Airbus-Mutterkonzern EADS-Führung kann sich nicht auf Dividende einigen

Es ist ein ungewöhnlicher Streit: Die deutsch-französische Führung des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS kann sich nicht auf eine Dividende einigen. Nun gehen die Konzernoberen ohne konkreten Vorschlag in die Hauptversammlung - und lassen die Aktionäre selbst entscheiden.


München - Der Verwaltungsrat habe sich nicht auf die Verwendung des Gewinns einigen können, hieß es in der heute veröffentlichten Einladung zur EADS-Hauptversammlung am 4. Mai in Amsterdam. Der Streit in dem Aufsichtsgremium, in dem der französische Staat den Konzernen Lagardère und DaimlerChrysler Chart zeigen gegenübersteht, schwelt schon länger.

EADS-Co-Chefs Thomas Enders (links) und Louis Gallois: Kapitalerhöhung vom Tisch
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EADS-Co-Chefs Thomas Enders (links) und Louis Gallois: Kapitalerhöhung vom Tisch

Nun sollen die Aktionäre während des Treffens entsprechende Vorschläge machen. Doch selbst wenn der Bilanzgewinn von 99 Millionen Euro vollständig ausgeschüttet werden sollte, könnte der Konzern gerade einmal zwölf Cent Dividende je Aktie zahlen. Für 2005 hatte EADS Chart zeigen noch 65 Cent ausgeschüttet. EADS ist durch Lieferverzögerungen beim Prestigeobjekt seiner Tochter Airbus, dem A380, stark angeschlagen und musste 2006 einen Gewinnrückgang von gut 90 Prozent hinnehmen.

Eine im Verwaltungsrat viel diskutierte Kapitalerhöhung ist zunächst vom Tisch. EADS will sich von der Hauptversammlung keinen Kapitalschritt zu Finanzierungszwecken genehmigen lassen, wie aus der Einladung hervorgeht. Lediglich die Ermächtigung zur Ausgabe von einem Prozent der Aktien für Aktienbeteiligungspläne oder langfristige Anreizprogramme soll bis 2009 verlängert werden. Während Frankreich nach Angaben einer mit der Situation vertrauten Person eine Kapitalerhöhung befürwortet hatte, die den Einfluss des Staates stärken würde, wollten Lagardère und DaimlerChrysler lieber Wandelanleihen begeben, die die Aktionärsstruktur zunächst unberührt ließen.

Unterdessen erwägt die russische Wneschtorgbank, ihre Beteiligung an EADS von gut fünf Prozent wieder abzustoßen. Möglicherweise werde seine Bank die EADS-Aktien an der Börse verkaufen, sagte Wneschtorgbank-Chef Andrej Kostin heute in Moskau. Zugleich rechtfertigte Kostin die EADS-Anteile im Besitz seines Hauses als kommerzielle Anlagestrategie. Er sei überzeugt, dass der EADS-Kurs steigen werde und es sich daher um eine "sehr interessante Investition" handle. Im vergangenen Oktober hatte Kostin eine Aufstockung der EADS-Beteiligung nicht ausgeschlossen. Vor allem in Deutschland regte sich jedoch Widerstand gegen ein verstärktes Engagement der Russen bei EADS.

wal/Reuters/AFP

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