Angst vor Zinswende Dax und Euro brechen ein

Die Zahl der Jobs steigt, der Konsum zieht an und Importe wie Exporte der USA klettern auf Rekordniveau. Schon machen Gerüchte die Runde, dass Fed-Chef Alan Greenspan bald die Zinsen erhöhen könnte: Der Dax knickt ein, und der Euro fällt gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand in diesem Jahr.

New York/Frankfurt am Main - Sowohl die Einzelhandelsumsätze als auch die jüngsten Arbeitsmarktdaten in den USA haben angedeutet, dass der US-Konjunkturmotor wieder in Fahrt kommt. Einen weiteren Hinweis lieferte heute das US-Handelsministerium: Sowohl die Importe wie die Exporte der USA sind auf ein Rekordniveau gestiegen, was auf ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum verweist.

Die US-Exporte stiegen um 4,0 Prozent auf 92,4 Milliarden Dollar. Dies ist der stärkste Anstieg seit Oktober 1996 und der höchste Wert überhaupt. Die Importe kletterten um 1,6 Prozent auf 134,5 Milliarden Dollar - ebenfalls ein Rekordniveau. Das Handelsbilanzdefizit der USA sei auf Grund der stärkeren Steigerung der Exporte um 3,2 Prozent auf 42,1 Milliarden US-Dollar gefallen.

Starke US-Konjunktur - Euro beschleunigt Talfahrt

Der Dollar setzte daraufhin seine Erholung fort: Der Euro fiel am Mittwochnachmittag zeitweise bis auf 1,875 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand in diesem Jahr. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag noch auf 1,1975 Dollar festgesetzt.

Mit der Erholung der US-Konjunktur steigt nach Aussage von Volkswirten auch die Wahrscheinlichkeit, dass Fed-Chef Greenspan bereits in diesem Jahr die Leitzinsen von derzeit 1,0 Prozent erhöhen könnte. Anlass zu diesen Spekulationen gibt auch der starke Anstieg der Verbraucherpreise in den USA. Die Preise kletterten im März um 0,5 Prozent, angetrieben durch eine Verteuerung von Energie, Transport und Bekleidung. Die jährliche Inflationsrate betrug wie im Februar 1,7 Prozent.

Die bisher maßvolle Teuerung hatte es der Notenbank Fed erlaubt, die Leitzinsen auf dem historisch niedrigen Stand von 1,0 Prozent zu belassen. Eine Zinserhöhung durch die Fed wäre die erste Anhebung seit Mai 2000.

Alle Dax-Titel im Minus

Die Börsen quittierten die Zinsspekulationen mit deutlichen Abschlägen: Der Dax   gab bis kurz vor Handelsbeginn in den USA um 2,4 Prozent nach und fiel auf 3974 Punkte. Steigende Zinsen sind Gift für die Börse, da Anlage-Alternativen für Investoren attraktiver werden.

Weiterhin lastete der schwache Geschäftsausblick des US-Technologieschwergewichtes Intel   auf dem Dax. Zu den größten Verlierern gehörten der Münchener Chiphersteller Infineon  , der Softwarehersteller SAP   und die Commerzbank  . "Ich halte die heftige Marktreaktion für übertrieben", sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. In den nächsten Tagen kämen weitere Zahlen wichtiger US-Technologieunternehmen, dann könne das Bild auch wieder anders aussehen.

Selbst exportorientierte Autowerte fielen ungeachtet des vergleichsweise schwachen Eurokurses ins Minus. So gaben BMW-Aktien 1,93 Prozent nach auf 34,61 Euro und DaimlerChrysler sanken um 2,34 Prozent auf 33,35 Euro.

Wall Street: Zinsängste statt Wachstumsfreude

An der Wall Street hatten die Indizes trotz starker US-Konjunkturdaten im späten Handel deutlich nachgegeben. Die Einzelhandelsumsätze in den USA hatten im März mit einem Plus von 1,8 Prozent die Prognosen der Analysten deutlich übertroffen. Die Einzelhandelsumsätze tragen rund ein Drittel zu den gesamten Verbraucherausgaben bei, die wiederum rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Bereits Anfang April hatte das US-Arbeitsministerium eine deutliche Erholung auf dem Arbeitsmarkt gemeldet. Im Monat März seien 308.000 neue Jobs geschaffen worden - das sei der höchste Anstieg seit vier Jahren. In den sechs vorangegangenen Monaten waren durchschnittlich 75.000 neue Jobs pro Monat entstanden. Sowohl Dow Jones   als auch der Technologieindex Nasdaq Composite   starteten mit Abschlägen in den Handel.

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