Finanzmärkte Ukrainekrieg schickt Dax unter 14.000 Punkte

Der deutsche Leitindex schließt auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr. Börsianer erklären das nicht nur mit der Eskalation in der Ukraine, sondern auch mit überraschend hohen Inflationsraten.
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Boris Roessler / dpa

Eine Fülle von Sorgen zehrt an den Nerven der Anleger: Der Krieg in der Ukraine treibt die Rohstoffpreise, wodurch ein Inflationsschub bei gleichzeitiger Abkühlung der Konjunktur droht. Dazu gesellen sich enttäuschende Firmenbilanzen. Dax und EuroStoxx50 verloren am Dienstag jeweils knapp vier Prozent auf 13.904,85 beziehungsweise 3777,21 Punkte. Das war für beide Indizes der niedrigste Schlusskurs seit etwa einem Jahr. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte 1,7 Prozent ein.

»Wenn man unterstellt, dass es keine schnelle Lösung für den Konflikt gibt, könnte das weltweite Wirtschaftswachstum um einen halben bis einen Prozentpunkt geringer ausfallen«, prognostizierte Paul Jackson, leitender Analyst beim Vermögensverwalter Invesco. Teile Europas könnten sogar in eine Rezession rutschen. Außerdem müsse damit gerechnet werden, dass die Inflation langfristig hoch bleibt.

Nach einem leichten Rückgang zu Jahresbeginn war die Inflation in Deutschland im Februar wieder auf 5,1 Prozent gestiegen. Die Inflation sei »gekommen, um zu bleiben«, so Michael Stappel, Leiter Makroökonomik bei der DZ BANK. Die Ukrainekrise habe den Preisanstieg zusätzlich befeuert. »Mit einer zunächst weiter steigenden Inflationsrate in Deutschland ist zu rechnen«.

Am Devisenmarkt stand die russische Währung erneut unter Druck. Der Dollar steuerte im Gegenzug mit einem Plus von sieben Prozent auf 101,23 Rubel auf ein neues Rekordhoch zu. Dass nicht einmal die drastische Zinserhöhung der russischen Zentralbank den Rubel stabilisieren konnte, sei ein klares Zeichen, dass es für ausländische Investoren unmöglich sei, in Russland zu investieren, sagte Analyst Piotr Matys vom Anlageberater In Touch. Die Moskauer Aktienbörse blieb am Dienstag den zweiten Tag in Folge geschlossen.

Unterdessen kündigte die Deutsche Börse an, dass dort mit Ablauf des Handelstages keine Anleihen, Aktien oder Derivate aus Russland mehr gehandelt werden können. Im »öffentlichen Interesse« werde der Kauf und Verkauf dieser Papiere mit dem Ende des Handels am Dienstag bis auf Weiteres eingestellt, teilte der Frankfurter Börsenbetreiber mit .

Anleger fliehen in »sichere Häfen«

Aus Verunsicherung nahmen weitere Anleger Kurs auf »sichere Häfen«. Der Goldpreis stieg um gut ein Prozent auf 1929 Dollar je Feinunze. Stark gefragt waren auch Bundesanleihen, wodurch die Rendite der zehnjährigen Titel wieder unter null Prozent fiel.

Kräftig zulegen konnten auch Kryptowährungen. So stieg der Kurs von Bitcoin um 4,5 Prozent auf 43.473 Dollar. Gefragt war auch der Schweizer Franken, der auf den höchsten Stand seit der Abkehr von der Anbindung an den Euro im Januar 2015 kletterte. Ein Euro kostet 1,0229 Franken. Experten verweisen auf den Krieg in der Ukraine. Bei einer weiteren Verschärfung des Konflikts könnte der Franken die Parität zum Euro erreichen, hieß es weiter. Vor gut sieben Jahren wurde ein Rekordstand von 0,85 Franken je Euro erreicht. Seit damals stemmt sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen gegen eine wirtschaftsschädliche Aufwertung der Landeswährung.

mic/Reuters/dpa-AFX