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Geldanlage Alles ganz normal

Auch in Gelddingen sollen Frauen nun besser behandelt werden - ein neuer Fonds wirbt speziell um weibliche Kunden.
aus DER SPIEGEL 31/1991

Die Tinte, mit der sie ihre Briefe unterschreibt, sei kein Lila, korrigiert Marion Weichert, sondern »ein kräftiges Pink«. Seit streitbare Feministinnen Lila zu ihrer Farbe gemacht haben, ist die Geschäftsfrau etwas allergisch auf die Farbe geworden. Ihre lila lackierte Harley-Davidson hat sie im vergangenen Jahr verkauft.

Jetzt fährt sie eine schwarze Maschine. »Ich bin nicht der Typ lila Latzhose«, versichert die Hamburger Finanz- und Versicherungsmaklerin, die vor allem für Frauen arbeitet und davon lebt. Nun hat sie sich für ihre Kundschaft etwas Neues ausgedacht: Deutschlands ersten Investmentfonds, der sich ausdrücklich an Frauen wendet.

»Fonds Pour Femmes«, FPF, nennt sich die Novität, die es von Donnerstag dieser Woche an zu kaufen gibt. »Frau und Finanzen hat Tradition«, schreibt Marion Weichert im Prospekt. Schon immer hätten Frauen Vermögenswerte aller Größenordnungen verwaltet.

Ein Investmentfonds für Frauen? Nur Machos, die sich mit modernem Marketing nicht auskennen, werden spöttisch lächeln. Längst haben gute Verkäufer in allen Branchen entdeckt, daß weibliche Kunden eine lohnende Zielgruppe sind. Es gibt Hotels für Frauen ("Nur für Gästinnen"), Frauenkneipen, Frauenbuchläden, Frauenreisen oder eine Berliner Genossenschaft namens »WeiberWirtschaft«.

Ganz Sensible, denen »männliche Arroganz«, so die Frankfurter Fahrschullehrerin Ingrid Försch, zuwider ist, gehen in die Frauenfahrschule. Für Raucherinnen, denen keine der über 220 angebotenen Zigarettenmarken gefällt, hat der Tabakkonzern BAT schon vor Jahren die Marke Kim geschaffen, mit dem Slogan »Für Männerhände viel zu chic«.

Bei genau 392 Investmentfonds können deutsche Frauen ihr Geld anlegen - demnächst, mit dem »FPF-Universal-Rentenfonds«, bei einem weiteren. Der Frauenfonds - natürlich dürfen auch Männer dort ihr Geld anlegen - unterscheidet sich nicht von der Mehrzahl der Konkurrenzprodukte.

Einen kleinen Unterschied soll es geben. Der »Fonds Pour Femmes« legt überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren an, bis zu 25 Prozent auch in Aktien, Optionsscheinen und ähnlichen Papieren - bevorzugt allerdings werden »börsennotierte Aktien von Firmen, die durch Inhaberinnen geleitet werden«.

Leider kennt Marion Weichert außer der Jil Sander AG kein Unternehmen, das dieses Kriterium erfüllt. Ernst gemeint ist dieser Werbegag wohl auch nicht: »Vorrangig sind Rendite und Sicherheit«, sagt die Initiatorin.

Im Grunde ihres Herzens ist Marion Weichert gegen »Extrawürste für Frauen«. Ihr Job - sie ist im »Arbeitskreis Versicherungs- und Finanzexpertinnen für Frauen« - wäre auch überflüssig, wenn Frauen nicht immer wieder herablassender als Männer behandelt würden oder sich schlechtere Konditionen aufdrücken ließen.

Es ist kein Zufall, daß die meisten Sparbücher im Besitz von Frauen sind - ein Sparbuch bringt die schlechtesten Zinsen, aber der Bank die besten Profite. Bei Festgeldanlagen, so hat Anlageberaterin Weichert beobachtet, bekommen Männer oft ein halbes Prozent mehr - schon auf die Bemerkung hin, sie würden sich erst einmal bei der Konkurrenz umsehen. Frauen treten meist weniger selbstbewußt auf.

Seit 1975 die erste Bank von Frauen für Frauen entstand - die First Women's Bank in New York -, ist das Kreditgewerbe auf die neue Gruppe aufmerksam geworden. 1985 legte sich die Stadtsparkasse Düsseldorf für die Beratung von Kundinnen eine »Frauenbeauftragte« zu; die Deutsche Bank Berlin und die Kölner Bank von 1867 haben einen ähnlichen Service eingerichtet. Frauenagenturen sind inzwischen entstanden, die »Finanzberatung Helma Sick, frau & geld« in München etwa oder die »SieFinanz GmbH, Zukunftssicherung für die Frau« in Bonn.

»Viele Frauen«, erklärt die Münchner Frauenzeitschrift Cosmopolitan den Zulauf, »sind es leid, von Banken und Versicherungsvertretern von oben herab behandelt zu werden.« Manche Banken und Versicherungen kümmern sich nun etwas aufmerksamer um die Damen unter ihren Kunden.

Zu diesen Instituten zählt auch die Hamburger Privatbank Joh. Berenberg, Gossler & Co., mit der Marion Weichert seit längerem zusammenarbeitet. Hin und wieder hat Frau Weichert wohlhabende Kundinnen zu Berenberg geschickt - zumeist Frauen, die zuvor bei der Finanzexpertin Rat in Scheidungs- oder Erbschaftsfällen gesucht hatten.

Berenberg wird nun als Depotbank den Fonds verwalten, den Marion Weichert vertreibt. Zusammen mit 13 anderen Banken betreibt Berenberg die Universal-Investment GmbH in Frankfurt, eine Gesellschaft, die bereits zahlreiche Fonds mit einem Gesamtvolumen von knapp neun Milliarden Mark verwaltet. Da schien den Bankiers die Idee nicht abwegig, noch einen Investmentfonds aufzulegen - speziell für die zunehmend zahlungskräftiger werdende weibliche Kundschaft.

Warum eigentlich Frauen den »Fonds Pour Femmes« kaufen sollen, kann auch die Initiatorin nicht so recht erklären. »Wir machen den Frauen nichts vor«, sagt sie, »das ist ein ganz normaler Fonds.«

Und der wird auch, ganz normal, in Frankfurt von Männern gemanagt. o

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