Altersvorsorge Allianz prüft Zwang zur Privatrente

Weil die Nachfrage nicht in Gang kommt, fürchtet die Allianz, dass die Riester-Rente scheitert. Offenbar will der Versicherer mittels einer politischen Kampagne eine Reform der Reform fordern - und möglicherweise eine Pflicht zur Privatvorsorge.


Allianz-Zentrale in München: Der Gesamtmarktführer liegt auch bei der Riester-Rente vorn, ist aber unzufrieden
DDP

Allianz-Zentrale in München: Der Gesamtmarktführer liegt auch bei der Riester-Rente vorn, ist aber unzufrieden

München - Der Versicherungskonzern werde voraussichtlich eine politische Initiative starten, um das Riester-Reformwerk zu ändern, das erst seit Jahresanfang gilt. Dies berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Allianz-Vorstand Joachim Faber. Bisher sei die Bereitschaft der Bürger, einen Riester-Vertrag abzuschließen, wesentlich geringer als erhofft, zitiert ihn das Blatt.

Detaillierte Vorschläge wolle der Finanzkonzern in den nächsten Wochen vorlegen. Sie würden zurzeit von Managern des Versicherers, der Konzerntochter Dresdner Bank und des Asset Managements ausgearbeitet. Die Allianz prüfe dabei auch, ob sie dafür eintreten soll, das freiwillige System durch eine verpflichtende zusätzliche Altersvorsorge zu ersetzen.

Bürokratisch und unübersichtlich

Im Konzern, so wird Faber weiter zitiert, sei man "nicht sicher, ob das System in seiner gegenwärtigen Form überhaupt funktionieren kann". Die Riester-Reform sei in Schritt nach vorne und im internationalen Vergleich einzigartig, aber: "Riester hat viele Fehler." Der bürokratische Aufwand sei hoch, das System unübersichtlich. Es sei zwar prinzipiell richtig, staatliche Zulagen zu zahlen, anstatt für Bürger, die privat vorsorgen, Steuererleichterungen zu gewähren. Denn Letzteres würde das Steuersystem unnötig kompliziert machen. Das Zulagen-System führe aber zu einem "gigantischen Aufwand".

Rund 31 Millionen Arbeitnehmer und ihre Ehepartner haben ein Recht auf die staatlichen Zuschüsse zur Riester-Rente, bisher sind aber nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft lediglich zwei Millionen Verträge abgeschlossen worden. Der Löwenanteil entfällt auf die Allianz, die bisher 450.000 Riester-Produkte verkauft hat. Dieses Volumen ist laut Faber dennoch enttäuschend.

Allianz-Strategie steht infrage

Ein Scheitern der Riester-Rente hätte weitreichende Folgen für die Allianz, kommentier die "FTD". Vorstandschef Henning Schulte-Noelle hatte 2001 die milliardenschwere Übernahme der Dresdner Bank mit den Änderungen im Rentensystem hin zur privaten Vorsorge begründet. Werde die Riester-Rente ein Flop, sehe es düster aus für die Ertragserwartungen aus der Übernahme.

Ins Geschäftsjahr 2002 ist der Allianz-Konzern jedoch mit einem Ertragssprung gestartet. Das Ergebnis vor Steuern und Goodwill-Abschreibungen sei im ersten Quartal um 70 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gestiegen, teilte die Allianz mit. Mit diesen Zuwächsen lag die Allianz am oberen Rand der Analystenerwartungen. Mit einem Kurs von 259,60 Euro lag die Allianz-Aktie gegen 10 Uhr nur knapp unter dem Vortagesschluss, während der Dax rund 0,6 Prozent verlor. Der Gewinn nach Steuern stieg in den ersten drei Monaten auf 1,9 Milliarden Euro, nach 705 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Ärger im Bankgeschäft

Allerdings erkläre sich der Gewinnzuwachs maßgeblich aus Verkäufen von Beteiligungen, die Teil der Integration der Dresdner und des Konzernumbaus seien, teilte der Konzern mit. Verkauft worden seien vor allem Aktien der Münchener Rück und der 16-prozentige Anteil an der HypoVereinsbank. Belastet wird das Ergebnis durch einen Verlust von 126 Millionen Euro bei der neuen Tochter Dresdner Bank. Im Versicherungsgeschäft stiegen die Beitragseinnahmen dagegen um 10,6 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro.

An den Prognosen für das Gesamtjahr hielt die Allianz fest. Demnach erwartet sie für 2002 einen Jahresüberschuss von gut drei Milliarden Euro, nach 1,6 Milliarden im Jahr 2001. Bei den Beitragseinnahmen prognostiziert der Finanzkonzern weiter einen Anstieg um gut vier Prozent gegenüber den Vorjahreseinnahmen von 75,1 Milliarden Euro.



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