Airbus-Krise Forgeard droht schnelle Ablösung

Wird heute die EADS-Doppelspitze zerlegt? Die Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère drängen einem Zeitungsbericht zufolge EADS-Chef Forgeard zum Rücktritt. Auch Frankreichs Staatspräsident Chirac sieht inzwischen dringenden Handlungsbedarf.


Paris - Die geplante Ablösung von Noël Forgeard geht aus Vorschlägen der beiden Anteilseigner an die französische Regierung hervor, mit denen sie den deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern aus seiner Krise führen wollen. Nach Informationen der "Financial Times" ist in allen Szenarien ein schneller Rücktritt des EADS-Co-Chefs vorgesehen. Laut "FT" könnten schon heute erste Maßnahmen zur Bewältigung der Krise öffentlich gemacht werden.

Forgeard: Druck von Großaktionären
REUTERS

Forgeard: Druck von Großaktionären

Inzwischen erhöht auch die französische Regierung den Druck auf den EADS-Chef: Angesichts der Krise bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern hat der französische Präsident Jacques Chirac die Managementstruktur des Konzerns in Frage gestellt. "Es gibt ein Problem, und zwar die Managementschwierigkeiten, die sich bei EADS mit je zwei Verwaltungsrats- und Vorstandschefs ergeben haben", sagte Chirac dem Sender France 2. Er wolle den Entscheidungen der EADS-Aktionäre nicht vorgreifen. Zugleich fügte der Präsident aber hinzu: "Wahrscheinlich werden wir etwas tun müssen, und es wird etwas getan." Auf die Frage ob Forgeard seinen Hut nehmen solle, sagte Chirac, er wolle nichts im Voraus beurteilen.

Der französische Manager Forgeard, der EADS gemeinsam mit dem deutschen Thomas Enders führt, wird für die Auslieferungsverzögerungen beim wichtigsten Produkt der Tochter Airbus, dem A380, mitverantwortlich gemacht. Die Probleme werden den Konzern nach eigenen Angaben zwei  Milliarden Euro kosten.

Forgeard war bis zu seiner Berufung an die Spitze von EADS im vergangenen Jahr Chef von Airbus. Nicht nur wegen der Probleme beim Großraumflieger A380 steht Forgeard unter Beschuss. Gemeinsam mit seiner Familie hatte er im März EADS-Aktien verkauft und damit 2,5 Millionen Euro verdient. Während ihm seine Kritiker Insiderhandel vorwerfen, behauptet Forgeard, damals noch nicht von den Airbus-Problemen gewusst zu haben. Als die Lieferverzögerungen publik wurden, war der EADS-Aktienkurs um bis zu 30 Prozent abgerutscht.

Am Montag hatte Finanzminister Thierry Breton gesagt, der französische Staat wolle die Lösung der Krise bei EADS den beiden industriellen Anteilseignern Lagardère und DaimlerChrysler überlassen. Am Wochenende hatte Breton über einen Sprecher verlauten lassen, dass die EADS-Großaktionäre am Wochenende über einen Ausweg aus der Krise bei EADS beraten. Breton hoffe, binnen 72 Stunden eine Lösung zu finden, hatte es geheißen.

Der französische Staat hält 15 Prozent an der EADS, die französische Mediengruppe Lagardère 7,5 Prozent. Als Gegengewicht ist der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler mit 22,5 Prozent beteiligt. EADS war 2000 aus der deutschen Dasa, der spanischen Casa und der französischen Aérospatiale hervorgegangen. Um dem austarierten Machtgefüge zwischen Franzosen und Deutschen Rechnung zu tragen, wurden damals Doppelspitzen sowohl für den Vorstand als auch den Verwaltungsrat beschlossen.

Großauftrag aus China

Trotz aller Querelen hat Airbus einen Großauftrag von der chinesischen Fluggesellschaft China Eastern Airlines erhalten. Bei der EADS-Tochter seien 30 Maschinen vom Typ A320 bestellt worden, teilte China Eastern Airlines in Schanghai mit. Der Vertragswert betrage rund 13,9 Milliarden Yuan (1,4 Milliarden Euro).

Mit dem Auftrag reagiert die Gesellschaft auf die steigende Nachfrage für Flüge über Kurz- und Mittelstrecken. Die Wettbewerbsfähigkeit von China Eastern steige mit den neuen Flugzeugen, die im Zeitraum Mai 2008 und November 2010 ausgeliefert werden sollen. China ist der am schnellsten wachsende Absatzmarkt für die Konkurrenten Airbus und Boeing. Das europäische Gemeinschaftsunternehmen plant daher die Fertigung von Flugzeugen in dem asiatischen Land.

tim/DowJones/Reuters/dpa



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Joachim Baum 27.04.2005
1.
---Zitat von sysop--- Die Heckflosse so hoch wie das Brandenburger Tor, ein Elefant wirkt winzig dagegen: Mit dem Airbus 380 beginnt eine neue Dimension der Gigantomanie in der Luftfahrt. Zu erwartende lange Boardingzeiten und heikle Sicherheitsszenarien für den Riesenflieger dämpfen bei manchen die Vorfreude. Möchten Sie mit dem neuen A 380 fliegen? Fasziniert Sie die Technik oder schreckt sie eher ab? ---Zitatende--- Ich warte erst mal ab, ob er heute wieder heil runterkommt ...
Dominik Menakker, 27.04.2005
2. Fahr doch Fahrrad!
Ach, sind wir wieder soweit? Alles neue ist per se Wahnsinn. Was wir nicht kennen macht uns Angst? Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. Ach ja, und zur Hauptfrage. Natürlich freue ich mich auf den Vogel. Jeder der viel und gerne fliegt wird das tun.
DJ Doena 27.04.2005
3.
Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas". Was ich bedauerlich am neuen 380 finde, ist, dass die Fensterchen wieder verdammt klein zu sein scheinen. Herrje, es muss doch möglich sein, ein Flugzeug zu konstruieren, dass mehr als nur diese Bullaugen zum rausgucken hat...
Peter Jelinski, 27.04.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas" ---Zitatende--- Mir geht es genauso. Ich brauche noch den 747 um alle Boeing Modelle zu kennen, und hoffe bald in einem Airbus zu sitzen.
webwiese, 27.04.2005
5.
---Zitat von Dominik Menakker--- Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. ---Zitatende--- Kann Ihnen nur 100%ig zustimmen. Wann hören wir endlich auf, ständig das Miese zu suchen? Wir preisen den Technologiestandort und stellen gleichzeitig seine Ergebnisse in Frage! Thema: Einen vor und zwei zurück! Zur Sache: Der A380 ist die konsequente Fortführung der Flugzeugtechnologie. Mit steigendem Flugverkehr werden auch größere und rationalere Flugzeuge gebraucht. Waren es nicht die Saudis, die schon vor dem Jungfernflug nach noch größeren Fliegern gerufen haben? Ich wünsche Airbus viel Erfolg, auch - und gerade - um im Wirtschaftswettkampf mit unseren "Freunden" aus den USA nachwievor wettbewerbsfähig bleiben zu können. Gruß Christian Wiese
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