Airlines im Aufwind Junge Piloten dringend gesucht

Europas Fluggesellschaften sind nach mehreren Jahren Dauerkrise aus dem Gröbsten heraus und wollen wieder Piloten einstellen. Obwohl noch rund 800 arbeitslose Berufspiloten in Deutschland registriert sind, haben viele Airlines schon Probleme, ihre Stellen zu füllen.

Hamburg - Wie InterCockpit-Chef Hartmut Fabisch dem Zivilluftfahrt-Magazin "Aero International" sagte, sieht er bereits jetzt einen Personal-Engpass auf die Fluggesellschaften in Europa zukommen. Er rechnet damit, dass sich der Pilotenmangel zum Jahresende dann noch weiter verschärft.

InterCockpit, das der Lufthansa  -Tochter Flight Training gehört, bildet Piloten für zehn europäische Airlines einschließlich Air Berlin, Hapag-Lloyd und Eurowings aus. Geschult wird für Turboprop-Flugzeuge, Regionaljets und Kurz- und Mittelstreckenjets.

"Gar nicht genug ausbilden"

Zu der Vielzahl arbeitslos gemeldeter Berufspiloten sagte der InterCockpit-Chef, "diese Zahl stagniert. Andererseits sehen wir, dass alle Piloten, die bei uns fertig werden, auch eingestellt werden. Wir können derzeit gar nicht genug Piloten ausbilden". Auf die Luftfahrtkrise ab 2001 hatten viele Airlines noch mit Einstellungsstopps reagiert.

Fabisch führt die neue Entwicklung vor allem auf den auch in Europa wieder stark wachsenden Flugverkehr und auf zahlreiche Bestellungen neuer Flugzeuge durch die Airlines zurück: "Alle Hersteller prognostizieren in den nächsten 20 Jahren eine Verdoppelung des Weltluftverkehrs. Dazu kommt, dass es in den vergangenen Jahren viele Altersabgänge gab, so dass es da einen Nachholbedarf geben wird."

Lufthansa stellt schon seit Sommer wieder ein

Der InterCockpit-Chef erwartet, dass für jedes neue Kurzstreckenflugzeug 5,5 Crews und für jedes neue Langstreckenflugzeug elf Crews pro Jet benötigt werden. Dass der Pilotennachwuchs wieder hoffnungsvoller in die Zukunft blicken kann, ist "Aero International" zufolge auch an dem Bedarf einer regionalen Fluggesellschaft wie Cirrus Airlines zu erkennen, die zu den Lufthansa-Partnern gehört: Allein das kleine Saarbrücker Unternehmen benötigt für seine Flotte noch in diesem Jahr 30 qualifizierte neue Piloten.

Die Lufthansa selbst stellt schon seit dem Juli vorigen Jahres wieder Piloten ein. Dabei handelte es sich allerdings ausschließlich um Absolventen der firmeneigenen Verkehrsfliegerschule in Bremen, die nach dem Ende ihrer Ausbildung auf einer Warteliste gestanden hatten. "Bis April erfolgen jetzt zwar keine Einstellungen, weil wir die tariflich vereinbarte Mehrarbeit erst einmal abarbeiten müssen", erklärte Lufthansa-Chefpilot Jürgen Raps, "aber ab April stellen wir dann wieder junge Piloten ein."

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