Airbus Großkunde enttäuscht über A380-Verzögerung

Wegen Problemen mit der Elektrik muss Airbus die Auslieferung des Hoffnungsträgers A380 weiter verzögern. Der Erstkunde Singapore Airlines zeigt sich öffentlich enttäuscht - nun wolle man über Entschädigungen verhandeln.

Singapur - "Wir arbeiten mit Airbus zusammen, um die Verzögerungen und deren Auswirkungen so gering wie möglich zu halten", sagte ein Sprecher der Gesellschaft. Über Kompensationen werde man sprechen.

Singapore Airlines soll die erste Gesellschaft werden, die das größte Passagierflugzeug der Welt in Dienst stellt, und hat insgesamt zehn A380-Modelle bestellt. Nach den Worten des Sprechers erwartet das Unternehmen die erste Lieferung nach wie vor in diesem Jahr.

Die Auslieferung aller anderen A380 wird sich aber laut einer Airbus-Ankündigung von gestern um sechs, sieben Monate verzögern. Die Verzögerung sei "auf Engpässe zurückzuführen, die bei der Definition, Herstellung und Installation elektrischer Systeme und Kabelbäume entstanden sind", hieß es aus Toulouse. Die Kunden seien informiert. "Airbus ist sich der Belastungen" für die Kunden "völlig bewusst", hieß es in der Erklärung.

Wie viel Kompensation Airbus den Kunden zahlen muss, wurde nicht mitgeteilt. Das Großflugzeug soll eigentlich der "Goldesel" der EADS  -Tochterfirma werden. Bislang haben 16 Airlines insgesamt 159 Flugzeuge bestellt.

Milliarden-Belastung

Im Jahr 2008 werden nun voraussichtlich fünf bis neun Flugzeuge weniger und 2009 etwa fünf Flugzeuge weniger als ursprünglich geplant zur Auslieferung kommen. Bislang sollten ab 2008 jährlich 35 Maschinen ausgeliefert werden.

Bereits zu Monatsbeginn hatte Airbus Lieferverzögerungen von zwei bis sechs Monaten zumindest für die Erstkunden eingeräumt, nachdem Fluggesellschaften wie Qantas von angekündigten Verspätungen berichtet hatten. Qantas   hat schon Schadenersatzforderungen gestellt, ohne aber Details zu nennen.

Der A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Er ist über 72 Meter lang, knapp 80 Meter breit und 24,1 Meter hoch. Der doppelstöckige Jet bietet in der Normal-Ausstattung 555 Passagieren Platz. Gleichzeitig ist er nach Hersteller-Angaben sparsamer und leiser als bisherige Langstreckenflugzeuge. Er kann mit einer Tankfüllung 15.000 Kilometer weit fliegen. Ist die Maschine voll besetzt, verbraucht das Flugzeug pro Passagier auf 100 Kilometer weniger als drei Liter Treibstoff.

Die Verzögerung bei der A380-Auslieferung führen bei EADS ab 2007 zu Ergebnisausfällen. Die Beiträge des Großraumfliegers zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werden im Zeitraum 2007 bis 2010 um jährlich 500 Millionen Euro geringer ausfallen, so EADS. Aufgrund des neuen Zeitplans mögliche Abbestellungen seien in dieser Prognose nicht enthalten. Eine Änderung der Ebit-Prognose für das laufende Jahr sei nicht zu erwarten.

itz/dpa/ddp/Dow Jones

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