Air-Berlin-Aktie Vom Risikopapier zum Superschnäppchen

Beobachter hatten nach den Startschwierigkeiten in der letzten Woche schon ein Desaster für den Börsengang von Air Berlin prophezeit, der auf heute verschoben worden war. Doch der neue Ausgabepreis für die Papiere entlockt Analysten und Aktionärsschützern nun plötzlich sehr versöhnliche Töne.


Berlin – Die Freude überrascht nach den Kassandrarufen der letzten Woche: "Man kann die Anleger, die Aktien gezeichnet haben, beglückwünschen", sagte Hypo-Vereinsbank-Analyst Uwe Weinreich dem "Tagesspiegel" zu dem auf heute verschobenen Börsengang von Air Berlin. Die Grunddaten des Unternehmens sprächen für Kursgewinne in den kommenden Wochen und Monaten.

Schlagzeile nach dem Desaster: "Offenbar so große Panik, dass man mehr als nötig gesenkt hat"
DPA

Schlagzeile nach dem Desaster: "Offenbar so große Panik, dass man mehr als nötig gesenkt hat"

Die Luftfahrtgesellschaft hatte den Börsenstart letzte Woche verschoben, weil offenbar die Nachfrage nach den Papieren zu niedrig war. Die Preisspanne wurde anschließend von 15 bis 17,50 Euro auf 11,50 bis 14,50 gesenkt. Auf Basis der neuen Spanne war der von der Commerzbank und Morgan Stanley begleitete IPO nun doch noch zweifach überzeichnet – dabei hatten Beobachter schon eine komplette Absage des Börsengangs befürchtet.

Gestern wurde nun der Ausgabepreis bei zwölf Euro festgesetzt – damit wird die Aktie Experten zufolge zum echten Schnäppchen. "Offenbar war die Panik so groß, dass man den Preis weiter als nötig gesenkt hat", sagte Florian Weber von der Wertpapierhandelsbank DKM. Er rechne mit einem Einstandskurs von 13 Euro oder leicht darüber. "Mittelfristig sehe ich allerdings eher eine Seitwärtsbewegung." Allenfalls zum Jahresende könne der Kurs auf 16 bis 17 Euro steigen. Am grauen Markt waren die Papiere zuletzt auf eine moderate Nachfrage gestoßen. Bei dem auf das Neuemissionsgeschäft spezialisierten Börsenmakler Lang & Schwarz notierten die Aktien gestern Nachmittag aber bei 13,55 bis 13,90 Euro - also noch über dem nun festgelegten Ausgabepreis.

Längst nicht so viel Geld wie erwartet

Die ursprünglichen Einnahmeerwartungen von Air-Berlin-Chef Joachim Hunold werden sich nach der Absenkung der Preisspanne nun freilich nicht erfüllen – zumal auch die Zahl der auszugebenden Aktien deutlich reduziert wurde. Anstelle der ursprünglich eingeplanten knapp 50 Millionen Papiere wurden schließlich etwa 42,5 Millionen Aktien angeboten. Von diesen stammten 19,6 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung der Gesellschaft und 17,4 Millionen Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre. Diese wurden komplett zugeteilt - zu knapp 90 Prozent an institutionelle Anleger, der Rest ging an Privataktionäre. Zudem steht nun noch eine Mehrzuteilungsoption von bis 5,5 Millionen Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre zur Verfügung.

Das gesamte Emissionsvolumen beträgt den Unternehmensangaben zufolge nun etwa 443,5 Millionen Euro. Vorstandschef Joachim Hunold und die begleitenden Banken hatten einmal auf ein Emissionsvolumen von bis zu 872 Millionen Euro gehofft. Gemessen an der Gesamtzahl der Air-Berlin-Aktien wird der Streubesitz bei einer vollständigen Platzierung - also inklusive Mehrzuteilungsoption - künftig bei 71 Prozent liegen.

ase/AFP/dpa-Afx



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