26 Millionen Euro für Insolvenzverwalter Air-Berlin-Gläubiger legt Beschwerde ein

Die Pleite von Air Berlin gehörte zu den spektakulärsten der vergangenen Jahre. Spektakulär war auch das Honorar für den Insolvenzverwalter. Dagegen gibt es nach SPIEGEL-Informationen nun Widerstand.

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Für Passagiere, Politiker und Geschäftspartner war es eine böse Überraschung, als Air Berlin Mitte August 2017 Insolvenz anmeldete. Hunderttausende Urlauber warteten darauf, aus dem Urlaub heimgeflogen zu werden, die Bundestagswahlen standen einen Monat später an - und Air Berlin hatte hohe Verbindlichkeiten bei vielen Firmen. In den Wochen nach der Pleite meldeten sich deshalb Zehntausende Gläubiger bei dem Insolvenzverwalter, der zwischenzeitlich vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingesetzt worden war.

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Für Lucas Flöther war es eine Mammutaufgabe, für die seine Kanzlei und mehr als hundert Mitarbeiter stattlich entlohnt wurden: Die Auflösung der Airline wurde mit gut 22 Millionen Euro vergütet.

Insolvenzverwalter Lucas Flöther (Archiv)
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Insolvenzverwalter Lucas Flöther (Archiv)

Genau dagegen rührt sich Widerstand von einem Gläubiger. Er hat nach SPIEGEL-Informationen beim Berliner Amtsgericht Charlottenburg Beschwerde gegen das Honorar für Insolvenzverwalter Lucas Flöther eingelegt. Aus Sicht des Beschwerdeführers, der von der Düsseldorfer Anwaltskanzlei Lambrecht vertreten wird, sei die festgesetzte Mindestvergütung "rechtsfehlerhaft". Er zweifelt an, dass es am Stichtag für die Geltendmachung von Ansprüchen 700.000 Gläubiger gegeben hat - eine Zahl, die zur Grundlage für die Berechnung der hohen Vergütungssumme genommen worden war. So steht es in der Mitte März eingereichten Beschwerde.

Flöther bestreitet jegliche Unregelmäßigkeiten bei seiner Honorierung: "Die Bemessung der Vergütung erfolgte auf Grundlage geltenden Rechts." Er habe sogar weniger berechnet, als möglich gewesen wäre. Gegenüber dem SPIEGEL erklärte er weiter: "Wenn nun das Landgericht Berlin, das über die Beschwerde gegen diese Vergütung entscheiden muss, zu einem anderen Ergebnis käme als das Insolvenzgericht, würde ich diese Entscheidung akzeptieren."

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Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass die Auflösung der Airline mit mehr als 26 Millionen Euro vergütet wurde. Dies entspricht jedoch der den Vergütungsbetrag inklusive Umsatzsteuer. Das Nettohonorar macht gut 22 Millionen Euro aus. Wir haben die entsprechende Stelle angepasst.



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
BruceWayne 23.03.2019
1.
Das liest sich wahrlich wie ein kräftiger Schluck aus der Pulle. Jetzt kenne ich natürlich nicht die Details, aber fest steht, dass ein Insolvenzverwalter nach festen Vergütungsregeln abrechnen kann, die allerdings auf verschiedenen Größen beruhen. Hier scheint mir die "Ungenauigkeit" in der Auslegung und Auszählung der Gläubiger zu liegen. 700.000 ist eine stattliche Zahl - und eigentlich nicht nachvollziehbar. Sie wird dann "greifbar" wenn der Insolvenzverwalter sämtliche Ticketinhaber der Air Berlin - also Fluggäste - mit einberechnet. Hier dürfte der Hund begraben sein. Denn wegen dieser Art von Gläubigern macht man einen Laden nicht dicht. Die zahlen ja. Man macht einen Laden dicht, wenn man Rechnungen nicht zahlen kann. Dann stellt sich die Frage, ob aus den Ticketzahlern Gläubiger werden, bzw. wurden. Knifflig :-)))
edsize 23.03.2019
2. Nur der erste Teil
die bereits genehmigten 22Mio.€sind nur das Honorar für die Arbeit des Sachwalters - das Honorar für den Insolvenzverwalter ist noch nicht bekannt und dürfte deutlich höher liegen (wahrscheinlich im dreistelligen Millionen Bereich)
a.blanc 23.03.2019
3. Air Berlin
Danke an SPON, dass man überhaupt erfährt über eine banale Zahlung von 26 Millionen€ an einen Insolvenzverwalter. Also ich habe nur 12.000€ in Form von Aktien und Gegenwerte von Meilenprogramme verloren, aber auch die restlichen 699.999 Gläubiger sollten sich erheben! Wo ist den mein Geld? Bei Insolvenzverwalter. Skandalös!
ecdora 23.03.2019
4. Alles völlig normal. Die Spezi Aasgeier existiert
ausschliesslich vom Elend anderer. Interessant wären noch die Anzahl der aufgewendeten Zeitstunden für die dann 26 Mio. fällig wurden.
three-horses 23.03.2019
5. Gesetze zum reich machen.
Zitat von BruceWayneDas liest sich wahrlich wie ein kräftiger Schluck aus der Pulle. Jetzt kenne ich natürlich nicht die Details, aber fest steht, dass ein Insolvenzverwalter nach festen Vergütungsregeln abrechnen kann, die allerdings auf verschiedenen Größen beruhen. Hier scheint mir die "Ungenauigkeit" in der Auslegung und Auszählung der Gläubiger zu liegen. 700.000 ist eine stattliche Zahl - und eigentlich nicht nachvollziehbar. Sie wird dann "greifbar" wenn der Insolvenzverwalter sämtliche Ticketinhaber der Air Berlin - also Fluggäste - mit einberechnet. Hier dürfte der Hund begraben sein. Denn wegen dieser Art von Gläubigern macht man einen Laden nicht dicht. Die zahlen ja. Man macht einen Laden dicht, wenn man Rechnungen nicht zahlen kann. Dann stellt sich die Frage, ob aus den Ticketzahlern Gläubiger werden, bzw. wurden. Knifflig :-)))
"Ticketzahlern Gläubiger"...will ich nicht behaupten. Von der Sache schon. Nicht erbrachte Leistung. Und wenn man uber die Glücklichen die über ihre Bank zurück gebucht haben und der Verwalter dann das Geld wieder zurückholte so wie man nachlesen kann, weil man in der Pleite Masse nicht fischen darf. So kann man dann der sich nicht "zu retende" Rest auch noch abrechnen/anrechnen.
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