Altersbezüge Renten steigen deutlich an

Gute Nachrichten für Rentner: Zum 1. Juli werden die Bezüge im Westen um 2,41 Prozent angehoben, im Osten um 3,38 Prozent. Laut Arbeitsminister Scholz sind es die größten Steigerungen seit 1994.


Berlin - Die Bezüge der Rentner in Westdeutschland steigen zum 1. Juli um 2,41 Prozent, in Ostdeutschland um 3,38 Prozent. Dies sei eine gute Nachricht für die 20 Millionen Rentner, sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz am Montag in Berlin. Die Erhöhung gilt automatisch auch für die rund 6,6 Millionen Bezieher von Hartz-IV-Leistungen. Der Regelsatz steige von 351 Euro monatlich auf 359 Euro.

Senioren am Gardasee: Kräftige Rentenerhöhung ab 1. Juli
DDP

Senioren am Gardasee: Kräftige Rentenerhöhung ab 1. Juli

Die Rentner haben damit 5,6 Milliarden Euro mehr zur Verfügung, sagte Scholz. Das hätten sie sich redlich verdient: "Denn die Rente ist keine Sozialleistung, sondern der Lohn für harte Arbeit." Mit der Erhöhung erhält ein Mann im Westen mit einer Standardrente von knapp 1200 Euro knapp 29 Euro im Monat zusätzlich. Die Steigerung trifft zeitlich zusammen mit den Entlastungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung zum 1. Juli durch das zweite Konjunkturpaket. Wie für die Arbeitnehmer sinken dabei auch für die Rentner die Kassenbeiträge um 0,3 Prozent.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erfreut über die Rentenerhöhung. Sie sagte, diese werde zusammen mit der Steigerung der Hartz-IV-Bezüge die Nachfrage stärken. Angesichts der niedrigen Inflationsrate führten die Erhöhungen zu einem echten "Netto-Zugewinn" für Rentner. Mit dem Kaufkraftzugewinn in Zeiten der Wirtschaftskrise könnten sie an der Einkommenssteigerung teilnehmen, sagte Merkel. "Wir helfen, die Wirkungen der Krise zu überwinden."

Im vergangenen Jahr lag das Rentenplus nur bei 1,1 Prozent. In den Jahren davor hatte es lediglich Nullrunden oder Erhöhungen gegeben, die deutlich unter der Inflationsrate lagen.

Hintergrund für die starke Anhebung in diesem Jahr ist ein Koalitionsbeschluss, die Renten 2008 und 2009 stärker zu erhöhen, als dies nach alter Rechtslage möglich gewesen wäre. Dazu wurde der sogenannte Riester-Faktor in der Rentenformel ausgesetzt, der die Erhöhung dämpfen würde. Die ausgesetzten Stufen der "Riestertreppe" sollen 2012 und 2013 nachgeholt werden.

Laut Arbeitsminister Scholz sind die Renten im Westen seit 1994 und im Osten seit 1997 nicht mehr so stark gestiegen wie in diesem Jahr. "Die Rentenerhöhung mitten in der Krise zeigt, dass auf unseren Sozialstaat Verlass ist", sagte der Minister. Aus den USA kämen Nachrichten, dass Milliarden aus den Pensionsfonds verlorengegangen seien. Viele müssten dort nun länger arbeiten oder erhebliche Abstriche bei ihrem Lebensstandard machen. "Wir hingegen können den Rentnerinnen und Rentnern in Deutschland heute sagen: Sie nehmen an der Entwicklung des Wohlstands teil."

In den kommenden Jahren können die Rentner dagegen nur noch mit minimalen Erhöhungen rechnen. Das hatte die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, bereits letzte Woche gesagt. Wegen der zahlreichen Kürzungsfaktoren drohten den Rentnern ab 2010 "viele Jahre der Mini-Erhöhungen oder Nullrunden".

cte/Reuters/dpa/AP/AFP/ddp



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