Angebot an Springer Pin-Chef Thiel legt plötzlich neue Übernahmeofferte vor

Er gibt doch nicht auf: Günter Thiel, der bisherige Chef des Post-Dienstleisters Pin, hat dem Springer-Verlag überraschend ein neues Übernahmeangebot vorgelegt. Einem Zeitungsbericht zufolge soll der Konzern bis ins Jahr 2018 an Gewinnen beteiligt bleiben - jetzt laufen die Verhandlungen wieder.


München - Heute Morgen hatte sich das noch ganz anders angehört. Da wollte Günter Thiel aufgeben, er trat von seinem Chefposten bei Pin mit sofortiger Wirkung zurück und zog sein bisheriges Übernahmeangebot zurück. Jetzt die Kehrtwende: Auf der Verwaltungsratssitzung heute Abend hat Thiel überraschend noch einmal ein verbessertes Übernahmeangebot vorgelegt.

Pin-Briefzusteller: Plötzliche Kehrtwende
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Pin-Briefzusteller: Plötzliche Kehrtwende

Geplant seien ausführliche Gespräche während der Nacht, sagte ein Sprecher des Pin-Verwaltungsratschefs und WAZ-Geschäftsführers Bodo Hombach. Morgen früh um acht Uhr werde der Verwaltungsrat erneut zusammentreten, um zu beraten. Pin-Haupteigentümer Springer lehnte am Abend eine Stellungnahme ab. Das Unternehmen selbst teilte mit: "Unter anderem verhandeln die Gesellschafter wieder darüber, ob und zu welchen Konditionen Springer Anteile abgibt."

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge will Thiel Springer bis 2018 und damit länger als bisher angeboten an Gewinnen nach einer Pin-Sanierung und an Verkaufserlösen beteiligen. Springer sei Thiel offenbar zuvor bei der Höhe dieser Gewinnbeteiligung entgegengekommen.

Laut dem Bericht räumte Thiel außerdem dem Verlag das geforderte Rückkaufsrecht für Pin für den Fall ein, dass der Mindestlohn in der Branche bis Ende März doch noch auf maximal 7,50 Euro gesenkt wird. Springer hatte seinen Ausstieg bei Pin unter anderem mit dem am Freitag im Bundestag beschlossenen Mindestlohn von 9,80 Euro begründet.

Noch am Nachmittag hatte es geheißen, Thiel habe wegen der nach seiner Ansicht unerfüllbaren Forderungen Springers seine Übernahmepläne aufgegeben und seinen Rücktritt angekündigt. Der Verlag sprach seinerseits von einem "unannehmbaren" Forderungskatalog des Pin-Chefs.

Während der Pin-Verwaltungsratssitzung hatte die Unternehmensberatung Roland Berger laut "SZ" das erwartete Gutachten zur Zukunft von Pin vorgestellt. Bei ihrer zweiwöchigen Arbeit im Unternehmen seien sie zu dem Ergebnis gekommen, dass das Geschäftsmodell der Firma tragfähig sei, sagten die Berater demnach.

Allerdings hielten sie den ursprünglichen Geschäftsplan inzwischen für zu ehrgeizig. Pin hatte schon im kommenden Jahr Gewinn machen wollen. Stattdessen seien in einem optimistischen Szenario nun ab 2010/2011 Gewinne zu erwarten. Dafür müsste Pin umfassend umgebaut werden: Briefe sollten von Zeitungszustellern ausgetragen werden. Die Forderungen der Berater hätten Entlassungen zur Folge.

wal/AFP



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