Zur Ausgabe
Artikel 29 / 87
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

AFFÄREN Alt gegen neu

Ein Banken-Aufseher geriet in Verdacht, sich auf einen allzu vorteilhaften Tauschhandel mit einem Pleite-Bankier eingelassen zu haben.
aus DER SPIEGEL 15/1980

Wenn mir was passiert, dann sprechen wir uns wieder«, hatte der Münchner Privatbankier Franz Xaver Ortner vor dem Konkurs seines Bankhauses Bansa KG gedroht.

So jedenfalls erinnert sich Hans-Wolfgang Schnack, Abteilungsleiter im Berliner Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, an ein Gespräch mit dem früheren Bansa-Bankier. Der Beamte steht im Verdacht, sich 1972 durch einen dubiosen Autotausch mit Ortner privaten Vorteil verschafft zu haben.

Am Montag vor Ostern -- kurz vor der Veröffentlichung eines Artikels im »Stern«, der dem Bankprüfer allzu freundschaftliche Beziehungen zu zwielichtigen Münchner Bankiers vorwarf -- beantragte der Beamte gegen sich selbst ein Disziplinar-Verfahren. Das Bundesfinanzministerium, dem die Berliner Bankenkontroll-Behörde unterstellt ist, wird Schnacks frühere Bankiers-Kontakte untersuchen.

Von dem Autohandel zwischen Schnack und Ortner hatten die Vorgesetzten des Beamten erstmals 1978 erfahren. In einem Brief mit dem Absender Bergmann ging damals beim Finanzministerium eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Schnack ein.

Er habe sich schon immer gewundert, begründete der Briefschreiber seine Beschwerde, daß Schnack -- bis Ende 1974 für die Aufsicht aller privaten Geschäftsbanken zuständig -- im Prozeß gegen den wegen Untreue und Betrugs angeklagten Ortner zugunsten des Pleite-Bankiers ausgesagt habe.

Doch ihm sei nun klar, fuhr der Beschwerdeführer fort, warum Schnack vor Gericht erklärt habe, Ortner sei bei Schließung des Bankhauses Bansa nicht illiquide gewesen: Schnack habe nämlich von Ortner einen fabrikneuen Ford Capri 2300 erhalten und dem Bankier dafür lediglich seinen gebrauchten Capri 1700 abgetreten.

Bergmann nannte in dem Brief zwei Zeugen, die dies bestätigen könnten. Schnack, der 1975 auf den Chef-Aufseherposten für Genossenschaftsbanken versetzt worden war, bestritt den seltsamen Capri-Tausch nicht. Aber er beteuerte, 3500 Mark für die Wertdifferenz zwischen Alt- und Neu-Capri an Ortner per Scheck und in bar gezahlt zu haben.

Quittungen besaß der Beamte nicht. Doch auch mit den Belastungszeugen war es nicht weit her: Der Beschwerdeführer selbst, der als Zeuge geladen werden sollte, blieb unauffindbar. Der Absender war getürkt.

Die beiden angeblichen Zeugen waren zwar aufzuspüren. Aber der eine erklärte, nichts zu wissen. Und auch der andere, der einst als Geschäftsführer in Ortner-Diensten gestanden hatte, bestätigte die Version des unbekannten Briefschreibers nicht. Der ehemalige Ortner-Angestellte erklärte vielmehr, Schnack habe sich keinen Vorteil verschafft.

Auch die Behauptung des Denunzianten, Schnack habe zugunsten des später zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilten Ortner vor Gericht ausgesagt, erwies sich als haltlos. Der Beamte hatte den Richtern lediglich erläutert, daß die Ortner-Bank nicht wegen akuter Zahlungsunfähigkeit geschlossen worden sei. Die Banken-Aufseher hatten die Bansa-Bank im August 1972 wegen Überschuldung und unsachgemäßer Geschäftsführung dichtgemacht.

Allerdings sehen selbst wohlmeinende Schnack-Kollegen schon die Tatsache, daß sich der Beamte überhaupt in ein Privatgeschäft mit Ortner eingelassen hatte, zumindest als schweren Stilbruch an. »Aber Stilfragen«, so ein Banken-Wächter, »sind nicht Gegenstand von Dienstverfahren.« Den Verdacht der Banken-Aufseher, hinter den Vorwürfen gegen Schnack stecke Ortner selbst, weist dieser brüsk zurück: »Ich habe keine Veranlassung, jemanden in die Pfanne zu hauen.«

Reinwaschen mag Ortner seinen angeblichen früheren Spezi Schnack allerdings auch nicht. »Ich kann mich an nichts erinnern«, behauptet Ortner, der nach vier Jahren in der Justizvollzugsanstalt Landshut nun neuen Geschäften nachgeht, »ich bin einer Gehirnwäsche unterzogen worden.«

S.132Mit dem Münchner Prälaten Josef Thalhamer 1971 bei der Einweihungeines neuen Bansa-Bankdomizils.*

Zur Ausgabe
Artikel 29 / 87
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.