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BANKEN Am liebsten bündeln

Funf im Bundesbesitz stehende Spezialbanken sollen vereint werden. Ämterpatronage und Ressortegoismus hemmen die Fusion.
aus DER SPIEGEL 43/1977

Hermann Müller, Vorstandssprecher der von Bonn beherrschten Kreditanstalt für Wiederaufbau, wischt diskrete Fusionsofferten gleich vom Tisch: »Wir sind so beschäftigt, daß wir nicht noch mehr Aufgaben brauchen.«

Staatsbankier Wolfram Langer, Präsident der gleichfalls vorn Bund regierten Deutschen Pfandbriefanstalt, jedoch setzt 50 Flaschen Champagner dagegen, »daß die Fusion schon bald über die Bühne geht«.

Die Rede ist von fünf staatlichen Banken, die einst jeweils für einen besonderen Zweck gegründet worden waren, die sich inzwischen aber heftig Konkurrenz im Kreditgeschäft bereiten. Schon Bundesbank-Vizepräsident Karl Otto Pöhl hatte die fünf, als er noch Finanzstaatssekretär war, in zwei Blöcke sortieren wollen:

>Die für Vertriebene und Kriegsgeschädigte eingerichtete Lastenausgleichsbank (LAB) und die von Bonner Grünen Plänen lebende Deutsche Siedlungs- und Landesrentenbank (DSLB) sollten der mächtigen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zugeschlagen werden.

* Die in der Baufinanzierung engagierten Deutsche Bau- und Bodenbank (Baubo) und die Deutsche Pfandbriefanstalt (Depfa) sowie die Deutsche Girozentrale, das Spitzeninstitut der Sparkassen, sollten vereinigt werden.

Pöhls Plan aber, der eine Bilanzsumme von heute 103 Milliarden Mark (Bilanzsumme der Deutschen Bank: 105 Milliarden) zusammengebracht hätte. scheiterte an Bonner Ressortegoismen und einsetzender Bauflaute.

So sperrten sieh die Freidemokraten Hans-Dietrich Genscher, damals Innenminister, und Landwirtschaftsminister Josef Ertl, ihre Ressortbanken LAB und DSLB in die vom Finanzministerium gesteuerte Kreditanstalt für Wiederaufbau zu bringen. Und die Deutsche Girozentrale »trat von der Bahnsteigkante zurück« (Helmut Geiger, Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes), als der Bauboom 1973 jäh zusammenbrach und Bonns Baubo mit in die Tiefe riß.

Jetzt, vier Jahre später, soll der damalige Fusionshemmer, die Bau- und Bodenbank, umgekehrt als Fusionsgrund dienen. Denn inzwischen mußte Bonn der maladen Baubank 175 Millionen Mark Kapital nachspritzen. Die Bank nämlich war durch einschlägige Pleiten -- Steglitzer Kreisel, Ku'damm-Karree, Mosch, Bremer Treuhand --- in arge Schieflage geraten.

Allein bis Ende 1976 machten die Bilanzprüfer der staatseigenen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Treuarbeit notleidende Kredite der Baubo in der Rekordhöhe von 1,4 Milliarden Mark aus -- gut ein Drittel sämtlicher Ausleihungen.

Bonn hatte deshalb schon vor gut einem halben Jahr durch den Finanzausschuß des Bundestages ein Kabinettspapier zur Bankenfusion angefordert, über das sich Kanzler und Minister noch diesen Monat einigen wollen.

Von dem Papier und dem groß angekündigten »Perspektivplan« blieb bislang allerdings nur der Vorsatz, die Bau- und Bodenbank der Deutschen Pfandbriefanstalt »anzulehnen« und einen Zusammenschluß der Lastenausgleichs- und der Siedlungsbank zunächst zu prüfen. Eine solche Mini-Lösung jedoch hält zumindest der einstige Juso-Chef Wolfgang Roth für »allemal Käse«.

Roth und seine Parteiführung hatten mit den zusammengefügten Staatsbanken Großes vor. Laut Vorstandsantrag zum Hamburger SPD-Parteitag im November nämlich sollten die staatlichen Institute dazu verpflichtet werden, »bei der Verwirklichung der wirtschafts- und beschäftigungspolitischen Zielsetzungen« mitzuwirken, was -- nur schwach getarnt -- auf eine Investitionslenkung hinausliefe. Um das zu erreichen, wollte die Roth-Gruppe »am liebsten alle fünf Banken bündeln«.

Vor dieses Ziel aber haben die Parteien zunächst einmal die Ämterpatronage gelegt. Denn bei jeder Fusion. ob Roths Einheitsbank, Pöhls zwei Blöcke oder die von der Regierung angesteuer te Dreierlösung (siehe Graphik), gehen für altgediente Parteifunktionäre komfortable Arbeitsplätze verloren.

Vor allem die Freidemokraten hatten sich darin hervorgetan, abgehalfterte Staatssekretäre in die Vorstände der bundeseigenen Banken zu schieben. So profitierte Anfang 1973 Bauern-Staatssekretär Hans Dieter Griesau von der Fürsorge seines Duz-Freundes Ertl. Obwohl der Bundesrechnungshof eine Reduzierung des Vorstands der Ertleigenen Siedlungs- und Rentenbank gefordert hatte, hob der FDP-Minister den einstigen Agrar-Lobbyisten auf den lukrativen Chefsessel.

Ein Jahr später schanzte der damalige Innenminister Hans-Dietrich Genscher seinem ausrangierten FDP-Staatssekretär Wolfgang Rutschke den Spitzenposten bei der hauseigenen Lastenausgleichsbank zu. Im gleichen Jahr noch avancierte der frühere FDP-Finanzminister von Baden-Württem berg, Hermann Müller, auf den begehrtesten Stuhl in Bonns Banken. Er wurde Vorstandssprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Frankfurt.

Auch die Sozialdemokraten standen der Pfründen-Praxis ihres Koalitionspartners nicht viel nach. Noch ehe Karl Otto Pöhl im Bonner Finanzministerium an seinen eigenen Banken-Fusionsmodellen zu basteln begann, wechselte sein Kollege Louis Storck, früher Oberstadtdirektor von Hameln, noch schnell aus dem Wohnungsbau-Ministerium in die vorher von ihm kontrollierte Bau- und Bodenbank.

Vergangenen Mittwoch. am Abend, einigten sich die Abgesandten der Kabinetts-Ressorts Finanzen, Landwirtschaft, Wohnungsbau, Innen und Wirtschaft, wenigstens die defizitäre Bau- und Bodenbank zu einem stärkeren Partner hinüberzuschieben -- vermutlich zur Deutschen Pfandbriefanstalt.

Dort dürfen sich dann zwei einstige Bonner Staatssekretäre um die besten Sessel balgen: Sozialdemokrat Storck aus dem Wohnungsbauministerium und CDU-Mann Langer, einst Staatssekretär beim Wirtschaftsminister Kurt Schmücker.

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