Angeschlagene Anleiheversicherer Großbanken schmieden Rettungspaket

Notfallaktion: Die US-Anleiheversicherer, die Ausfallgarantien für Schuldverschreibungen geben, gelten infolge der Kreditkrise als schwer angeschlagen. Mehrere internationale Großbanken arbeiten einem Fernsehbericht zufolge nun an einem Rettungsplan.


New York - Zunächst soll der US-Anleiheversicherer Ambac gerettet werden: Nach Informationen aus Kreisen arbeite eine Gruppe von Banken an einem Hilfspaket für das von Rating-Herabstufungen bedrohte Unternehmen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die beteiligten Geldhäuser hätten sich keinen festen Zeitrahmen für ihren Rettungsplan gesetzt, verlautete demnach aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen. Es sei auch noch zu früh zu sagen, welche Optionen dabei erwägt würden.

Baustelle in Kalifornien: Anleiheversicherer geben etwa Banken Ausfallgarantie für Schuldverschreibungen
REUTERS

Baustelle in Kalifornien: Anleiheversicherer geben etwa Banken Ausfallgarantie für Schuldverschreibungen

Einem Bericht des Fernsehsenders CNBC zufolge besteht das Konsortium aus Citigroup, UBS, Wachovia, Royal Bank of Scotland, Barclays, Societe Generale, BNP Paribas und der Dresdner Bank. Die Institute arbeiteten mit dem Versicherer und der zuständigen New Yorker Behörde zusammen, hatte der Sender berichtet. Weitere Details wurden nicht bekannt. Die Banken wollten sich nicht äußern oder waren nicht zu erreichen.

Die Rettungsaktion betreffe neben Ambac auch andere Bondversicherer, verlautete weiter aus Kreisen. Noch mindestens ein weiteres Konsortium wolle anderen US-Anleiheversicherern unter die Arme greifen. Dem Medienbericht zufolge soll auch die ebenfalls unter Druck stehende MBIA Hilfe erhalten. An der Börse legten die Ambac-Papiere 15 Prozent zu. Die MBIA-Aktien stiegen um 5,4 Prozent.

Eine breit angelegte Rettungsaktion für den gesamten angeschlagenen Sektor wird nach Einschätzung der New Yorker Versicherungsaufsicht noch eine Weile dauern. Der Leiter der Behörde, Eric Dinallo, teilte heute in einer Stellungnahme mit, dass es bei den Gesprächen mit den Versicherern eine "Reihe von Entwicklungen" gegeben habe. Die Verhandlungen seien kompliziert, weshalb sie Zeit in Anspruch nähmen. Details nannte er zunächst nicht.

Fernsehbericht schickte Finanzkurse auf Talfahrt

Anleiheversicherer geben Investoren wie Banken oder Versicherungen eine Ausfallgarantie auf von ihnen gehaltene Schuldverschreibungen. Sie haben weltweit Anleihen im Volumen von rund 2,5 Billionen Dollar versichert, 60 Prozent davon von US-Kommunen. Allerdings sind die sogenannten Monoliner auch in komplexen Schuldverschreibungen engagiert, die mit amerikanischen Ramsch-Hypotheken (Subprime) besichert sind.

Ihnen droht deshalb, dass die Ratingagenturen sie herabstufen, wodurch auch den garantierten Anleihen Herabstufungen und massive Verluste ins Haus stünden. Zudem wird es deutlich schwieriger, Neugeschäft zu generieren.

Ambac hat sein Top-Rating bereits verloren. Der Versicherer hatte im vierten Quartal 2007 einen Verlust von 3,3 Milliarden Dollar verbucht nach einem Gewinn von 203 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Grund waren fünf Milliarden Dollar schwere Abschreibungen auf Kreditderivate. Zudem schlug eine Erhöhung der Risikovorsorge für Darlehensausfälle zu Buche. Der US-Milliardär Wilbur Ross ist einem Zeitungsbericht zufolge an einer Übernahme von Ambac interessiert und führte bereits "ernsthafte" Gespräche.

Gestern hatte es in einem Fernsehbericht geheißen, die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's prüften weitere Absenkungen der Ratings, was die Aktienkurse sämtlicher Finanztitel auf Talfahrt geschickt hatte. MBIA fuhr im vierten Quartal 2007 einen Rekordverlust von 2,3 Milliarden Dollar ein.

ase/dpa/Reuters



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