesellschaft hatte den Börsenstart vergangene Woche verschoben, weil offenbar die Nachfrage nach den Papieren zu niedrig war. Die Preisspanne wurde anschließend von 15 bis 17,50 Euro auf 11,50 bis 14,50 gesenkt. Der gestern schließlich festgelegte Ausgabepreis von zwölf Euro schien dann ausgesprochen billig. "Offenbar war die Panik so groß, dass man den Preis weiter als nötig gesenkt hat", hatte Florian Weber von der Wertpapierhandelsbank DKM noch vor dem Debüt erklärt. Der Experte rechnete mit einem Einstandskurs von 13 Euro oder leicht darüber. "Mittelfristig sehe ich allerdings eher eine Seitwärtsbewegung." Allenfalls zum Jahresende könne der Kurs auf 16 bis 17 Euro steigen.

ase/AFP/dpa/dpa-AFX/Reuters



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