Al-Qaida-Finanzen Die Blutdiamanten der al-Qaida

Im Kampf gegen das Finanznetzwerk der al-Qaida spüren die Fahnder immer neue Geldquellen auf. Nach neuesten Erkenntnissen nutzt Osama Bin Ladens Terrorgruppe zunehmend illegal geförderte Diamanten als Zahlungsmittel für Waffen und Sprengstoffe.


Weniger als ein Drittel der Exporte ist legal: Diamant
AP

Weniger als ein Drittel der Exporte ist legal: Diamant

Dass Liberias Staatschef Charles Taylor es mit den Regeln im internationalen Handel nicht so genau nimmt, wussten die Fahnder seit langem. Immerhin ist der Diktator ein enger Freund des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Doch die Studie der Organisation "Partnerschaft Afrika-Kanada" versetzte sie dann doch in Erstaunen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass das westafrikanische Land im Schnitt 25-mal so viele Diamanten ausführt, wie es selber fördern kann.

Was für sich genommen eher für eine Anekdote gut ist, hat nach Befürchtungen der Experten einen sehr ernsten Hintergrund. Denn die so genanten Blut-Diamanten sind inzwischen zum wichtigsten Zahlungsmittel für Waffen, Sprengstoffe und Munition aller Art avanciert. Und Liberia gilt unter Diplomaten als Geldschleuse der Region. Auch al-Qaida-Mitarbeiter sollen dort regelmäßig Station machen.

Wie eine Expertengruppe des Uno-Weltsicherheitsrats erst vor kurzem berichtete, füllen Bin Ladens Terrorkommandos dort genauso ihre Vorräte an Edelsteinen auf wie auch die radikale Hisbollah-Bewegung. Nach Erkenntnissen der Ermittler stammen die Hochkaräter vornehmlich aus den Minen Kongos, Sierra Leones oder Angolas. Die Ermittler spürten Geschäftsverbindungen zwischen Vertretern beider radikalen Gruppen und libanesischen Diamanthändlern in Kongo und Sierra Leone auf. "Wir haben zwar keine Finanzverbindungen zwischen beiden Gruppen erkannt, doch sie machen ihre Geschäfte mit denselben Händlern", zitierte die "Washington Post" einen europäischen Fahnder. Das Geschäftsinteresse konzentriere sich in letzter Zeit besonders auf Diamanten, Gold und Uran aus Kongo.

Seit Ausbruch des Bürgerkriegs 1998 wird Liberia systematisch von ausländischen Kriegsparteien wie Angola, Simbabwe, Ruanda und Uganda ausgeplündert. Davon, meinen die Ermittler, würden auch internationale Verbrecherorganisationen profitieren. "Zusammengebrochene Staaten wie Kongo, Liberia und Sierra Leone werden Freihandelszonen", sagt Uno-Ermittler Johan Peleman: Die Nutznießer sind internationale Spieler auf dem Feld von Chaos und Gewalt - kriminelle Netzwerke und Terrorgruppen."

Direkt oder über Mittelsmänner beziehen die Gruppen demnach ihre Waren für einen Bruchteil des Marktwertes direkt aus den Minen. Die wertvollsten Edelsteine werden auf der größten Diamantbörse in Antwerpen verkauft, dem Umschlagplatz für 90 Prozent hochkarätiger Edelsteine weltweit. Kongo exportiert jährlich Edelsteine im Wert von schätzungsweise 600 Millionen US-Dollar. Doch nach Berichten der "Washington Post" schätzen Behörden in Antwerpen, dass weniger als ein Drittel dieser Exporte legal sind. Unklar ist wiederum, wie viele der illegalen Steine Taschen der Terroristen füllen.

Nach Hinweisen von Geheimdienstlern, Antwerpen sei finanzielle Drehscheibe radikal islamischer Gruppen, leiteten belgische Fahnder Ende letzten Jahres Ermittlungen gegen zwei libanesische Diamantenhändler ein. Danach sind Samih Osailly und sein Cousin Asis Nassur möglicherweise in Diamanthandel mit Mitgliedern der al-Qaida verstrickt. Sie werden verdächtigt, Edelsteine über Liberia aus Sierra Leone geschmuggelt zu haben.

Die Kontrolle der Terror-Finanzierung muss nach Ansicht des Uno-Expertenteams auch eine stärkere Kontrolle der Wege des illegalen Diamantenhandels beinhalten. So genannte "Kimberley-Richtlinien", die im März von der Uno-Vollversammlung genehmigt wurden, sollen diese Kontrolle erleichtern. Danach dürfen Rohdiamanten nur noch mit Herkunftszertifikat einer anerkannten Regierung gehandelt werden. Die Regelung tritt jedoch erst Ende des Jahres in Kraft.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.