Anlage in Metallen 555 Prozent Wertgewinn in vier Jahren

Aktien, Gold und Immobilien? Wie langweilig. Erste Zertifikate-Anbieter bieten Investitionen in seltene Metalle wie Molybdän an. Dabei locken teils exorbitante Preissteigerungen - der Markt ist jedoch volatil und birgt mehr Gefahren als andere Anlageklassen.

Hamburg - Selen plus 555 Prozent, Molybdän plus 471 Prozent, Indium plus 463 Prozent. Das sind nur drei Beispiele für gewaltige Preissteigerungen, die einige selten vorkommende Metalle allein zwischen 2001 und 2004 erfahren haben.

Klar, dass die Kapitalanlagebranche bei solchen Wertentwicklungen nicht lange fackelt. Die ersten Produkte, mit denen Anleger in diesen Bereich investieren können, gibt es bereits. Jüngst legte die Société Générale ein Zertifikat auf den eigens zusammengestellten SGI Molybdenum Total Return Index (Molex)   auf - er enthält nach Angaben des Anbieters die weltweit größten Unternehmen, die einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes mit der Gewinnung von Molybdän machen.

Kürzlich kam zudem ABN Amro mit einem Produkt auf den Markt, das sich am Global Rare Metalls Mining TR Index orientiert. Der Index wird von Standard & Poor's berechnet und bildet zurzeit 15 Unternehmen ab, die vor allem im Bereich der Förderung von Titan, Kobalt und Molybdän aktiv sind. Weitere Anbieter stehen in den Startlöchern.

Aber lohnt sich das Investment wirklich? Was ist von einem Markt noch zu erwarten, der bereits einen solchen Aufschwung hinter sich hat? Eines ist klar: Die seltenen Metalle, zu denen auch Antimon, Indium, Tantal und Beryll gezählt werden, haben in den vergangenen Jahren stark vom allgemeinen Wachstum der Weltwirtschaft profitiert. Vor allem in Schwellenländern wie Indien und China stieg die Nachfrage nach den Materialien enorm an, die vor allem in der Elektro-, Medizin-, Informations- und Kommunikationtechnologie gebraucht werden.

Auch der Boom in der asiatischen Stahlindustrie hat die Hausse bei einigen der Stoffe angeheizt. Molybdän etwa gilt als beliebte Beigabe zur Stahlveredelung - die enorm ansteigende Stahlproduktion der letzten Jahre besonders in China hat stark zum Nachfrage- und damit auch Preisanstieg bei diesem Metall beigetragen.

Auf der anderen Seite steht - für die Rohstoffgewinnung typisch - ein vergleichsweise statisches Angebot. Bergbauunternehmen denken in der Regel in sehr langen Zyklen, Produktionskapazitäten werden kaum von heute auf morgen ausgeweitet.

Die Folge war der Preisboom der vergangenen Jahre. Ob sich dieser fortsetzen wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Und selbst wenn es weiter aufwärts geht mit den Preisen für Molybdän, Kobalt und Co., stellt sich zusätzlich die Frage, ob die Anleger von Zertifikaten à la ABN Amro und Société Générale davon auch profitieren werden. Schließlich investieren sie nicht in die Materialien selbst, sondern - auf dem Umweg über das Börsenparkett - lediglich in Unternehmen, die in dem Markt aktiv sind.

"Ein unsicheres Szenario"

"Angesichts von Hypotheken- und Kreditkrise haben wir zurzeit weltweit ein unsicheres gesamtwirtschaftliches Szenario", konstatiert Stefan Gresse von ABN Amro gegenüber manager-magazin.de. "Für die Unternehmen in unserem Index gibt es keine Sonderkonjunktur. Kommt es zum weltwirtschaftlichen Abschwung, werden auch sie davon betroffen sein."

Kein unwahrscheinliches Szenario. Schließlich warnen namhafte Banken wie Goldman Sachs und zuletzt vor allem Morgan Stanley bereits vor einer drohenden Rezession in den USA - die Auswirkungen, die eine solche auf die Weltwirtschaft hätte, liegen auf der Hand.

Laut Gresse hatte der Rohstoffsektor allerdings jahrelang unter Überkapazitäten zu leiden. Seiner Ansicht nach wird mit dem gegenwärtigen Aufschwung lediglich die daraus folgende Unterbewertung der Unternehmen an der Börse wettgemacht.

Ähnlich sieht das Andreas Kotula, Zertifikate-Experte bei der Société Générale: "Molybdän wird wie viele andere seltene Metalle vor allem in Branchen verwendet, die sehr wachstumsabhängig sind. Lässt der weltweite Konjunkturaufschwung nach, dürften diese Branchen davon als erste betroffen sein."

So weit ist es allerdings noch nicht. In den vergangenen Jahren stieg die weltweite Nachfrage nach Molybdän laut Kotula pro Jahr um 6 Prozent. Da das Angebot gleichzeitig um 1 bis 2 Prozent nachgab, war der Preisanstieg nur eine logische Konsequenz. "Um dem Bedarf gerecht zu werden, versuchen die Bergbauunternehmen das Material, das jahrelang lediglich als Abfallprodukt beim Kupferabbau zutage trat, jetzt auch in eigenen Minen zu gewinnen", sagt Kotula. "Diese sind aber bislang nicht sehr ergiebig."

Hedgefonds sind schon im Markt

Es gibt allerdings Einflussgrößen auf die Preisentwicklung der Metalle, die mit der Weltwirtschaft und der Hoffnung auf eine Fortsetzung des Aufschwungs der Schwellenländer nicht viel zu tun haben. In Finanzkreisen ist zum Beispiel zu hören, dass auch dieser Markt, auf dem es an sich keinen geregelten Handel gibt, bereits von diversen Hedgefonds entdeckt wurde. Wo Finanzjongleure dieser Couleur auftauchen, das ist bekannt, unterliegt die Preisbildung zusätzlich einer Reihe irrationaler Kräfte.

"Da der Markt sehr intransparent ist, lässt sich schwer beurteilen, in welchem Ausmaß spekuliert wird", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte von der Commerzbank. "Klar ist aber, dass die Auswirkungen von Spekulationen aufgrund der schieren Enge des Marktes viel größer sind, als anderswo."

Weinberg erwartet aufgrund der starken Hausse der vergangenen Jahre in nächster Zeit einen zyklisch bedingten Abschwung bei den Preisen für seltene Metalle. "Das gilt aber nicht unbedingt für die Kurse der in diesem Bereich tätigen Unternehmen", meint der Experte. "Deren Bewertungen erscheinen zum Teil vielmehr nach wie vor günstig, denn sie basieren zum Großteil noch auf alten Preisen."

Investment mit politischen Risiken

Eines darf bei alldem indes nicht vergessen werden: Das Thema "seltene Metalle" hat - wie immer, wenn es um Rohstoffe geht - auch eine politische Dimension. Nicht umsonst wird gerne von "strategischen Metallen" gesprochen. Schließlich sind Stoffe wie Molybdän, Kobalt oder Coltan nicht nur schwer zu finden. Ihr Vorkommen beschränkt sich vielmehr in der Regel auch auf wenige Länder. Und dabei handelt es sich häufig um Konfliktregionen sowie Staaten - etwa in Afrika - mit instabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen.

Beispiel Kongo: Das afrikanische Land verfügt über reichhaltige Vorkommen verschiedenster Rohstoffe, darunter Diamanten, Gold, Kobalt und Kupfer. Während der dort von Ende der 90er Jahre bis Anfang dieses Jahrzehnts herrschenden Kriegswirren geriet insbesondere der Bezug des Minerals Coltan aus der Demokratischen Republik Kongo in die Kritik.

Aus Coltan wird vor allem Tantal gewonnen, das zur Herstellung chirurgischer Instrumente sowie in der Vakuumtechnik Verwendung findet. Das Problem: Die Coltan-Förderung diente zu jener Zeit auch Bürgerkriegsparteien im Kongo zur Finanzierung. Experten gehen davon aus, dass sich solch dubiose Gruppierungen auch heute noch im Abbau und dem Verkauf des relativ leicht mit Schaufel und Hacke zu gewinnenden Minerals betätigten.

Echte Probleme dürften die Warlords beim Vertrieb ihrer Ware kaum haben. Zwar stellen prominente, vor allem westliche Abnehmer in der Regel per freiwilliger Zertifizierung sicher, dass ihr Material aus unverdächtigen Minen beispielsweise in Australien stammt. Insider halten es aber für sehr wahrscheinlich, dass die wirtschaftsmoralische Latte vor allem in Fernost nicht allzu hoch liegt. Ein sicheres Zertifizierungssystem, durch das die Herkunft des Materials weltweit hundertprozentig transparent gemacht würde, gibt es jedenfalls bislang nicht.

Abgesehen davon kann die oligopolistische Marktstruktur auch unmittelbare Auswirkungen auf die Preisentwicklung haben. Als Exempel dient erneut die Demokratische Republik Kongo. Nachdem sich die politische Lage dort inzwischen weitgehend beruhigt hat, könnte die Förderung der Rohstoffe in nächster Zukunft erst richtig in Schwung kommen. Erste Anzeichen gibt es bereits. So investiert der US-Konzern Phelps Dodge zusammen mit der kanadischen Tenke Mining Corporation insgesamt 650 Millionen Dollar in die Lizenz zum Abbau von Kupfer und Kobalt in der Mine "Tenke Fungurume" in der kongolesischen Bergbauprovinz Katanga.

"Das Tenke-Fungurume-Projekt gilt als eines der größten unerschlossenen Kupfer/Kobalt-Vorkommen der Welt", schreibt Phelps Dodge in einer Mitteilung. Spätestens Anfang 2009 soll der Abbau beginnen. Pro Jahr sollen dann schätzungsweise 250 Millionen Pounds Kupfer und 18 Millionen Pounds Kobalt zutage gefördert werden. "Die Lebensdauer dieses Startprojektes beträgt etwa 40 Jahre", so Phelps Dodge.

Der Kupferpreis ist zwischen 2001 und 2004 um etwa 81 Prozent gestiegen. Kobalt legte im gleichen Zeitraum um etwa 118 Prozent zu. Zumindest bei letzterem könnte der Preis auf die jetzt angekündigte Ausweitung des Angebots reagieren. Schließlich macht die geplante Fördermenge etwa ein Siebtel der bisherigen jährlichen Weltproduktion des Metalls aus.

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