Angst vor der Pleite Wir sind Schlecker

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Die Rebellin: Katharina Klose, 30 Jahre, Dresden


Katharina Klose: "Warum weiß ich als Betriebsrätin eigentlich noch nicht davon?"
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Katharina Klose: "Warum weiß ich als Betriebsrätin eigentlich noch nicht davon?"

Von Maria Marquart

Katharina Klose trank gerade eine Tasse Kaffee, als am 20. Januar das Telefon klingelte. Eine Kollegin war dran. "Schlecker ist pleite", sagte sie. Klose entgegnete: "Ach Quatsch." Dann dachte sie: Warum weiß ich eigentlich als Betriebsrätin noch nicht davon?

Seit elf Jahren arbeitet Katharina Klose bei Schlecker in der Region Dresden, seit 2006 ist sie Betriebsrätin. Die 30-jährige Frau mit den langen schwarzen Haaren kämpfte gegen Billiglöhne und ruppige Vorgesetze. Die Fronten waren klar: Die Chefs da oben und die einfachen Verkäuferinnen da unten. Doch seit drei Wochen gibt es eine Sache, die sie alle verbindet: Die Angst vor dem Untergang der Drogeriemarktkette.

Dagegen kämpft die Gründerfamilie Schlecker und dagegen kämpft Katharina Klose. Noch nie hatte die Verkäuferin ein Mitglied der Unternehmerfamilie getroffen. Erst angesichts der drohenden Pleite traf sich Firmenerbe Lars Schlecker Ende Januar mit 53 Mitgliedern des Gesamtbetriebsrats. Klose war dabei. "Hut ab, dass er gekommen ist", sagt sie. Am Ende des Gesprächs hatte Klose sogar Mitleid. "Er kann ja nix dafür. Die Entscheidungen hat sein Vater getroffen. Der Lars muss jetzt die Fehler ausbügeln", sagt sie.

Als Betriebsrätin wurde das Verhältnis zu den Vorgesetzten angespannt

2001 marschierte Klose im sächsischen Coswig in einen Schlecker-Laden und fragte nach einem Job. "Aus der Not heraus", sagt sie. Sie musste eine Stelle vorweisen, um ihre staatlich geförderte Ausbildung zur Verkäuferin machen zu können. Klose arbeitete für Schlecker, das Gehalt zahlte eineinhalb Jahre lang die Arbeitsagentur. Warum Schlecker? "Man war ja froh, dass man was hatte", sagt Klose.

Bald merkte sie, dass die Stimmung unter den Kollegen nicht allzu gut war. "Ich selbst lass nicht so viel an mich ran", sagt Klose. "Aber ich dachte: Da kann man was ändern." Sie kandidierte für den Betriebsrat und wurde auf der Stelle gewählt. Mit der Kandidatur wurde das Verhältnis zu den Vorgesetzten plötzlich angespannt, erzählt sie. "Ich hatte, das Gefühl, dass ich nicht mehr gewollt bin."

Trotzdem blieb sie. Klose arbeitete Teilzeit, mehrmals wechselte sie die Filialen. Sie sagte öffentlich, wenn ihr etwas nicht passte. Als Schlecker versuchte, Mitarbeiter in eine Leiharbeitsfirma auszulagern, prangerte sie das bei einer Kundgebung am 1. Mai an. Heute steht sie nicht mehr als Verkäuferin im Laden, sondern ist im Bezirk Dresden hauptamtlich als Betriebsrätin unterwegs.

Ihr Handy bleibt zurzeit immer an, damit Kolleginnen sie erreichen können. "Die fragen, wie es weitergeht, ob sie schon zur Arbeitsagentur sollen." Und was antwortet sie? "Wir müssen Geduld haben." Erst mal müssten alle Zahlen auf den Tisch.

Trotz aller Unsicherheit bei Schlecker wirkt Klose nicht niedergeschlagen. Sie ist ein drahtiger Typ, läuft gerne in Turnschuhen herum. Wenn sie etwas stört, druckst sie nicht herum, sondern sagt es geradeheraus.

"Die Führungsgrundsätze sind bei uns unten nicht angekommen."

"Ich denke, dass Schlecker überlebt. Ich gebe die Hoffnung nicht auf", sagt Klose. Sie war beeindruckt, dass trotz Insolvenzantrag die Löhne für Januar rasch bezahlt wurden. 210 Festangestellte arbeiten im Bezirk Dresden noch für die Drogeriemarktkette, vor allem Frauen in Teilzeit. Die Arbeitslosigkeit in der Region liegt bei 9,3 Prozent. "Die Leute haben Angst um ihren Job. Sie sind froh, dass sie Arbeit haben und nach Tarif bezahlt werden", sagt Klose. "Bei vielen reicht es selbst dann hinten und vorne nicht, wenn der Partner mitverdient." Und viele Verkäuferinnen hingen auch an ihrer Filiale. "Die sagen: Das ist mein Laden. Den hab ich mit aufgebaut."

Den Modernisierungskurs der vergangenen Monate hätten viele Mitarbeiter nur als Streichprogramm erlebt, sagt Klose. Im Bezirk Dresden sei die Zahl der Filialen seit 2010 von 89 auf 60 geschrumpft, nur eine einzige Filiale in Dresden neu gestaltet worden. Im Mai 2011 impfte Schlecker den leitenden Mitarbeitern die neuen Führungsgrundsätze ein, für mehr Fairness mit den Beschäftigten. "Das ist unten nicht angekommen", sagt Klose. Wenn Bezirksleiter plötzlich nett wurden, fragten sich Mitarbeiter misstrauisch: Was mag da wohl wieder drohen?

Jetzt wissen sie es: Die Charme-Offensive war einer der letzten Versuche, das drohende Ende doch noch abzuwenden. Sie kam zu spät.



insgesamt 11 Beiträge
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vrdeutschland 24.02.2012
1. Die DDR ist zurück
Zitat von sysopDPADie 30.000 Mitarbeiter des Drogeriemarkt-Riesen Schlecker wurden jahrelang nur als Unterdrückte wahrgenommen. Drei von ihnen erzählen, wie es in den Filialen wirklich zugeht und warum sie trotz allem für ihre Firma kämpfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,816090,00.html
Staatsknete für Hr. Anton Schlecker (Vermögen 2011 lt. Manager magazin 1,9 Mrd EUR), man fasst es nicht, was im Kopf eines Gewerkschafters umhergeht, solche Gedanken überhaupt zu haben. Ach, ich vergaß: das Vermögen ist ja anscheinend futsch. Vielleicht mal nicht nur auf den deutschen Konten schauen...
sinasina 24.02.2012
2. Keine Steuergelder für Schlecker - siehe Müller-Milch
Zitat von vrdeutschlandStaatsknete für Hr. Anton Schlecker (Vermögen 2011 lt. Manager magazin 1,9 Mrd EUR), man fasst es nicht, was im Kopf eines Gewerkschafters umhergeht, solche Gedanken überhaupt zu haben. Ach, ich vergaß: das Vermögen ist ja anscheinend futsch. Vielleicht mal nicht nur auf den deutschen Konten schauen...
Sie sind nicht der einzige, der es nicht fassen kann. Deshalb: Schreiben oder Mail an die Gewerkschaft verdi, Herrn Nils Schmid (SPD), Frau Manuela Schwesig (SPD) (Adressen weiter unten) und vielleicht gibt es auch noch andere Ansprechpartner? Sehr geehrte Damen und Herren, bei allem Verständnis für die Nöte und Sorgen der Schlecker-Mitarbeiter: Es kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein, einen Konzern mit Steuergeld unterstützen zu wollen, der Jahrzehntelang seine Mitarbeiter dermaßen schlecht behandelt hat und auch auf diesem Wege zu einem gigantischen Vermögen gekommen ist. Dieses wäre ein absolut falsches Signal. Wir müssen endlich davon weg kommen, immer nur Fehlverhalten (egal ob von Unternehmern oder im privaten Bereich) durch Subventionen und Maßnahmen zu unterstützen, während Menschen, die sich beruflich oder privat engagieren, kaum oder keine Unterstützung erfahren. Wenn Sie davon überzeugt sind, kleine Ortschaften bedürfen eines Drogeriemarktes, dann unterstützen Sie die Firma dm oder Menschen, die sich gerne mit einem Laden selbstständig machen würden. dm hat seine Mitarbeiter immer gut behandelt und wäre mit Sicherheit bereit, mit Hilfe des Staates und entsprechender Subventionen auch in kleinen Orten dm Läden zu etablieren. Dort könnten dann die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter übernommen werden. Dies wäre dann endlich auch einmal ein positives Signal für die vielen Menschen, für die Mitverantwortung und Engagement kein Fremdwort ist. Zudem: Wie weisen Sie dem Steuerzahler nach, dass Herr Schlecker sein Privatvermögen nicht im Ausland "geparkt" hat? Hat Politik und Gewerkschaft anhand von Müller-Milch immer noch nicht gelernt, wie der Steuerzahler verladen wird? Mit freundlichen Grüßen ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Bundesvorstand Paula-Thiede-Ufer 10 10179 Berlin ver.di: Einzelhandel (http://einzelhandel.verdi.de/.kontakt) Herrn Nils Schmid (SPD) SPD Baden- Württemberg Nils Schmid Wilhelmsplatz 10 70182 Stuttgart Kontakt - Nils Schmid - Minister für Finanzen und Wirtschaft | Landesvorsitzender der SPD-Baden-Württemberg | MdL für Reutlingen (http://www.nils-schmid.de/index.php?mod=formular&op=show&menu=5&page_id=1377) Twitter (http://twitter.com/#!/NilsSchmid) Frau Manuela Schwesig (SPD) Tobias Dünow Sprecher des Parteivorstandes SPD-Parteivorstand Willy- Brandt-Haus Wilhelmstraße 141 10963 Berlin Manuela Schwesig | Facebook (http://de-de.facebook.com/ManuelaSchwesig)
spony 25.02.2012
3. Bauernschlaue
Zitat von vrdeutschlandStaatsknete für Hr. Anton Schlecker (Vermögen 2011 lt. Manager magazin 1,9 Mrd EUR), man fasst es nicht, was im Kopf eines Gewerkschafters umhergeht, solche Gedanken überhaupt zu haben. Ach, ich vergaß: das Vermögen ist ja anscheinend futsch. Vielleicht mal nicht nur auf den deutschen Konten schauen...
Lieber "VorDeutschland". Sie sollten erstmal vor der eigenen Haustüre kehren. Allein Ihre Gedanken zeigen wie unehrlich Sie in so einer Situation agieren würden: Sie würden also Geld ins Ausland schaffen. Zum Glück ist nicht jeder so unethisch wie sie. Wahrscheinlich haben sie einen gute bezahlten Job und egal wie große FEhler sie machen, sie bekommen am Ende des Monats ihr festes Gehalt.... Ich habe mit Anton Schlecker nichts gemein... Aber trotzdem muss ich Herrn Schlecker verteidigen. Herr Schlecker hat über Jahre hinweg zehntausenden ARbeit gegeben, Steuern in Deutschland gezahlt, auch die Region gefördert durch die lokalen läden. Ich bin in einer Stadt zur Schule gegangen, da gab es lange Zeit ausser Schlecker nichts. Schade, dass Sie so groß den Mund aufmachen, wenn Sie von Wirtschaft anscheinend keine Ahnung haben. wie diese zitierte Liste im Manager Magazin zustande kommt. Um es mit einem Wort zu sagen, das sind Schätzungen von Journalisten (und ggf ein paar "Finanzexperten", die Bankenkrise sagt ja alles über diese...). Wenn Sie sich mit Betriebswirtschaftslezre etwas auskennen würden, dann wüssten Sie auch, wie diese Schätzungen erstellt werden. Um es kurz zu machen, die Schätzung von 1,9 Mrd basiert auf der Annahme eines prosperierenden Schlecker Konzerns, das es zu dem Zeitpunkt bereits seit langen nicht mehr gab. Es ist kein Liquides Vermögen auf der Bank sondern basiert auf dem renien Wert seines Unternehmens, also Schlecker selbst. Aber bereits 2011 war Schlecker massiv angeschlagen (das war nur nicht bekannt) und das Vermögen wäre, wäre dies Publik gewesen ,wohl nur noch deutlich unter 100 Mio gelegen. Da Herr Schlecker die Firma als Eingetrager Kaufmann geführt hat, haftet er mit seinem ganzen Kapital. Sprich er dürfte zwar sicherlich noch ein paar Millionen haben, aber die sind nun wirklich nicht geeignet das Unternehmen zu retten. Und das muss ich auch sagen jemand der sein ganzen leben lang hart arbeitet und so ein Unternehmen aufbaut der darf auch noch ein paar Millionen haben. Das ist der große Unterschied zu ihnen. Sie machen die Fehler und bekommen trotzdem Ihr gehalt, ein Unternehmen büsst sein gesamtes Vermögen und Lebenswerk ein! Kaufen Sie ruhig bei Rossmann ein. Das Unternehmen gehört inzwischen einem Chinesen und die Gewinne fließen nach China ab. So wie sie sicherlich auch Chinesische AUtos kaufen, Chinesische Elektrogeräte usw. Aber der Boomerang kommt eines Tages zurück! Ich hoffe sie haben keine Kinder, denen wird es bestimmt eines Tages mal mit dieser Einstellung richtig dreckig gehen.
Dr. Fuzzi 25.02.2012
4. Och Joh!
Zitat von vrdeutschlandStaatsknete für Hr. Anton Schlecker (Vermögen 2011 lt. Manager magazin 1,9 Mrd EUR), man fasst es nicht, was im Kopf eines Gewerkschafters umhergeht, solche Gedanken überhaupt zu haben. Ach, ich vergaß: das Vermögen ist ja anscheinend futsch. Vielleicht mal nicht nur auf den deutschen Konten schauen...
Gott, wird Hirn vom Himmel! Diese ganzen ach so superschlauen Stammtischlaberer öden einfach nur an. Das Vermögen eines Inhabers eines Einzelunternehmens, darum handelt es sich bei Schlecker, definiert sich im wesentlichen aus dem Wert des Unternehmen. Unternehmen Pleite = Unternehmer Pleite, denn zusätzlich zum Verlust des Unternehmens kommt auch noch die uneingeschränkte persönliche Haftung des Inhabers.
inci2 25.02.2012
5.
Zitat von Dr. FuzziGott, wird Hirn vom Himmel! Diese ganzen ach so superschlauen Stammtischlaberer öden einfach nur an. Das Vermögen eines Inhabers eines Einzelunternehmens, darum handelt es sich bei Schlecker, definiert sich im wesentlichen aus dem Wert des Unternehmen. Unternehmen Pleite = Unternehmer Pleite, denn zusätzlich zum Verlust des Unternehmens kommt auch noch die uneingeschränkte persönliche Haftung des Inhabers.
und als einzelunternehmer hat er all das geschaffen? SCHLECKER.com (http://www.schlecker.com/) das wage ich dann doch zu bezweifeln. im übrigen sind die auslandstöchter allesamt nicht von der insolvenz betroffen. das müssten sie aber sein, wenn der herr einzelunternehmer schlecker pleite ist.
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