Angst vor Jobverlust Krankenstand sinkt auf Vor-Wende-Niveau

Gemessen am Krankenstand besetzte Deutschland unter den Industrieländern bislang einen Spitzenplatz. Doch angesichts der schlechten Wirtschaftslage wollen immer weniger auf den Krankenschein zurückgreifen. Gegenüber dem Vorjahr sanken die krankheitsbedingten Fehlzeiten in den Betrieben um zehn Prozent.


Krankenschein: 3,6 Prozent Fehlzeiten
DPA

Krankenschein: 3,6 Prozent Fehlzeiten

Berlin - Wie die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf neue Statistiken des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) berichtet, fehlten Arbeitnehmer im Jahr 2003 3,6 Prozent der Sollarbeitszeit (2002: 4,0 Prozent). Dies entspreche neun Arbeitstagen. Das wäre der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung. Arbeitsmarktforscher nannten als Gründe für den niedrigen Krankenstand die schwache Konjunktur und die Angst der Arbeitnehmer, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit den Job zu verlieren, wie es hieß.

Am höchsten sei die Krankenstandsquote laut BMGS-Statistik im April mit 4,21 Prozent der Sollarbeitszeit gewesen. Die westdeutschen Beschäftigten fehlten in diesem Monat 4,14 Prozent der Sollarbeitszeit und die ostdeutschen Arbeitnehmer 4,50 Prozent. Demgegenüber seien Beschäftigte im Juni mit 3,04 Prozent der Sollarbeitszeit aus Krankheitsgründen abwesend. Im Jahresdurchschnitt fehlten ostdeutsche Arbeitnehmer häufiger als ihre Kollegen im Westen.

Insgesamt sind die Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren seltener krank gewesen als in der ersten Hälfte der neunziger Jahre, wie das Blatt meldet. Die Gründe für diese Entwicklung seien vielfältig. Neben der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen Sorge der Arbeitnehmer vor einem Jobverlust seien vor allem Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur für die niedrigen Fehlzeiten verantwortlich.

Der Arbeiteranteil in Industrie und Bau mit schwerer körperlicher Arbeit und überdurchschnittlich hohen Krankenständen gehe zurück und die Beschäftigung im Dienstleistungsbereich steige. Zudem wirkten sich die gestiegene Beschäftigung von Frauen und Teilzeitarbeitern und eine gestiegene Gesundheitsprävention günstig auf den Krankenstand aus.



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