»Missbrauch der Marktmacht« Italien verhängt Milliardenstrafe gegen Amazon

Amazon soll auf seiner italienischen Plattform Händler bevorzugt haben, die auch weitere Dienstleistungen des Konzerns nutzen. Das kommt das Unternehmen nun teuer zu stehen – und das nicht zum ersten Mal.
Amazon-Logo an einem Sortierzentrum in Brandenburg (Archivfoto)

Amazon-Logo an einem Sortierzentrum in Brandenburg (Archivfoto)

Foto: Soeren Stache / dpa

Italiens Kartellbehörde hat eine Strafe von mehr als 1,1 Milliarden Euro gegen Amazon wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung im Internetversandhandel verhängt. Der US-Konzern habe mit seiner starken Versandlogistik konkurrierenden Unternehmen geschadet, erklärten die italienischen Wettbewerbshüter.

Konkret moniert die Behörde, dass Amazon auf der Plattform Amazon.it solche Verkäufer bevorzugt, die die konzerneigene Versandlogistik nutzen. Andere Anbieter, die diesen Service nicht nutzen, werden demnach benachteiligt, etwa durch eine schlechtere Sichtbarkeit auf der Seite.

Eine Amazon-Sprecherin betonte, dass das Unternehmen die Vorwürfe der Behörde für »ungerechtfertigt und völlig überzogen« hält, der Konzern werde gegen die Entscheidung vorgehen. Der Erfolg der kleinen Händler, die Amazon lediglich als Angebotsplattform nutzen, seien für Amazons Geschäftsmodell zentral, die Versandabwicklung über Amazon sei lediglich eine von mehreren möglichen Optionen und man unterstütze auch jene Händler, die ihre Waren selbst versenden. Auf mögliche Unterschiede für diese Händler, wie sie die Kartellbehörde kritisiert, geht das Unternehmen in dem Statement nicht ein.

Erst im November hatte Italiens Kartellbehörde Strafen in Höhe von insgesamt rund 200 Millionen Euro gegen Amazon und Apple wegen Absprachen beim Verkauf von Apple- und Beats-Produkten verhängt. Amazon soll 68,7 Millionen Euro zahlen.

Nach Angaben der italienischen Wettbewerbshüter hatten die beiden US-Unternehmen im Herbst 2018 vereinbart, dass in Italien nur Amazon sowie einige ausgesuchte Händler Produkte von Apple und Beats verkaufen dürfen. Der Audiotechnikhersteller Beats gehört seit 2014 zu Apple.

Anmerkung: Das Statement von Amazon wurde in diesem Artikel am 10. Dezember ergänzt.

mamk/AFP
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