Airbus-Streit
Neuenfelde lässt von Beust abblitzen
Das Dorf Neuenfelde will weiter Widerstand gegen die geplante Startbahnverlängerung des benachbarten Airbus-Werks leisten. Am Mittwochabend versuchte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust erfolglos, die Bewohner von dem Projekt zu überzeugen.
Hamburg - Bundt's Gartenrestaurant hat den größten Saal in Neuenfelde zu bieten. Am Mittwochabend reichte es dennoch nicht. Der Andrang war derart groß, dass sich eine fröstelnde Menge die Veranstaltung draußen auf einer Großbildleinwand angucken musste. Grund für die Versammlung: Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust und Wirtschaftssenator Gunnar Uldall wollten mit den Anwohnern über das Startbahnprojekt des benachbarten Airbus-Konzerns diskutieren.
Von Beust mühte sich, die renitenten Neuenfelder zu überzeugen. Der Bürgermeister warb und warnte. Käme die verlängerte Startbahn nicht, sei das Auslieferungszentrum für den Super-Airbus A380 bedroht und damit langfristig auch der Flugzeugbau-Standort Hamburg. Er bat die Anwesenden "Brücken zu bauen". "Denken Sie nach, es geht um viele Arbeitsplätze", flehte von Beust.
Der Zeitpunkt für solche Appelle war günstig gewählt. Am Vortag hatte der Senat eine Bestandsgarantie für Neuenfelde bekräftigt und weitere Sicherheiten zugesagt. Mittwochmorgen hatten rund 10.000 Airbusbeschäftigte mit ihren Familien für die Startbahn demonstriert. Airbus-Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken hatte den Bewohnern überdies zugesagt, dass die Landebahn über die geplanten 589 Meter hinaus nicht verlängert werde.
Unter Hinweis auf diese neuen Zugeständnisse gab sich von Beust zunächst jovial und verständnisvoll. Er könne verstehen, dass die Leute Angst haben. Er versprach den Erhalt des Dorfes. Und er hörte selbst dann noch interessiert zu, als ein Ortsfremder ihn warnte: "Wer sich dem Großkapital verweigert, zahlt mit dem Leben. Denken Sie an John F. Kennedy."
Ein unangenehmer Abend für von Beust
Das alles half nicht. Die Neuenfelder quittierten von Beusts Worte mit eisigem Schweigen. Es sah so aus, als ob der Druck die Dörfler nur noch entschlossener werden ließ. Die Anwohner waren bestens vorbereitet. Gewappnet mit Karten, Gerichtsurteilen und Senatsvorlagen trieben sie die Politiker mit Detailfragen vor sich her. Zwischendurch verlor der Bürgermeister die Geduld und fragte sichtlich frustriert: "Woher kommt nur das Misstrauen gegen meine Person?"
Die Antwort gab ihm Helmut Roscher, ehemals Pastor im Ort: "Es geht hier nicht um einige Grundstücke, sondern um einen fehlerhaften Plan, der jetzt mit aller Gewalt umgesetzt werden soll." Gleichzeitig kritisierte er die "beispiellose öffentliche Kampagne zur Diffamierung zufällig betroffener Bürger". Es sei in der Vergangenheit zu viel gelogen worden. Das Vertrauen sei dahin, sagte ein anderer Bürger. Noch härter attackierten die Protestler Wirtschaftssenator Uldall. Er solle zurücktreten, forderten einige.
"Sie sind mit falscher Erwartungen und leeren Händen gekommen", fasste ein Neuenfelder das aussichtslose Vorhaben der Politiker zusammen. "Kommt die Landebahn stirbt Neuenfelde. Ein zerstörtes Dorf braucht keine Bestandsgarantien", schimpfte er.
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