Allianz Dresdner Bank sorgt für Milliarden-Minus

Die Dresdner Bank erweist sich für die Allianz als echter Mühlstein. Die Verluste des Bankhauses bescherten Europas größtem Versicherungskonzern für das vergangene Jahr einen Verlust in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.


Kapitalerhöhung soll vier Milliarden Euro einbringen: Allianz
DDP

Kapitalerhöhung soll vier Milliarden Euro einbringen: Allianz

München - Durch Einnahmen aus anderen Konzernbereichen konnte wenigstens ein geringer Teil des Netto-Verlusts, den die Dresdner produziert hatte, aufgefangen werden. Faule Kredite und strategische Fehlentscheidungen im Investment-Banking hatten deren Minus auf mehr als 1,4 Milliarden Euro getrieben. Hinzu kommen auch die Hypotheken für die Zukunft: Die Rücklagen musste auf 2,2 Milliarden Euro aufgestockt werden, um Risiken wegen Insolvenzen großer Firmenkunden und im Lateinamerika-Geschäft abzusichern.

Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz hatte bereits am Mittwoch die Konsequenzen aus dem Desaster gezogen und seinen Rücktritt erklärt. Sein Nachfolger wird der Deutsche-Bank-Manager Herbert Walter.

Wertberichtigungen kosteten 5,5 Milliarden Euro

Aber nicht allein die schlechten Geschäfte der Dresdner Bank machten dem Mutterhaus zu schaffen. Auch die schwachen Kapitalmärkte, Naturkatastrophen und Asbestrückstellungen in den USA wirkten sich belastend für das Ergebnis aus. Allein die Abschreibungen auf Aktienbeteiligungen hätten sich auf 5,5 Milliarden Euro belaufen, sagte der designierte Allianz-Chef Michael Diekmann.

Auch die deutlich gesteigerten Erträge im Versicherungsgeschäft konnten dies nicht wettmachen. Die Prämieneinnahmen etwa stiegen nach Konzernangaben um zehn Prozent auf 82,6 Milliarden Euro. Ein Wachstumsschub sei vor allem aus dem Lebensversicherungsgeschäft gekommen. Durch Tariferhöhungen und Verzicht auf unprofitable Vertragserneuerungen in der Schaden-Unfall-Versicherung sei die Schaden-Kosten-Quote auf 105,7 Punkte gesunken.

Kapitalerhöhung soll Liquidität sichern

So blieb dem Versicherungskonzern unter dem Strich für das Geschäftsjahr 2002 ein Minus in Höhe von 1,167 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte die Allianz trotz der Terroranschläge in den USA noch 1,6 Milliarden Euro Netto-Gewinn gemacht.

Um eine ausreichende Kapitalbasis zu sichern, kündigte Diekmann die Ausgabe neuer Aktien für bis zu vier Milliarden Euro an. Die Kapitalerhöhung sei notwendig, um der Gruppe eine ausreichende Kapitalstärke zu sichern und künftige Wachstumschancen zu nutzen. Kurzfristig werde ein internationales Bankenkonsortium Papiere im Nennwert von 30 Euro für mindestens 3,5 Milliarden Euro platzieren. Eine Anleihe soll weitere 1,5 Milliarden Euro einbringen. Die gegenseitigen Beteiligungen von Allianz und Münchener Rückversicherung würden von über 20 Prozent auf 15 Prozent reduziert.

Für das laufende Jahr geht Diekmann von deutlichen operativen Ergebnisverbesserungen aus. Die Schaden-Kosten-Quote solle weiter gesenkt, die Verwaltungskosten und die Kreditrisiken bei der Dresdner Bank sollten deutlich reduziert werden. Aber falls die Unsicherheit an den Finanzmärkten andauerten und die Konjunktur nicht deutlich anziehe, sei auch im laufenden Jahr mit hohen Belastungen aus Wertpapierabschreibungen und aus der Risikovorsorge zu rechnen.



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