SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

24. Juli 2000, 09:58 Uhr

Analysten

Telekom kauft zu teuer ein

New York/Frankfurt am Main - Analysten bewerteten den geplanten Kauf der amerikanischen VoiceStream für 50,6 Milliarden Dollar als teuer. Der Bonner Konzern habe keine glückliche Hand bei Zukäufen. Obgleich die Telekom sehr hohe Summen für kleine Mobilfunkunternehmen biete, stehe sie am Ende regelmäßig mit leeren Händen da.

Analysten verwiesen weiter darauf, dass nach dem Kaufpreis jeder der etwa drei Millionen VoiceStream-Kunden rund 35.000 Mark wert sei. Dies sei deutlich mehr als das, was zuletzt für Übernahmen in der Branche gezahlt worden sei.

Als "gar nicht so schlecht" beurteilte ein anderer Analyst in der Londoner City das Angebot der Deutschen Telekom für das Mobilfunk-Untenehmen VoiceStream. Dennoch sei der Preis "sehr hoch", sagte der Experte.

VoiceStream sei eine der letzten unabhängigen Mobilfunkfirmen in den USA und würde der Telekom eine solide Basis für einen Einstieg in den weltgrößten Telefonmarkt bieten. Das Unternehmen verfüge über ein digitales Netz, das die gesamten USA abdecke. Da das Geschäft mit Mobiltelefonen in Amerika noch "in den Kinderschuhen stecke", sei das Wachstumspotenzial enorm. Was Internet-Dienste über Mobilfunk angehe, könne VoiceStream nach Angaben von Experten schon sehr bald eine sehr starke Stellung haben. Die meisten US-Unternehmen arbeiteten noch mit analogen Netzen.

Allerdings sei es wegen der Haltung des US-Senats zunehmend fraglich, ob die Bonner überhaupt eine erfolgreiche Übernahme in den USA durchführen könnten. Der Senat sieht die Telekom, die zu 58 Prozent in Staatsbesitz ist, als staatliches Unternehmen. Insbesondere ausländische Anleger dürften sich vor diesem Hintergrund zurückgezogen und in Telekommunikationsunternehmen umgeschichtet haben, denen der Eintritt in den US-Markt bereits gelungen sei, vermutete ein Teilnehmer.

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung