Gerichtsurteil Verlagserbe Falk muss Schadensersatz zahlen

Er war eine der schillerndsten Figuren des Dotcom-Booms - und fiel tief. Nach vier Jahren Haft muss der ehemalige Internetunternehmer Alexander Falk nun auch noch mehr als 200 Millionen Euro Schadensersatz zahlen. Er hatte seine Firma zu teuer an einen britischen Konkurrenten verkauft.
Internet-Unternehmer Falk im Gerichtssaal: Ob er zahlen kann, ist unklar

Internet-Unternehmer Falk im Gerichtssaal: Ob er zahlen kann, ist unklar

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Hamburg - Der ehemalige Internetunternehmer Alexander Falk soll knapp 209 Millionen Euro Schaden ersetzen, den er mit einem manipulierten Unternehmensverkauf im Jahr 2000 verursacht hat. Das hat das Hamburger Landgericht am Donnerstag verkündet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Berufung zum Hanseatischen Oberlandesgericht ist möglich.

Die Insolvenzverwalter der britischen Firma Energis hatten Falk auf Schadensersatz verklagt, weil Energis ihm 2000 zu einem überhöhten Preis seine Firma Ision abgekauft hatte. Damals waren knapp 209 Millionen Euro in bar geflossen sowie Aktien, die heute allerdings wertlos sind.

Das Landgericht Hamburg hatte Falk bereits 2008 wegen versuchten Betrugs und anderer Delikte zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Als Verwaltungsratsvorsitzender hatte er den Wert seiner Firma durch Scheinrechnungen manipuliert, um einen höheren Verkaufspreis zu erzielen, wie das Gericht damals urteilte. Seit August 2011 ist Falk wieder auf freiem Fuß.

"Der Käufer kann im Rahmen des Schadenersatzes die Rückabwicklung des Vertrags verlangen", sagte Gerichtssprecher Conrad Müller-Horn. Mit Blick auf das Zivilverfahren hatte zuvor ein Strafgericht das eingefrorene Vermögen von Falk nicht endgültig zugunsten des Staates einkassiert. Die Ansprüche von Energis hätten Vorrang. Im Zuge des Verfahrens waren 30 Millionen Euro aus dem Privatvermögen und 50 Millionen Euro eines Falk-Unternehmens mit einem Arrest belegt worden.

Ob Falk den Schadensersatz leisten kann, ist ungewiss. Zeitweise hieß es in Medienberichten, sein vermögender Schwiegervater könnte in einem Vergleich mit Energis einen Teil der Forderungen begleichen. Sollte die Forderung von Energis rechtskräftig werden, so kann das Unternehmen Anspruch auf Falks Vermögen bis zur Pfändungsgrenze erheben.

Falk hatte den gleichnamigen Stadtplan-Verlag 1995 im Alter von 26 Jahren geerbt. Er verkaufte ihn für rund 25 Millionen Euro und investierte in Internetunternehmen.

stk/dpa
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