Aktienbaisse Börsen sacken ab, US-Wirtschaft in der Rezession

Angst vor einem schlechten Weihnachtsgeschäft, starke Gewinnmitnahmen - diese Mischung hat den deutschen Aktienmarkt um fast sechs Prozent in die Tiefe gedrückt. Der Dow Jones in New York weitet seine Verluste aus. Die US-Wirtschaft steckt nun auch offiziell in der Rezession.


Frankfurt am Main - Erst waren es Gewinnmitnahmen, dann kamen die schlechten Nachrichten aus den USA: Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen rutschte am Montag um 5,9 Prozent auf 4395 Punkte. Der MDax Chart zeigen fiel um 4,9 Prozent auf 5093 Zähler und der TecDax Chart zeigen gab 6,0 Prozent auf 467 Punkte nach. Zur Begründung verwiesen Händler auf den schwachen ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA. Dieser fiel im November auf 36,2 Punkte und erreichte damit das niedrigste Niveau seit Mai 1982.

Händler an der New Yorker Börse: Schwache Konjunkturdaten drücken Dax
REUTERS

Händler an der New Yorker Börse: Schwache Konjunkturdaten drücken Dax

Dass diese Ängste nicht übertrieben sind, zeigte auch die Mitteilung des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung in den USA (NBER). Die Behörde gab offiziell bekannt, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft seit Dezember 2007 in der Rezession befindet. Zuvor sei die größte Volkswirtschaft der Welt 73 Monate lang gewachsen, hieß es am Montag, nachdem sich die Fachleute in einer Telefonkonferenz mit den neusten Konjunkturdaten beschäftigt hatten.

Das private Institut bestimmt den Anfang und das Ende von Konjunkturzyklen in den USA und benutzt eine breite Definition von Rezession. Nach einer engeren Festlegung spricht man erst dann von einer Rezession, wenn die Wirtschaft zwei aufeinanderfolgende Quartale schrumpft.

Schon bevor das NBER gegen Mittag (Ortszeit) sein Statement veröffentlichte, hatten die Börsen auf die schlechten Nachrichten reagiert: Im Dax stürzten vor allem die Titel ab, die zuletzt an den Aktienmärkten wieder gefragt waren. "Die Bewegung ist heftig, die Umsätze sind aber niedrig. Viele Marktteilnehmer haben mit dem Jahr schon abgeschlossen und sind nicht mehr am Markt", sagte ein Händler. In Paris, London oder Madrid sackten die Aktienmärkte ähnlich stark ab, und der Stoxx 50 Chart zeigen beendete die Sitzung sechs Prozent niedriger bei 2030 Zählern.

Auch an den US-Börsen war das Bild nicht besser: Dort wurden schwache Konjunkturdaten als ein weiteres Zeichen für den schlechten Zustand der US-Wirtschaft gewertet und lösten eine Verkaufswelle aus. Zu Handelsschluss in Europa notierte der Dow-Jones-Index Chart zeigen 4,8 Prozent im Minus. Der Nasdaq Composite Chart zeigen fiel um 5,7 Prozent.

"Konjunkturell kein Land in Sicht"

Sowohl die Einkaufsmanager-Indizes aus mehreren großen Volkswirtschaften der Euro-Zone als auch aus den USA sind im November teils deutlich unter den Erwartungen geblieben. Die Indizes gelten als verlässliche Indikatoren für die Konjunktur in den kommenden Quartalen. "Die Zahlen belegen, dass nach wie vor konjunkturell kein Land in Sicht ist", meinte Fabienne Riefer von der Postbank Chart zeigen.

"Nachdem das dritte Quartal ein negatives Wachstum aufgewiesen hat, scheint die Abwärtsdynamik im vierten Quartal noch zuzunehmen", kommentierte Ulrich Wortberg von der Helaba den neuerlichen Rückgang des ISM-Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende US-Gewerbe. Die Index-Komponente der Neuaufträge fiel auf den niedrigsten Stand seit Juni 1980. Anleger weiteten angesichts dieser Hiobsbotschaften am Nachmittag die Gewinnmitnahmen noch aus.

Unter Druck standen vor allem Stahl-, Automobil- und Solarwerte sowie die Aktien von Maschinenbauern. Der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau ist im Oktober um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Auslandsaufträge brachen sogar um 19 Prozent ein. In der ersten Reihe büßten MAN Chart zeigen acht Prozent auf 32,81 Euro ein. Daimler Chart zeigen verloren 7,3 Prozent und Linde Chart zeigen 7,3 Prozent.

Für die Stahlhersteller kam noch eine Gewinnwarnung des finnischen Produzenten Rautaruukki hinzu. Die Finnen wollen die Produktion drosseln und Personal abbauen. ThyssenKrupp Chart zeigen büßten 7,5 Prozent auf 14,76 Euro und Salzgitter Chart zeigen sogar 14,7 Prozent auf 46,35 Euro ein. Die Salzgitter Chart zeigen-Tochter Klöckner-Werke Chart zeigen veröffentlichte am Nachmittag ebenfalls eine Gewinnwarnung. Auch Finanzwerte legten erneut den Rückwärtsgang ein: Allianz Chart zeigen büßten 6,7 Prozent ein, Deutsche Bank Chart zeigen brachen um 11,1 Prozent ein und Postbank gaben 7,6 Prozent ab.

Tagesverlierer im Dax waren Deutsche Bank mit einem Minus von 11,1 Prozent auf 24,89 Euro. Commerzbank Chart zeigen fielen um 10,21 Prozent auf 6,48 Euro. Einziger Gewinner waren Hypo Real Estate Chart zeigen, die sich um 2,2 Prozent auf 2,83 Euro verteuerten. Die Aktie dürfte in Kürze aus dem Dax entnommen werden. Gleiches droht wegen geringer Marktkapitalisierung den Titeln von Continental Chart zeigen, die nach freundlichem Start um 4,5 Prozent auf 35,61 Euro fielen.

Warten auf EZB-Entscheidung

Infineon Chart zeigen gaben um 8,9 Prozent auf 1,68 Euro nach. Hier hat sich Sorge um schlechte Zahlen von Qimonda Chart zeigen breit gemacht, nachdem der Chiphersteller die Vorlage von Geschäftszahlen auf Mitte Dezember verschoben hat. Sie sollten ursprünglich nach Börsenschluss in den USA veröffentlicht werden. Infineon hat bestätigt, die Jahreszahlen wie geplant am 3. Dezember vorzulegen.

Auch Solarwerte standen nach negativen Aussagen von Q-Cells unter Druck. Der Solarzellenhersteller sieht angesichts der Finanzmarktkrise ein schwächeres Wachstum in der Branche. Q-Cells verloren 18,4 Prozent auf 21,42 Euro. Conergy Chart zeigen gaben um 16,6 Prozent auf 1,16 Euro und Solarworld Chart zeigen um 12,7 Prozent auf 12,24 Euro nach. Die Titel der Branche Erneuerbare Energien gelten als sehr volatil, also schwankungsanfällig.

Auch dem Euro haben die schwachen Konjunkturdaten aus den USA nicht auf die Sprünge geholfen. "Die anstehende EZB-Sitzung überstrahlt alles", meinte ein Marktteilnehmer. Erwartet wird eine Absenkung des Leitzinses von 3,25 auf 2,75 Prozent. Der Euro wurde am Abend im Devisenhandel etwas schwächer als am Mittag zu 1,2627 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor einen Referenzkurs von 1,2608 Dollar festgestellt.

Im MDax verloren sechs Werte zweistellig. Angeführt wurden sie von Salzgitter Chart zeigen, die um 14,7 Prozent auf 46,35 Euro fielen. Es folgten Premiere Chart zeigen, Krones Chart zeigen, ProSiebenSat1 Chart zeigen, SGL Carbon Chart zeigen und Areal Bank. Auch in der zweiten Reihe schaffte es nur ein einziger Wert ins Plus: Kuka stiegen um 4,0 Prozent auf 10,47 Euro.

Im TecDax schlossen gar acht Werte mit Verlusten von mehr als acht Prozent. Schwächste Aktie war Q-Cells, die 18,4 Prozent auf 21,42 Euro verlor. Conergy und Manz gaben 16,5 beziehungsweise 14,6 Prozent nach. Im Plus schlossen lediglich Drägerwerk Chart zeigen. Die Aktie ging um 3,4 Prozent auf 23,56 Euro nach oben.

sam/Reuters/ddp/Dow Jones/dpa



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