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Der Amazon-Chef und US-Präsident Trump Die Affäre Bezos

Die Scheidung von Jeff und MacKenzie Bezos war die teuerste der Geschichte - und doch nur ein weiteres Kapitel in der Auseinandersetzung zwischen dem reichsten und dem mächtigsten Mann der Welt.
aus SPIEGEL Chronik 1/2019
Donald Trump, Microsoft-Chef Satya Nadella und Amazon-Gründer Jeff Bezos

Donald Trump, Microsoft-Chef Satya Nadella und Amazon-Gründer Jeff Bezos

Foto: Copyright 2017 The Associated Press. All rights reserved.

Das Jahr 2019 beginnt nicht gut für Jeff Bezos. Am 7. Januar erhält der Gründer und Chef des Amazon-Konzerns eine E-Mail von Dylan Howard, Chef des Medienverlags American Media (AMI), in der Dutzende unangenehme Fragen stehen zu seiner Affäre mit der ehemaligen Fernsehmoderatorin Lauren Sanchez, die zu diesem Zeitpunkt noch geheim ist. Reporter des "National Enquirer", eines Boulevardblatts, das zu AMI gehört, haben Bezos und Sanchez, beide verheiratet, offenbar über Monate verfolgt, fotografiert, ausspioniert.

Zwei Tage später, am 9. Januar, verkündet Bezos auf Twitter, dass er und seine Frau, die Schriftstellerin MacKenzie Bezos, sich scheiden lassen werden, nach 25 Jahren Ehe, um "unsere gemeinsamen Lebenswege als Freunde fortzusetzen". Mit dieser Bekanntmachung kommt der CEO nur knapp dem "Enquirer" zuvor, der ein paar Stunden später mit der Publikation von reißerischen Berichten über das außereheliche Liebesleben Bezos' beginnt. Es gibt Fotos des Paares, es gibt intime Textnachrichten, es ist die Rede von anzüglichen Selfies. Gedruckt füllt der Schmutz schließlich elf Seiten des Blattes.

Das alles hätte eine bedeutungslose Gossengeschichte bleiben können, die schnell in Vergessenheit gerät. Doch der Skandal zieht bald die denkbar größten Kreise. Es geht nicht nur um gestohlene Textnachrichten und ein sogenanntes Dick Pic, sondern auch um versuchte Erpressung, um die mögliche Beteiligung ausländischer Regierungen, um die undurchsichtigen Machenschaften eines Trump-freundlichen Verlegers, um einen schillernden Privatermittler, um Donald Trump selbst, der sich per Twitter einschaltet, sogar um einen Zusammenhang mit dem Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Besondere Wucht entfaltet das Schmierenstück auch wegen seiner ungewöhnlichen, eigentlich ungeeigneten Hauptdarsteller. Die Boulevardpresse, die hier als Aufwiegler auftritt, hat in den USA, anders als etwa in Deutschland, kaum noch Bedeutung und nicht die Kraft, nationale Themen anzustoßen. Niemand nimmt ihre Produkte ernst, nicht einmal sie selbst. Jeff Bezos wiederum, der sich am liebsten mit Fragen der Weltraumbesiedlung beschäftigt, ist ein unnahbarer Tech-Gigant ohne nennenswerte Berührungspunkte mit der Öffentlichkeit, eine Figur jedenfalls, die in der Gerüchteküche der Buntpresse zuvor kaum eine Rolle spielte. Ein Klatschblatt nimmt sich einen allem Irdischen entrückten Topmanager vor. Warum?

Ex-Moderatorin Sanchez, Amazon-Gründer Bezos: Erpressungsversuch mit intimen Fotos
Ex-Moderatorin Sanchez, Amazon-Gründer Bezos: Erpressungsversuch mit intimen Fotos Foto: ADRIAN DENNIS / AP

Der Reihe nach.

Ein knappes Jahr zuvor, im April 2018, war noch alles in Ordnung für Jeff und McKenzie Bezos, oder es sah zumindest so aus. Im Axel-Springer-Verlag in Berlin gab es eine der raren Gelegenheiten, Bezos, der selten auftritt und so gut wie nie Interviews gibt, von Nahem zu sehen. Er hatte sich dazu bewegen lassen, einen von Springer verliehenen Preis anzunehmen, und musste dafür persönlich erscheinen. Das Paar war gemeinsam angereist und stand nun im Fotografengewitter in der Lobby, sie im eleganten blauen Kleid, er im schlichten dunklen Anzug. Später am selben Abend sagte Microsoft-Gründer Bill Gates in einem per Video eingespielten Grußwort, dass "die Welt ein besserer Ort geworden" sei dank Jeff Bezos. Draußen vor den Fenstern demonstrierten mehrere Hundert Beschäftigte von Amazon und waren anderer Meinung.

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