Angst vor der Pleite Wir sind Schlecker

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Die Abgeklärte: Marianne Thomas, 59 Jahre, Bremen


Marianne Thomas: "Für viele Kolleginnen ist eine Welt zusammengebrochen"
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Marianne Thomas: "Für viele Kolleginnen ist eine Welt zusammengebrochen"

Von Florian Diekmann

Auf den ersten Blick mag Marianne Thomas so überhaupt nicht passen zu dieser leicht schäbigen Welt der Schlecker-Filialen. Man kann sich die dezent gekleidete Frau mit den akkurat frisierten grauen Haaren sehr gut hinter einem Apothekentresen vorstellen oder als Beraterin in einem gehobenen Bekleidungsfachgeschäft. Stattdessen leitet die 59-Jährige im Bremer Norden einen typischen Schlecker-Markt, eng und karg, im Erdgeschoss eines schmucklosen Doppelhauses. Die Toilette: ein kleines Häuschen im Garten hinter dem Haus. "Die Filiale lässt schon sehr zu wünschen übrig", sagt Thomas.

Es könnte Marianne Thomas egal sein, in welchem Zustand ihre Filiale ist und auch, dass Schlecker an jenem Freitag, vier Wochen ist es her, die Pleite verkündet hat. Sie hat schließlich nur noch sechs Monate bis zum Vorruhestand, für sie steht nichts mehr auf dem Spiel. Aber es ist ihr ganz und gar nicht egal. "Für viele Kolleginnen ist eine Welt zusammengebrochen. Wer über 40 ist, kommt nirgendwo mehr unter, vor allem nicht hier", sagt Thomas. Die Arbeitslosenquote im Bremer Norden liegt mit 11,7 Prozent weit höher als im Bundesschnitt. Auch Schlecker baut hier schon seit Jahren Jobs ab. 124 Mitarbeiter waren es im Jahr 2006 im Betriebsratsbezirk Bremen-Nord, nun noch 80. Von 36 Filialen sind 19 geblieben.

Arbeit zu haben bedeutet alles im Bremer Norden, und deshalb ist Frau Thomas zornig. Zornig über die Unsicherheit, in der Schlecker seine Mitarbeiter schweben lässt. Von der Insolvenz erfuhr sie von ihrem Mann, der zu Hause vor dem Fernseher saß und in der Filiale anrief. Er hat Erfahrung mit Pleiten, er arbeitete bei der Vulkan-Werft, als sie 1996 die Zahlungsunfähigkeit erklärte. Doch "beim Vulkan" wussten die Mitarbeiter zumindest vor der Öffentlichkeit Bescheid.

Seit einem Jahr wurden die Lieferungen immer spärlicher

Wenige Minuten nach dem Anruf brach über Thomas herein, was sie die Telefonlawine nennt. Zahlreiche Kolleginnen meldeten sich und wollten Informationen, Rat, Hilfe. Doch auch die Betriebsrätin Thomas wusste nicht mehr als sie.

Natürlich sei allen bewusst gewesen, dass Schlecker in Schieflage war - seit etwa einem Jahr waren die Lieferungen nicht mehr vollständig, seit Oktober kam höchstens noch ein Bruchteil der bestellten Ware. "Da muss man ja mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um nichts zu merken", sagt Thomas. Es ist einer der wenigen Momente, in denen ihre Stimme den freundlichen norddeutschen Grundton verliert und die Verdrossenheit deutlich herauszuhören ist.

Sie hat erst lernen müssen, ihren Unmut über den Arbeitgeber so klar zu äußern, das widerspricht dem Naturell der unaufgeregten Hanseatin. Sie mag ihre Arbeit nach 18 Jahren immer noch "so gern wie am ersten Tag". Und das Einkommen, betont sie, sei besser als bei vielen Konkurrenten. Seit 1995 zahlt Schlecker Tariflöhne.

Schlecker hatte Marianne Thomas eine Chance eröffnet, die sie kaum woanders erhalten hätte. Die gelernte Bürokauffrau blieb nach der Geburt ihres Kindes zu Hause. Als sie mit 41 Jahren wieder in den Beruf einsteigen wollte, entdeckte sie das Stellenangebot von Schlecker in der Zeitung. Wenige Tage später hatte sie einen 20-Stunden-Job. Nach einem Jahr erhöhte sie auf Vollzeit und übernahm die Filialleitung. Und als sie in einen neueröffneten Laden wechseln wollte, der näher an ihrem Wohnhaus lag, erfüllte Schlecker ihr den Wunsch.

Nach dem Herzinfarkt droht der Jobverlust

Doch da war diese andere Seite von Schlecker, die selbst eine so zurückhaltende Frau wie Thomas zum Widerspruch reizte: der ständige Druck von oben, die Gängeleien, der ruppige Ton, vor allem aber das Abschmettern ihrer Ideen und Vorschläge. Als etwa vor einigen Jahren ein neues Einkaufszentrum in unmittelbarer Nähe geplant wurde, erkannte Thomas die Bedrohung. Sie besuchte in ihrer Freizeit Planungssitzungen, um auszuloten, ob Schlecker auch in das Zentrum ziehen könne. Das Einkaufszentrum wurde gebaut, Schlecker reagierte nicht. In der Filiale brach der Umsatz ein.

Mit 49 Jahren erlitt Thomas einen Herzinfarkt. Die Ärzte verboten ihr, weiter so viel zu arbeiten. Thomas wollte ihre Arbeitszeit reduzieren. Dann sei auch die Position als Filialleiterin futsch, drohte ihr Chef. Nur wegen rückläufiger Umsätze konnte Thomas ihre Arbeitszeit später doch auf 30 Stunden verkürzen.

Je schlechter es Schlecker ging, desto rigider wurden die Vorgaben aus der Zentrale. Ging der Umsatz zurück, wurde die Filialleiterin verantwortlich gemacht. "'Schließlich ist es Ihr Laden', hieß es dann."

Endgültig riss Thomas der Geduldsfaden, als eine befreundete Kollegin 2006 einen Betriebsrat gründen wollte und Schlecker ihr kündigte. Thomas schloss sich der Betriebsratsinitiative an, fast ein Jahr sollte es dauern, bis sie das Gremium endlich durchgesetzt hatten, beide wurden auf Anhieb gewählt. "Aber immer noch trauen sich viele Kolleginnen nicht zu einer Betriebsversammlung - weil da auch der Arbeitgeber anwesend ist", sagt Thomas.

In ihrer Filiale kennt Marianne Thomas die meisten Kunden persönlich. Einige seien sogar gekommen, um aus Solidarität auf Vorrat einzukaufen. Inzwischen können sie das sogar wieder: Seit kurzem kommt deutlich mehr Ware in die Läden, hat Thomas beobachtet.



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vrdeutschland 24.02.2012
1. Die DDR ist zurück
Zitat von sysopDPADie 30.000 Mitarbeiter des Drogeriemarkt-Riesen Schlecker wurden jahrelang nur als Unterdrückte wahrgenommen. Drei von ihnen erzählen, wie es in den Filialen wirklich zugeht und warum sie trotz allem für ihre Firma kämpfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,816090,00.html
Staatsknete für Hr. Anton Schlecker (Vermögen 2011 lt. Manager magazin 1,9 Mrd EUR), man fasst es nicht, was im Kopf eines Gewerkschafters umhergeht, solche Gedanken überhaupt zu haben. Ach, ich vergaß: das Vermögen ist ja anscheinend futsch. Vielleicht mal nicht nur auf den deutschen Konten schauen...
sinasina 24.02.2012
2. Keine Steuergelder für Schlecker - siehe Müller-Milch
Zitat von vrdeutschlandStaatsknete für Hr. Anton Schlecker (Vermögen 2011 lt. Manager magazin 1,9 Mrd EUR), man fasst es nicht, was im Kopf eines Gewerkschafters umhergeht, solche Gedanken überhaupt zu haben. Ach, ich vergaß: das Vermögen ist ja anscheinend futsch. Vielleicht mal nicht nur auf den deutschen Konten schauen...
Sie sind nicht der einzige, der es nicht fassen kann. Deshalb: Schreiben oder Mail an die Gewerkschaft verdi, Herrn Nils Schmid (SPD), Frau Manuela Schwesig (SPD) (Adressen weiter unten) und vielleicht gibt es auch noch andere Ansprechpartner? Sehr geehrte Damen und Herren, bei allem Verständnis für die Nöte und Sorgen der Schlecker-Mitarbeiter: Es kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein, einen Konzern mit Steuergeld unterstützen zu wollen, der Jahrzehntelang seine Mitarbeiter dermaßen schlecht behandelt hat und auch auf diesem Wege zu einem gigantischen Vermögen gekommen ist. Dieses wäre ein absolut falsches Signal. Wir müssen endlich davon weg kommen, immer nur Fehlverhalten (egal ob von Unternehmern oder im privaten Bereich) durch Subventionen und Maßnahmen zu unterstützen, während Menschen, die sich beruflich oder privat engagieren, kaum oder keine Unterstützung erfahren. Wenn Sie davon überzeugt sind, kleine Ortschaften bedürfen eines Drogeriemarktes, dann unterstützen Sie die Firma dm oder Menschen, die sich gerne mit einem Laden selbstständig machen würden. dm hat seine Mitarbeiter immer gut behandelt und wäre mit Sicherheit bereit, mit Hilfe des Staates und entsprechender Subventionen auch in kleinen Orten dm Läden zu etablieren. Dort könnten dann die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter übernommen werden. Dies wäre dann endlich auch einmal ein positives Signal für die vielen Menschen, für die Mitverantwortung und Engagement kein Fremdwort ist. Zudem: Wie weisen Sie dem Steuerzahler nach, dass Herr Schlecker sein Privatvermögen nicht im Ausland "geparkt" hat? Hat Politik und Gewerkschaft anhand von Müller-Milch immer noch nicht gelernt, wie der Steuerzahler verladen wird? Mit freundlichen Grüßen ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Bundesvorstand Paula-Thiede-Ufer 10 10179 Berlin ver.di: Einzelhandel (http://einzelhandel.verdi.de/.kontakt) Herrn Nils Schmid (SPD) SPD Baden- Württemberg Nils Schmid Wilhelmsplatz 10 70182 Stuttgart Kontakt - Nils Schmid - Minister für Finanzen und Wirtschaft | Landesvorsitzender der SPD-Baden-Württemberg | MdL für Reutlingen (http://www.nils-schmid.de/index.php?mod=formular&op=show&menu=5&page_id=1377) Twitter (http://twitter.com/#!/NilsSchmid) Frau Manuela Schwesig (SPD) Tobias Dünow Sprecher des Parteivorstandes SPD-Parteivorstand Willy- Brandt-Haus Wilhelmstraße 141 10963 Berlin Manuela Schwesig | Facebook (http://de-de.facebook.com/ManuelaSchwesig)
spony 25.02.2012
3. Bauernschlaue
Zitat von vrdeutschlandStaatsknete für Hr. Anton Schlecker (Vermögen 2011 lt. Manager magazin 1,9 Mrd EUR), man fasst es nicht, was im Kopf eines Gewerkschafters umhergeht, solche Gedanken überhaupt zu haben. Ach, ich vergaß: das Vermögen ist ja anscheinend futsch. Vielleicht mal nicht nur auf den deutschen Konten schauen...
Lieber "VorDeutschland". Sie sollten erstmal vor der eigenen Haustüre kehren. Allein Ihre Gedanken zeigen wie unehrlich Sie in so einer Situation agieren würden: Sie würden also Geld ins Ausland schaffen. Zum Glück ist nicht jeder so unethisch wie sie. Wahrscheinlich haben sie einen gute bezahlten Job und egal wie große FEhler sie machen, sie bekommen am Ende des Monats ihr festes Gehalt.... Ich habe mit Anton Schlecker nichts gemein... Aber trotzdem muss ich Herrn Schlecker verteidigen. Herr Schlecker hat über Jahre hinweg zehntausenden ARbeit gegeben, Steuern in Deutschland gezahlt, auch die Region gefördert durch die lokalen läden. Ich bin in einer Stadt zur Schule gegangen, da gab es lange Zeit ausser Schlecker nichts. Schade, dass Sie so groß den Mund aufmachen, wenn Sie von Wirtschaft anscheinend keine Ahnung haben. wie diese zitierte Liste im Manager Magazin zustande kommt. Um es mit einem Wort zu sagen, das sind Schätzungen von Journalisten (und ggf ein paar "Finanzexperten", die Bankenkrise sagt ja alles über diese...). Wenn Sie sich mit Betriebswirtschaftslezre etwas auskennen würden, dann wüssten Sie auch, wie diese Schätzungen erstellt werden. Um es kurz zu machen, die Schätzung von 1,9 Mrd basiert auf der Annahme eines prosperierenden Schlecker Konzerns, das es zu dem Zeitpunkt bereits seit langen nicht mehr gab. Es ist kein Liquides Vermögen auf der Bank sondern basiert auf dem renien Wert seines Unternehmens, also Schlecker selbst. Aber bereits 2011 war Schlecker massiv angeschlagen (das war nur nicht bekannt) und das Vermögen wäre, wäre dies Publik gewesen ,wohl nur noch deutlich unter 100 Mio gelegen. Da Herr Schlecker die Firma als Eingetrager Kaufmann geführt hat, haftet er mit seinem ganzen Kapital. Sprich er dürfte zwar sicherlich noch ein paar Millionen haben, aber die sind nun wirklich nicht geeignet das Unternehmen zu retten. Und das muss ich auch sagen jemand der sein ganzen leben lang hart arbeitet und so ein Unternehmen aufbaut der darf auch noch ein paar Millionen haben. Das ist der große Unterschied zu ihnen. Sie machen die Fehler und bekommen trotzdem Ihr gehalt, ein Unternehmen büsst sein gesamtes Vermögen und Lebenswerk ein! Kaufen Sie ruhig bei Rossmann ein. Das Unternehmen gehört inzwischen einem Chinesen und die Gewinne fließen nach China ab. So wie sie sicherlich auch Chinesische AUtos kaufen, Chinesische Elektrogeräte usw. Aber der Boomerang kommt eines Tages zurück! Ich hoffe sie haben keine Kinder, denen wird es bestimmt eines Tages mal mit dieser Einstellung richtig dreckig gehen.
Dr. Fuzzi 25.02.2012
4. Och Joh!
Zitat von vrdeutschlandStaatsknete für Hr. Anton Schlecker (Vermögen 2011 lt. Manager magazin 1,9 Mrd EUR), man fasst es nicht, was im Kopf eines Gewerkschafters umhergeht, solche Gedanken überhaupt zu haben. Ach, ich vergaß: das Vermögen ist ja anscheinend futsch. Vielleicht mal nicht nur auf den deutschen Konten schauen...
Gott, wird Hirn vom Himmel! Diese ganzen ach so superschlauen Stammtischlaberer öden einfach nur an. Das Vermögen eines Inhabers eines Einzelunternehmens, darum handelt es sich bei Schlecker, definiert sich im wesentlichen aus dem Wert des Unternehmen. Unternehmen Pleite = Unternehmer Pleite, denn zusätzlich zum Verlust des Unternehmens kommt auch noch die uneingeschränkte persönliche Haftung des Inhabers.
inci2 25.02.2012
5.
Zitat von Dr. FuzziGott, wird Hirn vom Himmel! Diese ganzen ach so superschlauen Stammtischlaberer öden einfach nur an. Das Vermögen eines Inhabers eines Einzelunternehmens, darum handelt es sich bei Schlecker, definiert sich im wesentlichen aus dem Wert des Unternehmen. Unternehmen Pleite = Unternehmer Pleite, denn zusätzlich zum Verlust des Unternehmens kommt auch noch die uneingeschränkte persönliche Haftung des Inhabers.
und als einzelunternehmer hat er all das geschaffen? SCHLECKER.com (http://www.schlecker.com/) das wage ich dann doch zu bezweifeln. im übrigen sind die auslandstöchter allesamt nicht von der insolvenz betroffen. das müssten sie aber sein, wenn der herr einzelunternehmer schlecker pleite ist.
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