Allianz Solider Gewinn, drastischer Stellenabbau

Die Allianz hat im dritten Quartal trotz der Wirbelstürme in den USA und trotz der Flutkatastrophen in Europa deutlich mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Trotzdem will Europas größter Versicherer einer Zeitung zufolge massiv Stellen abbauen.


München - Das Nettoergebnis der Allianz erhöhte sich von Juli bis September um 70 Prozent auf 794 Millionen Euro, teilte der Konzern mit. Das operative Ergebnis verringerte sich den Angaben zufolge um acht Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um knapp drei Prozent auf 23,8 Milliarden Euro zu.

Beobachter hatten mit durchschnittlich 878 Millionen Euro zwar einen höheren Gewinn erwartet. Der Konzern verwies jedoch auf die Wirbelstürme in den USA und die Flutkatastrophen in diesem Jahr. Es sei ein Quartal mit einer "historisch nie da gewesenen Frequenz schwerer Naturkatastrophen" gewesen, die zu Belastungen von 753 Millionen Euro geführt hätten. Allein die Schadenlast durch den Wirbelsturm "Katrina" Ende August und die Überschwemmungen im Alpenraum hatte der Konzern im Vorfeld auf zusammen rund 500 Millionen Euro beziffert.

Für das Gesamtjahr zeigte sich der Versicherer zuversichtlich. "Trotz der hohen Belastung werden wir die operativen Ziele für die Gruppe für 2005 übertreffen", kündigte Vorstand Helmut Perlet an. Der Konzern erwarte darüber hinaus für 2005 Umsatzsteigerungen in der Größenordnung des vergangenen Jahres.

Trotz der soliden Ergebnisse plant der Konzern der "Financial Times Deutschland" zufolge in Deutschland einen massiven Stellenabbau. Von den insgesamt 40.000 Arbeitsplätzen bei den deutschen Versicherungstöchtern sollten rund 7000 bis 8000 Jobs wegfallen, heiße es in der Konzernspitze. Bei der Tochter Dresdner Bank seien rund 2000 Arbeitsplätze von den Plänen betroffen. Damit würde die Bank noch einmal zehn Prozent ihrer verbleibenden 29.000 Mitarbeiter verlieren, nachdem seit 2001 bereits 17.000 Stellen weggefallen waren.

Der Stellenabbau sei Teil des von Konzernchef Michael Diekmann angestoßenen Großumbaus der Gruppe in Deutschland. Allianz und Dresdner Bank dementierten die Zahlen jedoch auf Anfrage der Zeitung. "Wie sich die neuen Strukturen in Deutschland auf die Arbeitsplätze auswirken, wird bis 2006 analysiert und anschließend mit den Gremien besprochen", sagte ein Allianzsprecher.

Bis 2006 wolle Diekmann Verhandlungen mit den Betriebsräten aufnehmen, heißt es in dem Bericht. Der Stellenabbau werde rund 500 Millionen Euro kosten. Vor kurzem hatte Diekmann Stellenstreichungen noch von dem Wachstum des Konzerns abhängig gemacht. Der Konzernchef sei jedoch fest überzeugt, dass die Allianz trotz hoher Gewinne ihre Produktivität steigern müsse, um langfristig wettbewerbstauglich zu sein. Bei der Dresdner Bank sollten vor allem in der Zentrale Jobs gestrichen werden, die Analysten zufolge völlig überdimensioniert sei. Auch das Privatkundengeschäft müsse außerdem wirtschaftlicher werden.

Auch in Italien sollten im großen Stil Arbeitsplätze abgebaut werden, heißt es weiter. Dort will Diekmann 2006 die operativen Versicherer fusionieren. Dieser Schritt werde wahrscheinlich einmalig rund 300 Millionen Euro kosten.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.