Altersvorsorge Der trügerische Hype um Renten- und Lebensversicherungen

Lebens- oder Rentenversicherungen sind nach wie vor die häufigste Form der Altersvorsorge in Deutschland. Die beste Wahl sind sie deshalb aber noch lange nicht: Die Renditen sind mager und die Verträge ausgesprochen unflexibel.


Berlin - Kapitalbildende Versicherungen wie Lebens- und Rentenversicherungen sind für viele Deutsche die erste Wahl bei der Altersvorsorge. Statistisch gesehen hat jeder Deutsche eine solche Police - vom Baby bis zum Greis. Allerdings sind Versicherungen oft nicht die beste Lösung für eine rentable und lukrative Altersvorsorge.

Seniorenpaar beim Spaziergang: Bei weniger als 12 Jahren Laufzeit muss Gewinn voll versteuert werden
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Seniorenpaar beim Spaziergang: Bei weniger als 12 Jahren Laufzeit muss Gewinn voll versteuert werden

Die Renditen sind in vielen Fällen mager und die Vorsorge per Versicherung ist unflexibel. Zudem werden die Verträge oft nicht durchgehalten: Jeder zweite Vertrag wird vorzeitig gekündigt - mit teilweise horrenden Verlusten für die Sparer. Alles das spricht gegen die Vorsorge mit einer privaten Renten- oder Lebensversicherung.

Dazu kommt, dass die Steuervorteile für dieses Versicherungsmodell für Neuverträge ab Januar 2005 stark zusammengestrichen wurden. Konnte früher die gesamte Auszahlung steuerfrei eingesteckt werden, sind es jetzt im besten Fall noch 50 Prozent, die bei einer Auszahlung der angesparten Summe steuerfrei an den Versicherungssparer fließen. Laufen die Verträge weniger als zwölf Jahre und erfolgt die Auszahlung vor dem 60. Lebensjahr, muss sogar der volle Gewinn versteuert werden. Auch von einer monatlichen Rente müssen die Sparer einen Teil abgeben, der sich nach dem Alter bei Rentenbeginn richtet.

Zudem ist die früher vor allem für Selbstständige interessante Möglichkeit, die Beiträge steuerlich geltend zu machen, für Neuverträge nicht mehr relevant. Konnten Selbstständige früher die Beiträge nämlich bis zu einer Summe von rund 5000 Euro (Verheiratete bis rund 10.l000 Euro) absetzen, so sind es jetzt maximal noch 2400 Euro.

Schonfrist bei alten Versicherungen

Nur bei alten Versicherungen gibt es noch eine Schonfrist: Bis zum Jahre 2019 prüft das Finanzamt automatisch im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung, ob die alte Regelung des Jahres 2004 vorteilhafter ist und berücksichtigt dann den günstigeren Betrag. Bei neuen Versicherungen gilt dagegen: Die absetzbaren 2400 Euro werden in aller Regel schon durch die Krankenversicherungsbeiträge aufgezehrt, so dass für die Kapitalversicherungen kein Geld mehr übrig bleibt.

Etwas besser in der Bewertung kommen Kapitalversicherungen weg, die als private Rentenversicherung die Erfordernisse der Rürup-Rente erfüllen. Das Rürup-Modell sieht im Alter wie die gesetzliche Rente eine regelmäßige und lebenslange Leibrente vor. Gleichzeitig locken die Rürup-Versicherungen mit Steuervorteilen in der Ansparphase: Teile der Beiträge können steuermindernd abgesetzt werden.

Dafür hat die Rürup-Rente allerdings auch ein paar zumindest mittelgroße Haken wie zum Beispiel die strikten Einschränkungen: Sie darf nicht kapitalisierbar, nicht vererbbar, nicht veräußerbar und nicht verleihbar sein, das heißt, der Sparer ist nicht mehr Herr über sein Geld.

Britische Lebensversicherungen gelten als das Musterbeispiel erfolgreicher Versicherungs-Geldanlagen. Die Renditeerwartungen liegen viel höher als die der deutschen Lebensversicherer: Bis zu zwölf Prozent jährlich werden in der Regel versprochen, weil die Kundengelder stärker als in Deutschland an der Börse investiert werden. Solche Versprechen macht kein deutscher Lebensversicherer. Doch ob die hohen Renditen wirklich erreicht werden, garantiert niemand.

Wer sich für die britischen Policen wegen der hohen Rendite interessiert, sollte deshalb erst einmal die Alternativen prüfen. So besteht auch in Deutschland die Möglichkeit, fondsgebundene Versicherungen abzuschließen, die dann ebenfalls stärker börsenorientiert investieren. Besonders interessant sind Policen nach dem Riester-Modell: Bei diesen fondsgebundenen Versicherungslösungen bekommen die Sparer die Garantie, dass am Ende der Laufzeit die eingezahlten Beiträge und die Zulagen vom Staat auf jeden Fall ausgezahlt werden. Das sichert zwar noch keine Top-Rendite, aber zumindest eine Kapitalgarantie mit kleiner Rendite.

Oliver Mest, ddp



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