Aktion gegen Turbulenzen Porsche will VW-Aktien auf den Markt werfen

Porsche reagiert auf die Turbulenzen der VW-Aktie: Um Schlimmeres zu verhindern, will der Stuttgarter Autobauer jetzt Volkswagen-Anteile auf den Markt geben - das soll die Zahl der verfügbaren Aktien wieder erhöhen. Im frühen Frankfurter Handel notiert VW deutlich im Minus.


Stuttgart - Je nach Marktlage sollen Kurssicherungsgeschäfte in Höhe von bis zu fünf Prozent der VW-Stammaktien aufgelöst werden, teilte Porsche am Mittwoch in Stuttgart mit. Dieser Schritt erhöht den sogenannten Streubesitz der VW-Aktie wieder.

Zuletzt war der Anteil der frei verfügbaren Volkswagen-Aktien auf rund fünf bis sechs Prozent gefallen - 75 Prozent der Aktien kontrolliert Porsche direkt oder indirekt, 20 Prozent das Land Niedersachsen. Die Regeln der Deutschen Börse sehen vor, dass Aktien mit einem zu geringen Streubesitz aus dem Dax ausgeschlossen werden können. Deswegen hatten Marktteilnehmer nach dem rasanten Höhenflug der VW-Aktie in den letzten Tagen einen ebenso raschen Absturz befürchtet.

Volkswagen-Kurs auf dem Laufband: Porsche erhöht den Streubesitz
DPA

Volkswagen-Kurs auf dem Laufband: Porsche erhöht den Streubesitz

Nach gewaltigen Kurssprüngen auf mehr als tausend Euro war VW am Dienstag zeitweise das teuerste Unternehmen der Welt. Am Ende lag der Kurs bei 945 Euro, gut 81 Prozent über dem Vortageswert. Auslöser der Rallye war die Ankündigung Porsches vom Sonntag, seine Anteile noch weiter zu erhöhen.

Am späten Dienstag hatte schon die Deutsche Börse Chart zeigen auf den Höhenflug der VW-Aktie reagiert und den Anteil des Konzerns am Dax verringert, um damit die Gefahr einer Kursblase zu bannen. So soll der Volkswagen-Anteil im deutschen Leitindex auf maximal zehn Prozent reduziert werden, wie die Deutsche Börse am Abend mitteilte. Die Verringerung des VW-Anteils soll zum Handelsstart am Montag umgesetzt sein - so haben die Kurse noch einige Tage Zeit, um sich zu beruhigen.

Porsche Chart zeigen weist in der Mitteilung jegliche Verantwortung für diese Marktverwerfungen und die daraus resultierenden Risiken zurück. Die Kursturbulenzen bei VW-Stammaktien seien von Leerverkäufern zu verantworten. Das Unternehmen sei während dieser Kursbewegungen nicht im Markt aktiv gewesen und habe die kapitalmarktrechtlichen Vorschriften zu jeder Zeit beachtet. Vorwürfe der Kursmanipulation durch Porsche entbehrten jeder Grundlage, teilte das Unternehmen mit.

Leerverkäufe sind Geschäfte, bei denen ein Investor auf einen sinkenden Kurs setzt und sich dafür gegen eine Gebühr eine Aktie ausleiht und verkauft. Fällt die Aktie wie erwartet, kann er sie später zu einem günstigeren Kurs einkaufen und zurückgeben. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis ist sein Gewinn. Diese sogenannten Shortseller werden für die Zuspitzung der Finanzkrise mitverantwortlich gemacht.

Porsche hatte am Wochenende überraschend mitgeteilt, bereits 42,6 Prozent der VW-Anteile zu halten und Optionen auf weitere 31,5 Prozent zu besitzen. In den kommenden Wochen wollen die Stuttgarter die 50-Prozent-Hürde nehmen. Porsche bekräftigte das Ziel, seine Beteiligung an Volkswagen Chart zeigen im kommenden Jahr auf bis zu 75 Prozent aufzustocken. Daher sei weiter geplant, VW-Stammaktien an der Börse oder außerbörslich "zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen" zu erwerben.

Zum Börsenstart fiel die VW-Aktie um 43,91 Prozent auf 530,01 Euro.

Wie die Kursrallye genau abgelaufen ist, zeigt die SPIEGEL-ONLINE-Grafik (Für das Großbild anklicken):

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kaz/dpa-AFX/ddp



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