Ampel-Plan für mehr Investitionen Geplante Superabschreibungen reißen Milliarden-Loch in Bundeshaushalt

Mit Superabschreibungen will Rot-Grün-Gelb Firmen zu mehr Investitionen bewegen. Doch die geplanten Änderungen bei den Regelungen könnten den Bund nach Berechnungen des DIW 40 Milliarden Euro kosten – pro Jahr.
Wollen auf verkürzte Abschreibungsfristen setzen: Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock, Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und der FDP-Vorsitzende Christian Lindner

Wollen auf verkürzte Abschreibungsfristen setzen: Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock, Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und der FDP-Vorsitzende Christian Lindner

Foto: CLEMENS BILAN / epa

Sie sollen einen Eckstein bilden der großen Investitionsoffensive, die die Ampelpartner entfesseln wollen, doch die geplanten Superabschreibungen für Unternehmen werden laut dem Forschungsinstitut DIW auch tiefe Spuren im Bundeshaushalt hinterlassen.

Sollte die Abschreibungsdauer bei Investitionen von zehn auf vier Jahre verkürzt werden, würde das staatliche Defizit pro Jahr um bis zu 40 Milliarden Euro höher ausfallen. Das teilte das DIW am Donnerstag in Berlin mit. Zusammen mit höheren Steuern für Firmen könnte das Manöver eher gelingen.

SPD, Grüne und FDP verhandeln momentan über die erste Ampelkoalition im Bund. Im Sondierungspapier der drei Partner sind die vor allem von der FDP favorisierten Superabschreibungen enthalten. So sollen private Investitionen in Digitalisierung und Klimaschutz angeschoben werden. Gleichzeitig sind Steuererhöhungen aber ausgeschlossen, ebenfalls eine Forderung der Liberalen.

Langfristig eine lohnende Strategie

Laut DIW würden private Investitionen sofort um mehr als fünf Prozent anziehen. Das höhere Investitionsniveau werde vermutlich aber auch langfristig durchgehalten – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft. Das Produktionspotenzial würde kurzfristig um 0,8 Prozent steigen, langfristig sogar um fast drei Prozent. Für den Staat würde sich das aber erst mit Verzögerung rechnen. Über die vier Jahre Amtszeit der Ampelregierung wäre die Maßnahme für den Staat defizitär. Langfristig würden sich die Belastungen in Grenzen halten.

Sollte die Regierung kein höheres Defizit in Folge der neuen Abschreibungsmöglichkeiten in Kauf nehmen wollen, empfiehlt das DIW moderat steigende Sätze bei der Körperschaft- und Gewerbesteuer. »Dabei darf sie den Bogen allerdings nicht überspannen.« Sonst werde der positive Effekt auf die Wirtschaft zu klein ausfallen.

beb/Reuters
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