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INDUSTRIE Aktion Holzmann-Ost

aus DER SPIEGEL 5/2002

Angesichts der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und des beginnenden Bundestagswahlkampfs hat Bundeskanzler Gerhard Schröder das Überleben von ostdeutschen Waggonbau-Werken der kanadischen Bombardier-Gruppe zur Chefsache gemacht. Nach einem Treffen mit betroffenen Betriebsräten und Gewerkschaftsvertretern am Donnerstag vergangener Woche ließ Schröder Bahnchef Hartmut Mehdorn ins Kanzleramt rufen, um zu klären, wie die Deutsche Bahn (DB) mit neuen oder vorgezogenen Bauaufträgen die Auslastung der bedrohten Werke in Halle-Ammendorf (Sachsen-Anhalt) und Vetschau (Brandenburg) verbessern könnte. »Die Bahn verhandelt über Produkte und Qualität, aber nicht über Standorte«, widersetzte sich Mehdorn diesem Ansinnen. Die Bahn, deren Auftragsvolumen bei Bombardier (2001: 600 Millionen Euro) in diesem Jahr ohnehin steigen wird, will sich aus politischen Standortentscheidungen heraushalten. Mit dem Hinweis auf frisch zugesagte Bundesmittel für die DB will das Kanzleramt nun den Druck auf Mehdorn erhöhen. Schließlich gilt die Rettung der beiden Bombardier-Werke, deren Schließung 960 Arbeitsplätze vernichten würde, in der Koalition bereits als »Aktion Holzmann-Ost« - in Anspielung auf die von Schröder inszenierte Rettung des Frankfurter Baukonzerns Philipp Holzmann vor zwei Jahren.

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