Airbus-Krise EADS kündigt Beschluss an - angeblich Kompromissplan von Gallois

Der Flugzeugbauer EADS will bis zum 9. März Einzelheiten des Airbus-Sanierungsplans "Power8" bekannt geben. Französischen Gewerkschaftskreisen zufolge hat Airbus-Chef Gallois ein Kompromissangebot vorgelegt.


Hamburg - Airbus-Chef Louis Gallois will Deutschland offenbar einen größeren Anteil an der Arbeit für die nächste Generation des Modells A320 geben. Dafür solle die Bundesrepublik umgekehrt auf ihre Forderung nach mehr Arbeit an dem Modell A350 verzichten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf französische Gewerkschaftskreise. Dieses Kompromissangebot soll den Streit zwischen Deutschland und Frankreich über einen Arbeitsplatzabbau bei dem Flugzeugbauer beenden.

EADS kündigte heute genaue Einzelheiten zum Airbus-Sanierungsplan "Power8" bis Anfang März an. "Der EADS-Aufsichtsrat wird seine Entscheidung gegen Ende Februar treffen", sagte ein EADS- Sprecher. Spätestens bis zur Präsentation der Jahresbilanz am 9. März sollte der Plan "Power8" dann präsentiert werden. Der ursprünglich für vorgestern angesetzte erste Termin dafür war kurzfristig verschoben worden, weil das EADS-Board die Vorschläge von EADS-Co-Chef und Airbus-Oberhaupt Gallois nicht annehmen wollte.

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DDP

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Morgen wird das Thema Airbus auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den französischen Staatspräsident Jacques Chirac bei einem Treffen beschäftigen. Chirac sei an einer schnellen Lösung "in einem Geist der Partnerschaft" interessiert, teilte das Präsidialamt in Paris mit. In der Bundesregierung hieß, bei dem Treffen Chiracs und Merkels seien aber keine Beschlüsse zu erwarten."Man wird das Thema prinzipiell ansprechen", hieß es. "Die beiden werden aber sicherlich nicht das Unternehmen neu ordnen".

Chirac und Merkel wollen nach ihrem Treffen dem Vernehmen nach eine Erklärung abgeben, um eine weitere Eskalation im Airbus-Streit abzuwenden. Wie das Präsidialamt in Paris weiter mitteilte, geht es dem Präsidenten um eine "gerechte Verteilung der Anstrengungen in der Sorge um Arbeitsplätze".

Dem Vernehmen nach ist aber der Jobabbau inzwischen weniger umstritten als vielmehr die Aufteilung der Produktionsstandorte mit zukunftsträchtigen Technologien. Hierauf dürfte sich vor allem auch das Interesse Chiracs und Merkels richten. Bei der Zukunftstechnik geht es - wie im Fall des neuen Langstreckenjet A350 - auch um neue Werkstoffe auf Kohlefaserbasis. Hier wollen Berlin und Paris einen Kompromiss anstreben, der auch die Frage des Standortes für die künftige A320-Produktion einschließt. Für die Verfahren mit den neuen Werkstoffen ist der Airbus-Standort in Stade bislang weltweit unter den führenden Unternehmen.

Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) erklärte derweil, er lehne einen "Schrumpfkurs" bei Airbus ab. Stattdessen sollten die "Wachstumspotenziale" genutzt werden, forderte er am Rande des EU-Arbeitsministerrats in Brüssel. Ein möglicher Stellenabbau müsse "in gerechter Weise geschehen".

Der Bremer SPD-Abgeordneten Kröning sprach heute erneut über 10.000 Stellen, die der bisherigen Planung zufolge bei Airbus gestrichen werden sollen. Zuvor hatte schon der französische Premier Dominique de Villepin diese Zahl genannt - was allerdings prompt nachdrückliche Dementi der Bundesregierung und der EADS nach sich zog, dass noch keine Entscheidungen gefallen seien.

Kröning erklärte jedoch heute, er habe "aus dem Umfeld der politischen und industriellen Spitzen" konkrete Zahlen erfahren. Demnach sollten in Deutschland 3700 Jobs gestrichen werden -dieselbe Zahl hatte auch der "Weser Kurier" genannt. In Frankreich müssten 4700 Jobs wegfallen, so Kröning weiter. "Die Zahlen für Spanien und England schwanken und auch noch leicht die für Frankreich und Deutschland." Die Standorte Hamburg, Bremen und Stade sollten bestehen bleiben.

Über die Verkaufspläne für die Werke in Nordenham und Varel wird schon länger immer wieder berichtet. Die "Financial Times Deutschland" hatte außerdem berichtet, dass neben diesen beiden Werken auch Buxtehude und Laupheim auf der Verkaufsliste stünden.

ase/AFP/dpa



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