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Fotostrecke: Merkel tauft Kalb "Wirbelwind"

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Kanzlerin bei Milchbäuerin Merkels Kuh

Hohe Produktion, niedrige Preise: Nach dem Ende der Hilfen stecken viele Milchbauern wieder in der Krise. Die Kanzlerin hat sich die Sorgen einer Landwirtin im Norden angehört - und ein Wahlversprechen eingelöst.

Die mächtige Eiche auf Ursula Tredes Bauernhof hat schon so manche Krise überlebt. Sie soll aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die Tredes bewirtschaften bald in achter Generation den Milchviehbetrieb in Nienborstel, mitten in Schleswig-Holstein. Doch seit dem Ende der EU-Milchquoten 2015 wird der Markt für sie und andere mittlere Familienbetriebe immer härter, die Konkurrenz, auch international, ist riesig. Das Motto lautet wachsen oder weichen.

Den Wettlauf um mehr Milch kann und will Trede nicht auf Dauer mithalten. Vor der Bundestagswahl nahm die 53-Jährige in der ARD-"Wahlarena" ihren Mumm zusammen und fragte Angela Merkel: "Warum lassen Sie unsere Betriebe sterben?"

Die Kanzlerin versprach zu kommen. Nun hat sie sich den Hof mit 140 Kühen angeschaut - und die Patenschaft für ein am Morgen geborenes Kalb übernommen.

Die alte Eiche auf dem Familienhof: Sie soll bis ins 18. oder sogar 17. Jahrhundert zurückreichen

Die alte Eiche auf dem Familienhof: Sie soll bis ins 18. oder sogar 17. Jahrhundert zurückreichen

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die CDU-Chefin, so erzählt es die Bäuerin, habe den Namen aussuchen dürfen und wählte "Wirbelwind". "Nicht Horst?", fragt eine Journalistin. "Nein, sie soll ja kein Feindbild entwickeln", erwidert Trede. Es hätten aber noch andere Namen mit "W" zur Auswahl gestanden. "'Wende' hätte ich gutgefunden", sagt sie. Doch selbst das war Merkel politisch womöglich zu heikel - denn der Streit über den niedrigen Milchpreis ist auch nach dem Besuch längst nicht geklärt.

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Trede will in Krisenzeiten - und nur dann - wieder eine Begrenzung der Milchmenge. Sogar große Höfe mit Tausenden Kühen "kommen mit dem Melkpreis, den wir jetzt haben, nicht klar", ist sie überzeugt. Vergangenes Jahr hatte sie bereits freiwillig Kühe abgegeben, um zumindest ihre Menge zu reduzieren. Dafür erhielt der Hof rund 10.000 Euro Entschädigung. Ihrem Beispiel folgten viele, der Preis stabilisierte sich bei 36 Cent. Doch die Hilfsprogramme von Bund und EU waren befristet, der Preiskampf tobt seit Monaten wieder. "Es hat sich leider nichts verändert."

Es brauche europaweite restriktive Regelungen, klagt die Landwirtin, die auch noch in der Stadtverwaltung in Kiel arbeitet. "Es hilft ja nicht, wenn wir als Bauer Trede das alleine machen und mein Nachbar lacht sich kaputt."

Inzwischen ist der Milchpreis wieder auf etwa 32 Cent gefallen - um langfristig wirtschaftlich zu arbeiten, müssen es laut Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) mindestens 40 Cent sein. 2017 sank die Zahl der Betriebe laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung erneut um knapp fünf Prozent.

Über all das hat Trede mit Merkel bei Kerzenschein und Mandarinenkuchen gesprochen. "Das war ihr so nicht bewusst", sagt Trede anschließend zufrieden. "Es war, als ob man sich ewig kannte." Die Kanzlerin wiederum spricht von einem "Aufgabenpaket", das sie mit nach Hause nehme, um zu sehen, "wie wir am besten diese Krisenresistenz hinbekommen".

Angela Merkel bleibt unkonkret

Ist das die von Trede erhoffte "Wende"? Rückt Merkel weg von der Prämisse, der Markt wird sich schon selbst regeln? Setzt sich die Bundeskanzlerin nun für das ein, was den früheren Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) nicht interessierte? Was sagt ihre neue Agrarministerin und Parteifreundin Julia Klöckner dazu?

Angela Merkel bleibt unkonkret. Nach dem Rundgang durch den Stall sagte sie, sie habe nun die Aufgabe bekommen, "Bedingungen zu schaffen, in denen auch mittlere Milchviehbetriebe gut existieren können und nicht von den Gesamtschwankungen so abhängig sind".

So bleibt Ursula Trede erst mal nur weiter selbst alles dafür zu tun, damit ihre Familie noch lange den Bauernhof unter der Eiche führen kann. Dabei setzt sie auf schwarz-bunte, sportlich-schlanke Hochleistungskühe, die pro Jahr mehr als 10.000 Liter Milch liefern. Auch mit Hightech stemmt sie sich gegen fallende Preise. Ein 200.000 Euro teurer Melkroboter für rund 70 Kühe ist erst vor ein paar Tagen in den Stall gezogen. "Die Kühe müssen nicht mehr warten, bis Bauer Trede ausgeschlafen hat und für uns ist es eine Arbeitserleichterung", erzählt sie. Wegen Merkels Besuchs hat ihn die Firma extra etwas früher eingerichtet als eigentlich vorgesehen.

"Diese Investitionen verlangen eine gewisse Nachhaltigkeit und Sicherheit für die Zukunft", sagt auch Merkel zu dem ersten Roboter von dieser Sorte in ganz Schleswig-Holstein. Wann sich der Roboter amortisiert hat? Angesichts des schwankenden Milchpreises lasse sich das nicht errechnen, sagt Trede. "Wir vertrauen darauf, dass es klappt und die Bank unterstützt uns dabei."

Ursula Tredes 25-jähriger Sohn Steffen will den Hof einmal übernehmen. Ob er dann ein fest installiertes europäisches Kriseninstrument im Rücken hat, wie es außer Trede auch der BDM fordert? Bei aller Hoffnung, die Merkel den Tredes bei ihrem Besuch gemacht hat, sagt die Kanzlerin auch: die "wirtschaftliche Tätigkeit der Bauern" müsse gewährleistet sein.

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