Airbus-Krise Börsenaufsicht ermittelt in EADS-Zentrale

Die Krise bei EADS wird immer augenscheinlicher: Jetzt durchsuchte die französische Börsenaufsicht die Konzernzentrale wegen des Verdachts auf Insidergeschäfte unter anderem gegen Co-Chef Forgeard. Hinter den Kulissen wird gestritten, ob man Forgeard nicht besser loswerden sollte.


Paris - Bei dem deutsch-französischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzern bemühte man sich, Normalität zu signalisieren: Im Rahmen ihrer Überprüfung des EADS-Aktienhandels habe die französische Börsenaufsicht AMF heute die Konzern-Zentrale in Paris durchsucht, teilte EADS Chart zeigen in Amsterdam schlicht mit. EADS arbeite "in vollem Umfang" mit der AMF zusammen.

EADS-Co-Chef Forgeard: Börsenaufsicht "in vollem Umfang" unterstützen
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EADS-Co-Chef Forgeard: Börsenaufsicht "in vollem Umfang" unterstützen

Doch die Untersuchung macht die Krise nur augenscheinlich. Vor kurzem musste der Konzern Lieferverzögerungen beim A380 eingestehen, woraufhin der Börsenkurs abstürzte. EADS-Co-Chef Noël Forgeard steht nun im Verdacht des Insiderhandels. Der Franzose hatte im März große Aktienpakete veräußert und damit 2,5 Millionen Euro verdient. Auszüge aus dem Protokoll einer EADS-Board-Sitzung im Mai, die die Zeitung "Le Monde" heute veröffentlichte, scheinen Forgeard allerdings teilweise zu entlasten.

Zwar war damals schon von weiteren Lieferverzögerungen beim A380 die Rede. Allerdings schien das Ausmaß noch nicht klar: Bestenfalls würden im kommenden Jahr 17 bis 20 anstatt der geplanten 20 bis 25 A380 die Hallen verlassen, hieß es damals. Am 13. Juni teilte Airbus dann mit, dass 2007 nur neun Maschinen fertig würden. Die weitere Verzögerung des Programms um bis zu sieben Monate belastet den Mutterkonzern insgesamt mit zwei Milliarden Euro.

Forgeard hatte bei der Sitzung im Mai außerdem verlangt, dass festgehalten werde, wann er und Enders über den Verkauf von großen Anteilspaketen durch die EADS-Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler informiert worden waren. Als Termin wurde der 20. März angegeben. Forgeard hatte seine Aktien fünf Tage zuvor verkauft. Damit hätte er noch nichts vom bevorstehenden Teilausstieg der Großaktionäre gewusst - ein Hinweis, dass auch die Probleme beim A380 nicht ausschlaggebend für den Verkauf waren.

Ende der Doppelspitze?

Doch Forgeard steht nicht nur wegen seiner Aktiengeschäfte im Mittelpunkt der Kritik. Der Franzose war auch bis vor einem Jahr Airbus-Chef. Er hat neben dem Startschuss für den zwölf Milliarden Euro teuren A380 auch den bislang wenig erfolgreichen Langstreckenjet A350 zu verantworten, der jetzt grundsätzlich überarbeitet wird.

Die Zukunft des Franzosen scheint deshalb ungewiss. DaimlerChrysler und Lagardère drängen ihn Zeitungsberichten zufolge hinter den Kulissen zum Rücktritt. Ein Szenario sei, dass der deutsche Co-Chef Thomas Enders die Geschäfte künftig alleine führt mit einem französischen Aufsichtsratschef an der Seite. Auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac hatte die Managementstruktur bei EADS öffentlich in Frage gestellt. Es müsse mit der deutschen Seite "ein Mittel für die Gesamtheit der Führungsprobleme bei EADS" gefunden werden, erklärte Chirac gestern Abend im französischen Fernsehen.

Eine Entscheidung würde "bestenfalls Ende der Woche oder in der kommenden Woche" erwartet, berichtete die Wirtschafszeitung "La Tribune" unter Berufung auf Insiderkreise. Das Pariser Verteidigungsministerium halte wenig von einer Abkehr von der Doppelspitze. "Je mehr der Staat und die französische Politik eingreifen, indem sie eine Änderung des EADS-Führungssystems wünschen, desto mehr werden sie am Ende das Gewicht der Deutschen in der Gruppe stärken", zitierte das Blatt "eine gute Quelle" des Hauses.

Der französische Staat hält 15 Prozent an EADS, die französische Mediengruppe Lagardère 7,5 Prozent. Als Gegengewicht ist der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler mit 22,5 Prozent beteiligt. EADS war 2000 aus der deutschen Dasa, der spanischen Casa und der französischen Aérospatiale hervorgegangen. Um dem austarierten Machtgefüge zwischen Franzosen und Deutschen Rechnung zu tragen, wurden damals Doppelspitzen sowohl für den Vorstand als auch den Verwaltungsrat beschlossen.

ase/afp/reuters



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Joachim Baum 27.04.2005
1.
---Zitat von sysop--- Die Heckflosse so hoch wie das Brandenburger Tor, ein Elefant wirkt winzig dagegen: Mit dem Airbus 380 beginnt eine neue Dimension der Gigantomanie in der Luftfahrt. Zu erwartende lange Boardingzeiten und heikle Sicherheitsszenarien für den Riesenflieger dämpfen bei manchen die Vorfreude. Möchten Sie mit dem neuen A 380 fliegen? Fasziniert Sie die Technik oder schreckt sie eher ab? ---Zitatende--- Ich warte erst mal ab, ob er heute wieder heil runterkommt ...
Dominik Menakker, 27.04.2005
2. Fahr doch Fahrrad!
Ach, sind wir wieder soweit? Alles neue ist per se Wahnsinn. Was wir nicht kennen macht uns Angst? Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. Ach ja, und zur Hauptfrage. Natürlich freue ich mich auf den Vogel. Jeder der viel und gerne fliegt wird das tun.
DJ Doena 27.04.2005
3.
Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas". Was ich bedauerlich am neuen 380 finde, ist, dass die Fensterchen wieder verdammt klein zu sein scheinen. Herrje, es muss doch möglich sein, ein Flugzeug zu konstruieren, dass mehr als nur diese Bullaugen zum rausgucken hat...
Peter Jelinski, 27.04.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas" ---Zitatende--- Mir geht es genauso. Ich brauche noch den 747 um alle Boeing Modelle zu kennen, und hoffe bald in einem Airbus zu sitzen.
webwiese, 27.04.2005
5.
---Zitat von Dominik Menakker--- Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. ---Zitatende--- Kann Ihnen nur 100%ig zustimmen. Wann hören wir endlich auf, ständig das Miese zu suchen? Wir preisen den Technologiestandort und stellen gleichzeitig seine Ergebnisse in Frage! Thema: Einen vor und zwei zurück! Zur Sache: Der A380 ist die konsequente Fortführung der Flugzeugtechnologie. Mit steigendem Flugverkehr werden auch größere und rationalere Flugzeuge gebraucht. Waren es nicht die Saudis, die schon vor dem Jungfernflug nach noch größeren Fliegern gerufen haben? Ich wünsche Airbus viel Erfolg, auch - und gerade - um im Wirtschaftswettkampf mit unseren "Freunden" aus den USA nachwievor wettbewerbsfähig bleiben zu können. Gruß Christian Wiese
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