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14. Februar 2009, 22:55 Uhr

Angeschlagener Autokonzern

General Motors erwägt Gläubigerschutz

Unrentables abstoßen, gesundes neubündeln: Der US-Autobauer General Motors spielt offenbar mit dem Gedanken, Gläubigerschutz zu beantragen. Zudem könnte das Unternehmen im Rahmen eines Konkursverfahrens einen neuen Konzern aufbauen. Verhandlungen mit der Gewerkschaft stocken unterdessen.

Chicago - Demnach könnten im Rahmen eines Konkursverfahrens nach Chapter 11 des US-Rechts die gesunden Unternehmensteile in den USA und weltweit in einem neuen Konzern zusammengefasst werden. Das berichtete das "Wall Street Journal" in seiner Samstagsausgabe unter Berufung auf nicht näher identifizierte Kreise. Zudem erwägt die angeschlagene Opel-Mutter General Motors die Beantragung von Gläubigerschutz.

General-Motors-Werbung in den USA: Erwägung von Gläubigerschutz und Aufbau eines neuen Unternehmens
DPA

General-Motors-Werbung in den USA: Erwägung von Gläubigerschutz und Aufbau eines neuen Unternehmens

Am Dienstag müssen GM und sein US-Konkurrent Chrysler dem Kongress in Washington einen Sanierungsplan vorlegen, um staatliche Kredithilfen in Milliardenhöhe beanspruchen zu können. Der Zeitung zufolge wollte sich GM nicht zu den Informationen äußern.

Die deutsche GM-Tochter Opel verhandelt derzeit mit der Bundesregierung über eine Bürgschaft, um von seinem US-Mutterkonzern nicht in den Abgrund gerissen zu werden. Angekündigt hat der Konzern bereits, weltweit 10.000 Stellen und damit 14 Prozent streichen zu wollen. Neben Opel gehört auch die schwedische Marke Saab zu General Motors.

Die US-Autobauer leiden unter dem weltweiten Absatzeinbruch infolge der Finanzkrise besonders, weil sie lange Zeit auf Modelle mit hohem Spritverbrauch gesetzt haben.

Die Verhandlungen zwischen GM und den Gewerkschaften über ein Sanierungsprogramm sind unterdessen offenbar in eine Sackgasse geraten. Grund seien Bedenken der Gewerkschaft United Auto Workers wegen der Krankenversicherung pensionierter Mitarbeiter, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person am Samstag.

GM schuldet der Gewerkschaft rund 20 Milliarden Dollar, die der Konzern in einen Fonds für die Krankenversicherung ehemaliger Mitarbeiter einzahlen muss. Die GM-Führung hat die Gewerkschaft aufgefordert, auf die Hälfte des Betrags zu verzichten und dafür Anteile an einem rekapitalisierten Konzern zu übernehmen.

Parallel dazu verhandelt auch Chrysler mit der Gewerkschaft über einen ähnlichen Sachverhalt. Auch hier seien bislang kaum Fortschritte erzielt worden, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person.

fsc/Reuters

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