Erfahrungen mit Corona-Soforthilfen Angst vor Subventionsbetrug

Beate Maier, Diplom-Übersetzerin, 61, aus Hilden verzichtet lieber auf Unterstützung durch den Staat - aber nicht ganz freiwillig.
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Ich verdiene mein Geld mit der Übersetzung von Fachtexten vom Englischen oder Spanischen ins Deutsche und umgekehrt. Meine Spezialgebiete sind das Bank- und Finanzwesen und Texte, die sich mit Rechtsthemen befassen. Die Aufträge kommen von Behörden und Privatunternehmen, aber auch von Institutionen der Europäischen Union. Außerdem dolmetsche ich für Unternehmen und in Verhandlungen vor Gericht.

Anders als Messebauer oder Restaurantbetreiber habe ich noch Aufträge, doch es sind deutlich weniger geworden. Im Mai werde ich wohl, soweit es im Moment abzusehen ist, knapp die Hälfte meines Umsatzes verlieren, im Juni liegt er bei null. So genau lässt sich das nicht vorausberechnen, weil manche Rechnung früher, die andere später bezahlt wird - derzeit oft später.

Genau aus diesem Grund werde ich voraussichtlich auch keine Corona-Soforthilfe beantragen. Habe ich nämlich nicht mindestens 50 Prozent Umsatzeinbuße, bin ich nicht anspruchsberechtigt. Den Antrag müsste ich aber spätestens bis Ende Mai stellen, jedoch mit dem Risiko, dass es mir im Nachhinein als Subventionsbetrug ausgelegt werden könnte, wenn nach der Antragstellung doch noch Geld eingeht. Allein schon der Vorwurf und eine mögliche Untersuchung könnten mich im schlimmsten Fall alle Aufträge von öffentlichen Auftraggebern kosten. 

Ich empfinde die Situation als sehr ungerecht, vor allem im Hinblick auf die Milliarden-Subventionen für so genannte systemrelevante Unternehmen. Denn als allgemein beeidigte Dolmetscherin bin auch ich systemrelevant. Erst neulich musste ich bei einer Anhörung eines Verdächtigen dolmetschen, bei dem es um Untersuchungshaft ging. Dazu musste ich in voller Schutzkleidung arbeiten, weil dieser behauptete, infiziert zu sein.

Aufgezeichnet von Michael Kröger