Airbus-Sanierung Franzosen werfen Deutschen Manipulationen vor

Neuer Ärger beim angeschlagenen EADS-Konzern: Deutsche Manager hätten beim Arbeitsplatzabbau französische Werke benachteiligt, schimpft die Handelskammer in Toulouse. Dies sei ein Todesurteil für Tausende Jobs in der Region.


Paris - Die französischen Airbus-Mitarbeiter sehen sich beim Stellenabbau und bei den gescheiterten Werksverkäufen von der deutsche Seite übervorteilt und hintergangen. Während in Toulouse und an anderen Standorten schon 2000 Jobs gestrichen worden seien, sei in Deutschland kein einziger Arbeitsplatz weggefallen, beschwerte sich der sozialistische Abgeordnete Gerard Bapt am Montag in der Zeitung "Le Parisien".

Airbus A380: Klagen über Deutsche mehren sich
DDP

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Zudem hätten deutsche Manager des Airbus-Mutterkonzerns EADS den Verkauf zweier französischer Werke an Latécoère verhindert. Dabei handele es sich um eine "Manipulation der deutsche Seite", die ein "Todesurteil für tausende Jobs in Frankreich bedeutet", zitierte die Zeitung aus einer Beschwerde der Handelskammer von Toulouse an Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Der gescheiterte Verkauf dreier deutscher Standorte sei nur ein Täuschungsmanöver gewesen.

In dem Schreiben wird die französische Regierung als EADS-Großaktionär aufgefordert, auf der Hauptversammlung am heutigen Montag in Amsterdam mit "lauter und kräftiger Stimme" für die französischen Interessen einzustehen. Der Staat halte sich bislang mit Rücksicht auf das deutsch-französische Verhältnis zurück, sagte der Abgeordnete Bapt. Berlin und die Bundesländer versuchten dagegen alles, um Arbeitsplätze zu halten.

Kampf gegen Dollarschwäche und Imageprobleme

EADS-Chef Louis Gallois hatte kürzlich in einem Zeitungsinterview eingeräumt, es liege "ein Funke" in der Luft und auf einen schnelleren Abbau der Arbeitsplätze gedrängt. Der vom Sparprogramm Power 8 vorgesehene Stellenabbau gehe in Deutschland aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht so schnell voran wie in Frankreich, was korrigiert werden müsse. Nach Angaben des deutschen Airbus-Betriebsratsvorsitzenden Rüdiger Lütjen wurden bislang in Deutschland "durch natürliche Fluktuation" 400 Jobs abgebaut.

Problemfälle bei Airbus
Airbus A380
Lufthansa
Die Auslieferung des größten Passagierflugzeugs der Welt, des Airbus A380 , musste wiederholt verschoben werden. Das erste Serienflugzeug wurde erst im vierten Quartal 2007 an den ersten Kunden - Singapore Airlines - geliefert und damit fast ein Jahr später als zuletzt geplant. Ursprünglich sollte der erste A380 schon 2005 nach Singapur geliefert werden. Ursache der Verzögerungen waren Schwierigkeiten mit der komplizierten Verkabelung. Wegen der Produktionsprobleme rechnet der Airbus- Mutterkonzern EADS zwischen 2006 und 2010 mit Gewinneinbußen in Höhe von mehreren Milliarden Euro.
Airbus A350
AP
Die zweistrahlige Maschine A350 soll dem erfolgreichen 787 "Dreamliner" des US-Erzrivalen Boeing Paroli bieten. Doch hat Airbus das Konzept für den A350 in den vergangenen Jahren schon mehrfach geändert. Ursprünglich sollten nur die seit 1993 gebauten A330-Jets modernisiert werden. Als das bei Kunden nicht ankam, präsentierte Airbus Ende 2004 ein neues Konzept. Doch auch dieses gefiel vielen Kunden nicht - die Kabine war ihnen zu schmal. Im Juli 2006 kündigte Airbus deshalb an, ein völlig neues Flugzeug namens A350 XWB zu entwickeln. Eigentlich soll es ab 2012 erhältlich sein - doch EADS will nun prüfen, ob es noch genügend Ressourcen für die Entwicklung gibt.
Airbus A400M
dpa
Der Militär-Airbus A400M wurde vor allem den Bedürfnissen der Nato angepasst. Doch schon der frühere Airbus-Chef Christian Streiff räumte Probleme beim Zeitplan für den großräumigen Truppen- und Fahrzeugtransporter ein. Die Maschine sollte eigentlich 2008 ihren ersten Testflug absolvieren, erste Auslieferungen waren für Ende 2009 angepeilt. Die milliardenschwere Entwicklung des Militär-Airbus, der die Transall- und die Hercules-Flugzeuge ablösen soll, gilt als größtes Rüstungsprogramm in Europa. Experten befürchten aber, dass es angesichts der Probleme beim A380 und dem A350 und wegen des Arbeitsaufwands beim A400M an Ingenieurkapazitäten mangeln könnte.

Die Hauptversammlung der EADS-Aktionäre sollte am Nachmittag beginnen. Neben den französisch-deutschen Spannungen hat der Konzern mit der Dollarschwäche und Imageproblemen zu kämpfen, nachdem der Liefertermin für den Superjumbo A380 vor zwei Wochen zum vierten Mal verschoben werden musste. Um die Profitabilität zu steigern, will EADS noch vor dem Sommer eine Verschärfung des Sanierungsprogramms Power 8 bekannt geben.

mik//AP/dpa



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