Angeschlagene US-Bank Citigroup braucht deutlich höhere Staatshilfe

Aus der einst größten Bank der Welt ist ein Bittsteller geworden: Der schwer angeschlagene Finanzkonzern Citigroup fragt bei der US-Regierung nach einer massiv höheren Beteiligung. Der Anteil des Staates könnte auf bis 40 Prozent klettern.


New York - Noch laufen die Gespräche, doch eines scheint so gut wie sicher: Der einstmals größte Finanzkonzern der Welt, die US-Bank Citigroup, braucht mehr staatliche Hilfe als bisher angenommen. Die US-Regierung könnte einen Anteil von bis zu 40 Prozent der Stammaktien an der Großbank anstreben. Das berichtet das "Wall Street Journal" am Montag auf seiner Internet-Seite unter Berufung auf Personen, die mit den staatlichen Plänen vertraut sind. Die Manager der Bank hofften indes, dass die Gespräche mit der Regierung in einer Beteiligung von etwa 25 Prozent mündeten.

Logo der Citigroup in New York: Aktienkurs auf tiefste Stand seit 18 Jahren
AP

Logo der Citigroup in New York: Aktienkurs auf tiefste Stand seit 18 Jahren

Die Citigroup hat von der amerikanischen Regierung im Rahmen des Tarp-Programms zur Stützung der Finanzbranche seit Oktober bereits 45 Milliarden Dollar bekommen. Dafür erhielt der Staat Vorzugsaktien im Wert von acht Prozent des Unternehmens. Der Zeitung zufolge könnte nun ein Großteil der Vorzugspapiere in Stammaktien umgewandelt werden. Der Schritt solle das Vertrauen der Märkte in die Bank und ihre Kapitalbasis stärken. Die Aktienfutures an den US-Börsen drehten nach dem Bericht ins Plus, während sich die US-Anleihen auf Talfahrt begaben.

Absturz an der Börse

Die Citigroup habe den Schritt zunächst unter anderem der für die Aufsicht zuständigen US-Notenbank Fed vorgeschlagen. Der Regierung solle der Plan erst später vorgelegt werden, hieß es. Die Umwandlung in Stammaktien koste keine neuen Steuergelder. Die Anteile der bestehenden Aktionäre würde dies aber deutlich nach unten drücken. Der Einfluss des Staates würde dagegen massiv steigen. Die Spitze der Citigroup wolle daher den Anteil eher bei 25 Prozent halten.

Die Großbank ist vor allem wegen des steilen Absturzes an der Börse immer stärker unter Druck geraten. Die Schieflage und Gerüchte über eine Verstaatlichung der Citigroup Chart zeigen hatten die Aktie zuletzt auf unter zwei Dollar fallen lassen. Damit lag sie so tief wie seit 18 Jahren nicht. Die Bank zählt mit hohen Milliardenverlusten zu den international größten Opfern der Finanzkrise. Die US-Regierung wies gerade erst Spekulationen über eine bevorstehende Verstaatlichung mehrerer in Not geratener Großbanken ausdrücklich zurück.

Über die Kapitalspritzen hinaus hatte der Staat über der Citigroup Ende vergangenen Jahres einen enormen Rettungsschirm mit Garantien von mehr als 300 Milliarden Dollar aufgespannt. Wegen der massiven Probleme der Bank wird bereits über eine Ablösung des erst seit gut einem Jahr amtierenden Konzernchefs Vikram Pandit spekuliert.

Andere Banken könnten nachziehen

Der Schritt des Finanzriesen könnte auch andere US-Banken veranlassen, um ähnliche Hilfen zu bitten, schreibt das "Wall Street Journal" weiter. Allerdings erklärte die an der Börse ebenfalls schwer unter Druck geratene Bank of America Chart zeigen am Sonntag, keine größere Staatsbeteiligung zu diskutieren.

Der dramatische Kursverfall weckt Erinnerungen an den Absturz einiger US-Banken im vergangenen Herbst, der etwa der Investmentbank Lehman Brothers am Ende das Genick gebrochen hatte. Der Zusammenbruch von Lehman Brothers sorgte für einen Höhepunkt der Finanzkrise mit weltweiten Schockwellen, die mit zur aktuellen Wirtschaftskrise führten.

sam/dpa-AFX/Reuters

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