Airbus-Sparplan In Frankreich wackeln mehr Stellen als in Deutschland

Erstmals nennt ein deutscher Politiker handfeste Zahlen zum geplanten Job-Abbau bei Airbus: In Deutschland würden 3700 Stellen wegfallen, sagt der Bremer SPD-Abgeordnete Kröning und geht ins Detail. In Frankreich werde die Sanierung schlimmer ausfallen.


Bremen – Das zweitgrößte Airbus-Werk Deutschlands steht in Bremen, und dort hat auch Volker Kröning seinen Wahlkreis. "Aus dem Umfeld der politischen und industriellen Spitzen" habe er konkrete Zahlen über den Airbus-Stellenabbau erfahren, sagte er heute. Es verfestige sich eine klare Tendenz.

Arbeiter beim Bremer Airbus: Garantien nur für drei deutsche Standorte?
DDP

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Demnach sollen in Deutschland rund 3700 Arbeitsplätze abgebaut werden, so Kröning. Dieselbe Zahl hatte heute auch der "Weser-Kurier" genannt. Die genaue Verteilung sei aber ebenso noch im Fluss wie der Zeitraum des Stellenabbaus, sagte der SPD-Politiker.

Als sicher gelte allein eine Bestandsgarantie für die Standorte Hamburg, Bremen und Stade. Ein offenes Geheimnis sei, dass es primär um den Verkauf der Werke in Nordenham und Varel in Niedersachsen gehe. Die Stellen sollten teils durch Outsourcing und Arbeitsplatzverlagerung an Zulieferer wegfallen, sagte Kröning. Ein Teil solle mit Hilfe von Sozialplänen im Rahmen von vier bis fünf Jahren abgebaut werden.

Im Raum stehe eine Gesamtzahl von 10.000 Arbeitsplätzen, sagte Kröning. Nach seinem Kenntnisstand sollen die meisten Stellen, etwa 4300, in Frankreich wegfallen. "Die Zahlen für Spanien und England schwanken und auch noch leicht die für Frankreich und Deutschland", sagte Kröning.

Der "Weser-Kurier" hatte am Donnerstag je 1000 bedrohte Arbeitsplätze für Spanien und Großbritannien genannt. Airbus Deutschland betonte erneut, es sei noch keine Entscheidung über das Sanierungsprogramm Power8 getroffen worden. Insofern seien alle genannten Zahlen spekulativ.

Schon vorgestern hatte der französische Premierminister Dominique de Villepin im Rundfunk gesagt, in den Plänen sei ein Abbau von 10.000 Stellen vorgesehen. Unsicher sei noch, wie viele betriebsbedingte Kündigungen es geben werde. Die Spitze des Airbus-Mutterkonzernes EADS Chart zeigen und auch die deutsche Bundesregierung hatten dagegen betont, bisher seien keine Entscheidungen gefallen.

Auch Kröning sagte, bisher beharre die Konzernspitze öffentlich darauf, dass über Zahlen nicht entschieden sei. "Ich bin nicht dafür, dass man irgendjemanden betuppt, und schon gar nicht die Betroffenen." Ein offenes Geheimnis sei, dass es primär um den Verkauf der Werke in Nordenham und Varel in Niedersachsen gehe. Die Stellen sollten teils durch Outsourcing und Arbeitsplatzverlagerung an Zulieferer wegfallen, sagte Kröning. Ein Teil solle mithilfe von Sozialplänen im Rahmen von vier bis fünf Jahren abgebaut werden.

Sicher ist immerhin, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac am Freitag zu einem Routinegipfel im brandenburgischen Meseberg zusammenkommen. Sicher ist auch, dass sie sich mit dem Thema Airbus befassen. Konkrete Beschlüsse oder gar einen Durchbruch solle es nicht geben, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Dem Vernehmen nach hätten Merkel und Chirac vereinbart, alle technischen Details aus der Diskussion auszuklammern. Stattdessen wollten sie sich darum bemühen, die Emotionen aus der Debatte herauszunehmen und die bisherigen großen Erfolge des deutsch-französischen Gemeinschaftsprojektes hervorzuheben.

Der "Weser-Kurier" schreibt hingegen, das Gespräch in Brandenburg werde eine "wichtige Begegnung" sein, auf die der Konzern Rücksicht nehmen müsse. Die Strukturen des Sparprogramms seien inzwischen so weit konkretisiert, dass der Abbau von 10.000 Stellen insgesamt als gesichert gelten könne. EADS werde voraussichtlich am Wochenende darüber entscheiden. Einem Bericht des "Tagesspiegels" zufolge ist indes nicht vor Montag mit einer Entscheidung bei EADS zu rechnen.

Widersprüchliche Angaben gibt es auch zum Verkauf deutscher Werke. Während der "Weser-Kurier" und Kröning vor allem die Werke Nordenham und Varel als Verkaufskandidaten handeln, berichtet die "Financial Times Deutschland", Airbus wolle vier der sieben Werke in Deutschland verkaufen. In den vier Fabriken seien insgesamt 5000 Personen beschäftigt. Neben Varel und Nordenham sollten auch Buxtehude und Laupheim verkauft werden, will die "FTD" erfahren haben.

Sowohl "Weser-Kurier" als auch "FTD" berichten, der Zulieferer Diehl sei einer der Favoriten unter den möglichen Käufern. Das wiederum wird von Diehl dementiert: Man habe nicht die Absicht, ein Komponentenwerk von Airbus zu kaufen, teilte das Unternehmen heute mit. Diehl beliefert Boeing mit Belechtungen für den Dreamliner 787 und Airbus mit Türsystemen für den A380.

Unter dem Strich bleibt eine Gewissheit: Die Hängepartie für die Mitarbeiter ist noch immer nicht ausgestanden.

itz/AP/dpa-AFX/Reuters/Dow Jones



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