Anfällige Regionaljets Im Winter hakt die Landeklappe

Nach einer Serie von Pannen hat die Luftaufsicht detaillierte Sicherheitsregeln für ältere Regionaljets von Bombardier erlassen. Vor allem bei niedrigen Temperaturen kam es immer wieder vor, dass Landeklappen versagten. Auch die Lufthansa-Tochter Cityline setzt Maschinen eines betroffenen Typs ein.

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Hamburg – Die neuen Sicherheitsbestimmungen gelten für Maschinen der älteren Bombardier Chart zeigen-Baureihen CRJ 100, CRJ 200 und CRJ 440 – sie gehören zu den weltweit beliebtesten Regionaljets. Flugzeuge dieser Art hätten aber eine "Geschichte von Landeklappenversagen", schreibt die kanadische Luftaufsicht in einer sogenannten Lufttüchtigskeitsanweisung vom 18. Juli, die Regeln für den künftigen Einsatz der Maschinen vorgibt.

CRJ-Regionaljet: Hunderte "Klappenereignisse" in Nordamerika registriert
Lufthansa

CRJ-Regionaljet: Hunderte "Klappenereignisse" in Nordamerika registriert

Die europäische Luftaufsicht EASA hat die kanadischen Bestimmungen ohne Änderungen übernommen – sie gelten dementsprechend auch für alle EU-Luftfahrtgesellschaften, die die Maschinen betreiben.

In Pilotenkreisen sind Probleme mit den Landeklappen (flaps) der CRJ-Flieger seit Jahren bekannt. Auf Diskussionsseiten wie dem "Professi onal Pilots Rumour Network" oder "Airliners.net" berichten Teilnehmer, dass die Klappen im Winter einfrieren können. Vielfach würden die Klappen automatisch blockiert, sie ließen sich dann nicht mehr bewegen. Die Blockade lasse sich oft erst nach der Landung lösen. Auch ein deutscher Teilnehmer berichtet von derartigen Pannen.

Ein Lufthansa Chart zeigen-Pilot, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte allerdings auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE, er selbst habe noch keine Probleme mit den Klappen erlebt. Der Pilot hat mehr als 10.000 Flugstunden absolviert und fliegt CRJ-Maschinen.

Von den Aufsichtsbehörden wurden die Klappenblockaden bisher als Ärgernis gesehen, nicht aber als ernsthaftes Sicherheitsrisiko. Das änderte sich im November vergangenen Jahres. Damals musste ein CRJ 200ER-Jet von Air Canada Jazz den Landeanflug auf den Prince-George-Flughafen wegen schlechten Wetters abbrechen. Die Landeklappen, bereits im 45-Grad-Winkel ausgefahren, ließen sich nicht mehr in die Nullposition zurückstellen.

Beim Weiterflug verbrauchte die Maschine wegen des zusätzlichen Luftwiderstandes besonders viel Treibstoff. Als sie endlich auf einem Ausweichflughafen landen konnte, reichte das Kerosin im Tank nur noch für gut 15 Minuten Flug auf Reiseflughöhe. Bisher ist es zu keinen weiteren ernsten Zwischenfällen aufgrund der Klappenblockaden gekommen.

Durch die Klappenprobleme kann es aber auch bei der Landung zu Risiken kommen. Steckt der "flap" in der Nullposition fest, so dass er sich nicht zum Bremsen ausfahren lässt, ist die Geschwindigkeit der landenden Maschine um rund 30 Prozent höher als normal. Dementsprechend benötigen die Jets mehr Rollbahnfläche, bis sie zum Stehen kommen.

Lufthansa: Zuletzt "keine signifikanten Probleme mehr"

Die Bombardier-Regionaljets sind bei Airlines äußerst populär - im Marktsegment für 40 bis 50 Sitze gab es lange keine wirkliche Alternative zu den kanadischen Fabrikaten. Allein in den USA gelten die neuen Sicherheitsregeln für fast 700 Maschinen. Neuere CRJ-Baureihen sind von den jetzt erlassenen Sicherheitsregeln nicht tangiert.

Die betroffenen CRJ-200-Maschinen wurden bis 2006 hergestellt. Wie oft es bei ihnen bisher zu Problemen mit den Landeklappen kam, ist schwer zu quantifizieren - denn ein Klappenausfall gilt etwa nach kanadischem Reglement nicht als meldepflichtig. In einer gemeinsamen Datenbank der kanadischen und der US-amerikanischen Aufsichtsstellen sind aber allein im vergangenen Jahr 381 "Klappenereignisse" bei Jets der CRJ-Reihe registriert worden.

Die Lufthansa gehört zu den wichtigsten Kunden der Bombardier-Regionaljets und betreibt bei ihrer Tochter Cityline nach eigenen Angaben derzeit noch 25 Maschinen des Typs CRJ 200. Mit den Klappen habe es "in den letzten Jahren keine signifikanten Probleme mehr gegeben", sagte eine Sprecherin. Man habe die Technik "optimiert und verbessert" und auch die neuen Sicherheitsregeln bereits umgesetzt, ohne dass es Auswirkungen auf den Flugverkehr gebe. Von der Luftaufsicht und Herstellern kämen "unglaublich viele Warnungen", deren Ausführung meist Routinesache sei - so auch in diesem Fall.

"Die Sicherheit der Fluggäste ist nicht gefährdet", sagte Alec McRitchie, Sprecher von Bombardier Aerospace, zu SPIEGEL ONLINE. Der Vorfall im November, bei dem der Air-Canada-Jazz-Maschine beinahe der Treibstoff ausging, sei auf eine "sehr ungewöhnliche Verkettung von Umständen" zurückzuführen. Probleme träten vor allem bei sehr kaltem Wetter auf. Bombardier habe mehrfach freiwillig Sicherheitsbulletins an Käufer der Jets verschickt. Man überarbeite betreffende Bauteile und wolle das im Winter abgeschlossen haben.

Sicherheitsregeln für Wartung und Flugbetrieb

Die neuen Sicherheitsregeln der Flugaufsicht sind sehr detailliert – die "Lufttüchtigskeitsanweisung" füllt vier DIN-A4-Seiten. Den Betreiberfluglinien wird unter anderem vorgeschrieben, problematische Bauteile zu testen, zu warten, und die Crew in Schulungen auf mögliche Fehlerquellen und Szenarien hinzuweisen.

Eher ungewöhnlich ist, dass die Luftaufsicht auch Bestimmungen für den Betrieb der Maschinen definiert. So wird den Fluggesellschaften vorgeschrieben, ausreichende Mengen Treibstoff mitzuführen, damit sie auch bei einem Klappenproblem einen Ausweichflughafen erreichen können. Vor allem für den Einsatz der Maschinen in den kalten Monaten von Dezember bis März werden Regeln vorgegeben. Bei winterlichen Bedingungen sollen Flüge mit den Maschinen nur in Reiseflughöhen durchgeführt werden, in denen es wärmer als 60 Grad minus ist.

Die Flugaufsicht schreibt in ihrer Anweisung, durch die neuen Regeln sollten "die Risiken verringert" werden - so lange, bis für das seit Jahren bekannte Problem eine dauerhafte Lösung gefunden ist.



insgesamt 14 Beiträge
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DELAN, 03.09.2007
1. Da klemmt's
Zitat von sysopNach einer Serie von Pannen hat die Luftaufsicht detaillierte Sicherheitsregeln für ältere Regionaljets von Bombardier erlassen. Vor allem bei kalten Temperaturen kam es immer wieder vor, dass Landeklappen versagten. Auch die Lufthansa-Tochter Cityline setzt Maschinen eines betroffenen Typs ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,502747,00.html
Na Klasse! Wenn beim fahrbaren Untersatz namens PKW auch nur der Hauch einer möglichen Gefahr für Leib und Leben besteht, gibt es Massen-Rückrufe der Hersteller. Landeklappen-Fehler hingegen sind nicht einmal meldepflichtig? Da die Landeklappen nicht nur zusätzlichen, nötigen Auftrieb bei langsameren Geschwindigkeiten erzeugen, sondern auch als "sekundärer" Bestandteil eines Bremssystems an Flugzeugen anzusehen sind, halte ich das für unverantwortlich. Das bestätigt allerdings meine Auffassung, dass der heutige High-Tech-Luftverkehr zuviel Reputation hinsichtlich Zuverlässigkeit und Unfallsicherheit genießt. Selbst wenn einer der Vögel abschmiert, wird das selten in Frage gestellt. Für solche Fälle hat man zur Not das "menschliche Versagen" im Repertoire.
Flightkit, 03.09.2007
2. was gibt es da zu diskutieren?
im Artikel- der erkennbar von jemandem geschrieben wurde, der vom Hörensagen lebt, und keine eigene Sachkenntnis einbringt - scheint ansonsten alles schlüssig dargestellt. Betätgungsprobleme der Landeklappen im Winter, also bei Auftreten von Feuchte und Kälte. Wenn das Problem bei der Landung, beim Ausfahren der Klappen auftritt, benötigt man mehr Landebahn. Falls das Problem beim Durchstarten, beim Einfahren der Klappen auftritt, benötigt man anschließend mehr Sprit, falls man zum Ausweichflughafen fliegen muß. Alles richtig. Trifft übrigens immer zu, egal, ob die Landeklappen nun lediglich ein einziges Mal ausfallen, oder aber häufiger. Problem der Häufung ist identifiziert, an der Beseitigung wird nun gearbeitet. So ist das halt.
klausderdritte 03.09.2007
3. sucht klarheit
Hallo, als erstes sollt man sicherstellen das wir alle von dem Selben reden Flaps Landeklappen werden im Landeanflug ausgefahren, ich denke eher das hier die "Speed brakes " gemeint sind, wo wiederum Probleme mit nicht Meldepfichtig sind Und ich bin der Meinung das die Bremsen eine Restsicherheit haben die hoch genug sein sollte
DELAN, 03.09.2007
4. Eine Frage
Zitat von Flightkitim Artikel- der erkennbar von jemandem geschrieben wurde, der vom Hörensagen lebt, und keine eigene Sachkenntnis einbringt - scheint ansonsten alles schlüssig dargestellt. Betätgungsprobleme der Landeklappen im Winter, also bei Auftreten von Feuchte und Kälte. Wenn das Problem bei der Landung, beim Ausfahren der Klappen auftritt, benötigt man mehr Landebahn. Falls das Problem beim Durchstarten, beim Einfahren der Klappen auftritt, benötigt man anschließend mehr Sprit, falls man zum Ausweichflughafen fliegen muß. Alles richtig. Trifft übrigens immer zu, egal, ob die Landeklappen nun lediglich ein einziges Mal ausfallen, oder aber häufiger. Problem der Häufung ist identifiziert, an der Beseitigung wird nun gearbeitet. So ist das halt.
Haben Sie hier z.B. auch an Szenarien gedacht, die eintreten können, wenn mit eingefahrenen Klappen gelandet und ein Durchstarten erforderlich wird?
Sergeij, 03.09.2007
5. Mücke zum Elefanten aufblasen!
Zitat von Flightkitim Artikel- der erkennbar von jemandem geschrieben wurde, der vom Hörensagen lebt, und keine eigene Sachkenntnis einbringt - scheint ansonsten alles schlüssig dargestellt. Betätgungsprobleme der Landeklappen im Winter, also bei Auftreten von Feuchte und Kälte. Wenn das Problem bei der Landung, beim Ausfahren der Klappen auftritt, benötigt man mehr Landebahn. Falls das Problem beim Durchstarten, beim Einfahren der Klappen auftritt, benötigt man anschließend mehr Sprit, falls man zum Ausweichflughafen fliegen muß. Alles richtig. Trifft übrigens immer zu, egal, ob die Landeklappen nun lediglich ein einziges Mal ausfallen, oder aber häufiger. Problem der Häufung ist identifiziert, an der Beseitigung wird nun gearbeitet. So ist das halt.
Ist mit allen Problemen so, die beim Betrieb eines Flugzeuges auftreten und dann in eine LTA münden. Das ist eine ganz normale Prozedur und eigentlich keinen sensationslüsternden Riesenartikel im SPON wert. Um noch auf die Äußerung eines Vorposters einzugehen: Bis Automobilhersteller sich zu einem Rückruf durchringen, muß schon einiges passieren. Normalerweise werden nur die betreffenden Kunden direkt angeschrieben. Bei vergleichbaren technischen Problemen würde einem Flugzeug übrigens temporär die Betriebserlaubnis entzogen. Soviel zum Thema Sicherheit im Flugverkehr. cu/ Sergeij
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