Alkoholkonsum bei jungen Menschen Drogenbeauftragter will Abgabe von Bier an 16-Jährige stoppen

Ab 14 Jahren darf in Deutschland Alkohol getrunken werden – wenn auch unter Aufsicht. Dagegen will der Drogenbeauftragte der Regierung einschreiten. Und Burkhard Blienert geht noch weiter.
Bierflaschen (Symbolbild)

Bierflaschen (Symbolbild)

Foto: Marc Müller/ picture alliance / dpa

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern pflegt Deutschland eine eher weiche Politik, wenn es um die Ausgabe von Alkohol an junge Bürgerinnen und Bürger geht. Der Drogen-Beauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, plädiert nun für eine Neuregelung.

»Für mich sprechen viele medizinische Argumente dafür, das Erwerbsalter für Bier, Wein und Schaumwein auf 18 Jahre zu erhöhen«, sagte der SPD-Politiker der Zeitung »Die Welt«. »Was politisch möglich ist, werden wir sehen. Was jedenfalls so gar nicht geht, ist das sogenannte begleitete Trinken.«

Laut Jugendschutzgesetz dürfen Jugendliche ab 14 Jahren im Beisein einer sorgeberechtigten Person Bier, Wein oder Schaumwein trinken. »Wir müssen von einem freien Wildwuchs sukzessive zu einem regulierten, kontrollierten Umgang mit Tabak und Alkohol kommen. Die Verfügbarkeit ist zu niedrigschwellig«, so Blienert.

Er nannte es auch »paradox, dass man ausgerechnet Tabak rund um die Uhr quasi überall am Automaten kaufen kann. Auch hierzu brauchen wir eine fundierte Debatte.«

Der Drogenbeauftragte sagte, für Alkohol und Tabak dürfe nicht geworben werden. Es sei »erforderlich, die Werbemöglichkeiten für Alkohol und Tabak ganz deutlich zu beschränken. Auch die Werbung für Glücksspiel halte ich für unangebracht.«

Hier liege »die Verantwortung allerdings nicht beim Bund, sondern den Ländern«. Über die kontrollierte Abgabe von Cannabis hinaus forderte Blienert eine »Neuausrichtung der Drogenpolitik«. Im Mittelpunkt solle »die Gesundheit stehen, nicht das Strafrecht«.

Schon Kinder landen wegen Alkohol im Krankenhaus

Im vergangenen Jahr hatte das Statistische Bundesamt Zahlen zum Alkoholkonsum unter jungen Menschen in Deutschland vorgelegt. Die Angaben bezogen sich auf das Jahr 2019. Demnach wurden rund 14.500 Minderjährige wegen akuten Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus stationär behandelt. Rund 22 Prozent der vom Alkoholmissbrauch betroffenen Kinder und Jugendlichen waren demnach jünger als 15 Jahre.

Besonders in der sehr jungen Altersgruppe waren die Zahlen gestiegen: Insgesamt wurden 2019 rund 3200 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren im Krankenhaus mit einer Alkoholvergiftung behandelt. Das war ein Anstieg um 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der schwer betrunken im Krankenhaus behandelten Jugendlichen im Alter von 15 bis unter 18 ging dagegen um 2,2 Prozent auf 11.200 zurück.

jok/dpa