Allianz-Bilanz Börsianer bejubeln Ende des Dresdner-Dramas

Die Allianz legt eine tiefrote Jahresbilanz vor - und der Aktienkurs steigt. Die Anleger bejubeln den Verkauf der Dresdner Bank, die den Großteil der Verluste verursacht hat. Allerdings belastet das kriselnde Finanzinstitut immer noch die Bilanz des Versicherungsgiganten.


Frankfurt am Main/München - Aktien der Allianz gehörten am Donnerstagmorgen zu den Gewinnern im Leitindex Dax. Zeitweise legte das Papier um mehr als zehn Prozent zu - und das, nachdem der Versicherungskonzern ein Minus in Milliardenhöhe für das vergangene Geschäftsjahr vermeldet hatte.

Allianz-Chef Diekmann (M., mit den Vorständen Helmut Perlet und Paul Achleitner): "Wir haben es nicht hinbekommen"
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Allianz-Chef Diekmann (M., mit den Vorständen Helmut Perlet und Paul Achleitner): "Wir haben es nicht hinbekommen"

Unter dem Strich verbuchte Europas größte Assekuranz 2008 einen Fehlbetrag von 2,4 Milliarden Euro. In ihrer 119-jährigen Geschichte war die Allianz zuvor erst einmal - 2002 - in die roten Zahlen geraten.

Händler reagierten dennoch mit Erleichterung: Nach den bedeutend schlechteren Ergebnisse anderer Versicherer sehe die Bilanz der Allianz gar nicht schlecht aus. Entlastend wirkte aber vor allem die Tatsache, dass das Minus maßgeblich durch die kriselnde Finanztochter Dresdner Bank verursacht wurde.

"Die Zukunft erscheint einfacher"

Die Belastung durch das Institut belief sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 6,4 Milliarden Euro. Ohne diese Verluste lag der Überschuss der Allianz bei vier Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass die Probleme der Dresdner Bank die Allianz in Zukunft nicht mehr direkt beschäftigen werden. Im Januar hatte der Versicherer den Verlustbringer an die Frankfurter Commerzbank Chart zeigen verkauft.

Angesichts der horrenden Verluste bei der Dresdner Bank erklärte die Börse denn auch die Allianz zum Gewinner. "Offenbar ist man froh, dass das Dresdner-Drama vorbei ist. Ohne die Banktochter war die Allianz im Kerngeschäft auch in schwierigen Zeiten profitabel", sagte ein Börsianer. "Die operativen Zahlen waren durchaus ermutigend", sagte Robert Halver von der Baader Bank. "Und die Zukunft erscheint einfacher: Die Dresdner Bank ist im Moment wie jede Bank ein Sorgenkind."

Nach dem missglückten Dresdner-Abenteuer gelobte Allianz-Chef Michael Diekmann die Rückbesinnung auf Basistugenden. Der Allianz-Chef will sich im laufenden Jahr angesichts der Wirtschaftskrise statt auf Wachstumsziele auf eine stabile Finanzlage und den Ausbau der Kundenbeziehungen konzentrieren. "Eine der Lehren aus der Finanzkrise ist, dass in diesen Zeiten Wachstums- und Renditeprognosen unmöglich sind", sagte er. Die Allianz könne sich daher nur auf den Kern ihres Geschäfts konzentrieren und die Kundenbeziehungen pflegen und ausbauen.

Als Allfinanzkonzern gescheitert

Allerdings kann der Trennungsjubel nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Allianz mit der Dresdner Bank grandios gescheitert ist. Der Versicherer hatte das Geldhaus 2001 für rund 23 Milliarden Euro übernommen. Nach einem schwierigen Start war die Bank auch über einen drastischen Sparkurs vorübergehend wieder auf die Beine gekommen, dann aber tief in den Strudel der Finanzkrise geraten.

Entsprechend selbstkritisch gab sich Diekmann bei der Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag. "Wir müssen heute eingestehen, dass wir es nicht hinbekommen haben, unsere Ambitionen zu verwirklichen, mit der Dresdner Bank einen Allfinanzkonzern zu schmieden", sagte er.

Außerdem gehört die Dresdner Bank zwar offiziell nicht mehr zur Allianz. Doch auch nach dem Verkauf wird das Geldinstitut die Bilanz des Versicherers zunächst weiter beschädigen. Finanzvorstand Helmut Perlet kündigte an, im ersten Quartal eine Belastung von 400 Millionen Euro zu verbuchen.

Darüber hinaus hat die Allianz für den Verkauf des Kriseninstituts auch Anteile am Abnehmer Commerzbank erhalten. Und die entwickeln sich nicht eben positiv.

Die Commerzbank-Aktien, die die Allianz als Bezahlung für die Dresdner bekommen habe, stünden mit 4,56 Euro in den Büchern, sagte Allianz-Chef Diekmann. Am Donnerstagmorgen lag der Commerzbank-Kurs jedoch nur bei 2,77 Euro. Bei 163 Millionen Aktien und dem aktuellen Kurs entspricht dies einem Abschreibungsbedarf von mehr als 290 Millionen Euro.

suc/dpa-AFX/Reuters

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