Angeschlagener Autokonzern GM beginnt Kahlschlag bei Händlern

Das Sparen fängt an: General Motors will sich in mehreren Wellen von fast 2400 Händlern trennen. Damit soll das US-Netz des existenzbedrohten Autobauers um 40 Prozent gestrafft werden. Gleichzeitig wird die Insolvenz des Unternehmens wahrscheinlicher.


Detroit/Rüsselsheim - Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ende 2010 soll es nur noch 3600 statt heute knapp 6000 Verkaufsniederlassungen geben, teilte General Motors Chart zeigen (GM) am Freitag in Detroit mit. In mehreren Wellen will sich der Opel-Mutterkonzern von fast 2400 Händlern trennen und so sein Netz um 40 Prozent straffen.

GM-Händler in Los Angeles: Partner sollen profitabler werden
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GM-Händler in Los Angeles: Partner sollen profitabler werden

Die Straffung des Händlernetzes soll Kosten sparen und die Partner profitabler machen. Das soll durch weniger Konkurrenz untereinander auch die Autopreise stabilisieren. Erst am Donnerstag hatte Chrysler angekündigt, schon in den nächsten Wochen jeden vierten seiner fast 3200 Verkaufspartner loswerden zu wollen. Mit den Kürzungen stehen der Branche zufolge Zehntausende Jobs auf dem Spiel.

Nur 35 Fahrzeuge pro Jahr verkauft

Eine der geplanten Kürzungswellen bei den GM-Händlern treffe 1100 schlecht laufende und sehr kleine Vertretungen, kündigte Nordamerika- Verkaufschef Mark LaNeve an. Die meisten Verträge liefen aber noch bis Oktober 2010. Bis zu 500 dieser Händler hätten zuletzt im Schnitt nur 35 Fahrzeuge pro Jahr verkauft. Allerdings gibt es in den USA Händler mit mehreren Marken und Autos verschiedener Hersteller.

Hinzu kommen auf der Streichliste 470 Händler für die zum Verkauf stehenden GM-Marken Hummer und Saturn sowie die schwedische Marke Saab in den Vereinigten Staaten. Der Rest solle über weitere Maßnahmen reduziert werden, hieß es ohne genaue Angaben.

Gleichzeitig rechnet der Konzern immer mehr mit einer Insolvenz, da bisher keine Einigung mit den Gläubigern in Sicht ist. In der Insolvenz peilt der Konzern nach neuen Angaben ein ähnliches Verfahren wie der schon insolvente Wettbewerber Chrysler an: Unter Gläubigerschutz sollen die überlebensfähigen Teile an eine neue GM-Gesellschaft verkauft werden, die das Verfahren vor Gericht möglichst rasch wieder verlassen soll.

Einigung mit Gewerkschaften

Mit der Gewerkschaft steht GM laut einem Zeitungsbericht vor einer Einigung über Milliarden-Einschnitte. Den Plänen nach sollen die Lohnkosten für GM-Schichtarbeiter in den USA um gut eine Milliarde Dollar pro Jahr gekürzt werden, so das "Wall Street Journal". Zudem sollen Verpflichtungen von 20 Milliarden Dollar (15 Milliarden Euro) gegenüber dem Gesundheitsfonds für Betriebsrentner halbiert werden.

Ein Ultimatum von US-Präsident Barack Obama läuft Ende Mai ab. Ohne einen tragfähigen Rettungsplan muss GM dann in die Insolvenz.

Nach dem bisherigen GM-Konzept will sich der Autobauer verstaatlichen lassen, die Regierung soll 51 Prozent bekommen. Die Gewerkschaft UAW soll für ihre Zugeständnisse 39 Prozent erhalten, die Gläubiger zehn Prozent für einen weitgehenden Verzicht auf 27 Milliarden Dollar an Schulden.

sam/dpa



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