Anklage Kaufmann schmuggelte sieben Milliarden Zigaretten

Acht Jahre lang haben die Ermittlungen in einem der größten Fälle von Zigarettenschmuggel in Deutschland gedauert. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Stade Anklage gegen einen Kaufmann und 17 weitere Verdächtige erhoben. Das Ausmaß des Schmuggels ist tatsächlich gigantisch.


Stade - Der Hauptangeklagte, ein 43 Jahre alter Kaufmann, soll von 1996 bis 2000 mindestens sieben Milliarden Zigaretten der Firma Reemtsma im Wert von rund 87 Millionen Euro für den Export nach Osteuropa gekauft und dann unversteuert nach Deutschland und in andere Länder geschmuggelt haben.

Zigarettenstapel: Mehr als sieben Milliarden Stück im Wert von 87 Millionen Euro geschmuggelt
DDP

Zigarettenstapel: Mehr als sieben Milliarden Stück im Wert von 87 Millionen Euro geschmuggelt

In den Fall waren auch hochrangige Manager der Firma Reemtsma verstrickt. Ihre Verfahren waren schon 2005 gegen Geldbußen in Millionenhöhe und nach Zahlung hinterzogener Steuern eingestellt worden. Unter den jetzigen Beschuldigten ist nur noch ein Reemtsma-Mitarbeiter. Bei den Ermittlungen hatten 2003 mehrere hundert Zöllner und Polizisten zwei Tage die Konzernzentrale in Hamburg und Privathäuser durchsucht.

Unter den Beschuldigten sind acht Deutsche, neun Litauer und ein Russe. Die Anklage lautet auf Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, gewerbsmäßigen Schmuggel und Geldwäsche. In der mehr als 1000-seitigen Anklageschrift wirft die Staatsanwaltschaft ihnen vor, ein internationales Firmengeflecht für ihre kriminellen Geschäfte errichtet zu haben. Die kriminellen Machenschaften der Tätergruppe seien nur möglich gewesen, "indem eine hochkomplexe Schattenwirtschaft jahrelang am Leben gehalten wurde", heißt es darin.

In den Firmen des 43-jährigen Kaufmanns seien 171 Millionen Euro falsch verbucht worden, um Gewinne aus dem Zigarettenschmuggel zu vertuschen. Die Schmuggelerlöse seien in Bargeldkoffern hin und her getragen und mit Hilfe legaler Geschäfte gewaschen worden.

Die Ermittlungen waren nach Angaben von Staatsanwaltschaftssprecher Burkhard Vonnahme 1999 in Gang gekommen, nachdem das Zollkriminalamt Köln durch Razzien auf den Fall gestoßen war. Der Zoll habe mehrfach geschmuggelte Zigaretten aufgebracht, die von dem Kaufmann zunächst exportiert worden seien. Die Ermittlungen hätten mehrere Jahre gedauert. Insgesamt wurden rund 3150 Personen und 2100 Firmen in mehreren Staaten überprüft, darunter in China, der Schweiz und den USA.

Wann die Wirtschaftskammer des Landgerichts Stade über die Prozesseröffnung entscheidet, ist nach Gerichtsangaben noch offen.

kaz/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.